Chor des Bayerischen Rundfunks 2018 (Foto: Astrid Ackermann)

75 Jahre Chor des Bayerischen Rundfunks

Münchens vielseitiger Rundfunkchor blickt auf eine lebendige Geschichte zurück! Bewegende Konzerterlebnisse, spannende Rundfunkübertragungen, preisgekrönte CD-Editionen und enge Bindungen an Weltklassekünstler prägen das Wirken des renommierten Chores.

Gerade in der Jubiläumssaison zeigt sich mit großer Klarheit, dass professioneller Chorgesang mehr ist als eine gute Tradition: Wie in seinen Anfangstagen wird der Chor des Bayerischen Rundfunks auch heute als unverzichtbarer Teil der Gegenwartskultur angesehen. Der Chor vereint in einer glücklichen Symbiose das hochklassige Live-Erlebnis im Konzert und die Präsentation von innovativen sängerischen Darbietungsformen wie Web-Uraufführungen mit zeitgemäßer medialer Einbindung in Radio, TV, auf CD und DVD, im Streaming und in Mediatheken.

Gegründet im Mai 1946, in Tagen des Hungers nach Brot und kultureller Vielfalt, war er der erste der drei Nachkriegs-Klangkörper des BR, der über Sendemast und Äther sein Radiopublikum fand, und der bald auch in öffentlichen, wenn auch noch unbeheizten Konzertsälen auftrat. Vor allem in den Konzerten der musica viva gab er all jenem einen künstlerischen Ausdruck, was zuvor lange Jahre aus dem Kulturleben verbannt war. Aber schon bald ging es nicht mehr um Grundversorgung, sondern es mehrten sich Glanzpunkte, bei denen der BR-Chor zum Partner der ganz Großen wurde. Über die Jahrzehnte gaben sich dirigierende Komponisten wie Igor Strawinsky und viele andere ein Stelldichein beim Chor.

Von 2003 bis zu seinem jähen Tod im Dezember 2019 war Mariss Jansons Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der designierte Nachfolger Sir Simon Rattle wird das Amt im Sommer 2023 übernehmen.

Seit 1998 bietet der BR-Chor eine eigene erfolgreiche Abonnement-Konzertreihe in München an. Künstlerischer Leiter des Chores ist seit 2016 Howard Arman.

Bei der musica viva und in den eigenen Abonnementkonzerten profiliert sich der Chor regelmäßig mit Uraufführungen. Europäische Spitzenorchester, darunter die Berliner und Wiener Philharmoniker oder die Sächsische Staatskapelle Dresden schätzen die Zusammenarbeit mit dem BR-Chor. In jüngster Vergangenheit konzertierte der Chor mit Dirigenten wie Giovanni Antonini, Andris Nelsons, Bernard Haitink, Daniel Harding, Yannick Nézet-Séguin, Riccardo Muti, Riccardo Chailly, Robin Ticciati und Iván Fischer sowie mit Herbert Blomstedt und Christian Thielemann. Schwerpunkte bilden dabei große Chorsymphonik, zeitgenössische Vokalmusik sowie die Kooperation mit Originalklang-Ensembles wie Il Giardino Armonico, Concerto Köln und der Akademie für Alte Musik Berlin.

Gastspiele führten den Chor in jüngerer Zeit in die Schweiz zum Lucerne Festival, in die Niederlande, nach Italien, Polen, Kroatien und Frankreich sowie im süddeutschen Raum zum Kissinger Sommer, zum Deutschen Mozartfest Augsburg, zu den Fränkischen Musiktagen, zum Mozartfest Würzburg und zum Rheingau Musik Festival. Regelmäßig ist der BR-Chor bei den Salzburger Festspielen vertreten. Im Januar 2017 nahm der Chor an den Eröffnungskonzerten der Hamburger Elbphilharmonie teil.

Im Sinne des Bildungsauftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks engagiert sich der Chor vielfach in pädagogisch ausgerichteten Projekten. So fördert er junge Solisten und Dirigenten mit Engagements bzw. innerhalb des Chordirigierforums und öffnet sich bei Mitsingkonzerten regelmäßig dem gemeinsamen Musizieren mit Laien. Darüber hinaus erscheinen beim hauseigenen CD-Label BR-KLASSIK regelmäßig große oratorische Werke mit fundierten Werkeinführungen, aktuell mit Mozarts Requiem.

Für seine CD-Einspielungen erhielt der Chor zahlreiche hochrangige Preise, darunter mehrfach den Echo Klassik. Die CD mit Beethovens Missa solemnis unter der Leitung von Bernard Haitink wurde beim Grammy Award 2016 in der Rubrik Best Choral Performance nominiert. Bereits 2015 erfolgte die Auszeichnung mit dem Bayerischen Staatspreis für Musik in der Kategorie Professionelles Musizieren. Die CD mit Mahlers Dritter Symphonie unter der Leitung von Iván Fischer wurde 2018 als Audiophile Mehrkanaleinspielung des Jahres mit einem Opus Klassik geehrt. Die DVD-Edition von Bachs Johannes-Passion wurde vom Preis der deutschen Schallplattenkritik in die Bestenliste 2/2017 aufgenommen. Die CD mit Rachmaninows Glocken erhielt einen Diapason d’or und eine Nominierung für den Grammy 2019 (Best Choral Performance).

Unter den CDs in Zusammenarbeit mit dem Künstlerischen Leiter Howard Arman finden sich zwei Ausgaben von Christmas Surprises ebenso wie Händels Occasional Oratorio, Bach-Motetten, Mendelssohns groß besetzte Psalmvertonungen, Chöre von Elgar, Mozarts Requiem und die c-Moll-Messe sowie das Stabat mater von Dvořák in einer Frühfassung. Unter der Leitung von Giovanni Antonini hat der BR-Chor Haydns Schöpfung zum groß angelegten CD-Zyklus „Haydn 2032“ beigetragen.

Zu den besonders prägenden Begegnungen zählt diejenige mit dem estnischen Komponisten Arvo Pärt, dessen Passionsmusik Passio der BR-Chor 1982 in München uraufführte – ein Auftakt für eine künstlerische Partnerschaft, die vor allem in den vergangenen Jahren besonders intensiv gepflegt wurde. So konnte der BR-Chor etwa die deutsche Erstaufführung von Ja ma kuulsin hääle (And I Heard a Voice) gestalten. Schon zuvor sind zwei CDs (Arvo Pärt – Live und Arvo Pärt – Te Deum) aus mehreren Konzertprogrammen zusammengestellt worden. Und 2019 war Pärt eigens angereist, um bei den Proben für ein Konzert bei den Salzburger Festspielen anwesend zu sein. Dabei äußerte er mit großer Ergriffenheit seine Wertschätzung für die künstlerische Arbeit des Chores. In der Jubiläumssaison präsentiert der BR-Chor zwei weitere CD-Editionen mit Werken von Arvo Pärt, der erst jüngst seinen 85. Geburtstag feierte.

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