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Opern-Chöre: schlaue Füchse und tragische Liebe

Geheimnisvolle Klangwelten zwischen Waldromantik und Kalifenpalast: die Legende vom schlauen Füchslein und eine dramatische Geschichte aus der sagenumwobenen Zeit der Mauren in Spanien.

Gerade wenn das Szenenbild bei konzertanten Opernaufführungen fehlt, ist die Suggestionskraft von Opernchören umso wichtiger. Wenn die Sänger den aufgebrachten Volksmassen, säbelrasselnden Soldaten oder Gefangenen, aber auch Wald- und Dorfbewohnern ihre Stimme geben, dann fällt es nicht mehr schwer, sich die Dramatik der Handlung lebhaft vorzustellen.

An zwei ganz unterschiedlichen konzertanten Opernaufführungen ist der BR-Chor in diesen Tagen beteiligt: Zunächst steht mit dem Münchner Rundfunkorchester Le tribut de Zamora auf dem Programm, die letzte Oper des französischen Spätromantikers Charles Gounod von 1881 (Konzertaudio in der Mediathek).

Die Geschichte spielt in „Al-Andalus“, dem von Mauren besetzten Teil der iberischen Halbinsel. Alljährlich entrichten die Christen den „Tribut von Zamora“, denn in der Schlacht um die gleichnamige Stadt unterlagen sie den Truppen des Kalifen von Córdoba. Auch die junge Xaïma soll dem muslimischen Herrscher ausgeliefert werden, und ihr Liebesglück mit dem Spanier Manoël scheint für immer zerstört …

Eine vollkommen andere Welt eröffnet sich in der Fabel um Das schlaue Füchslein, das Franz Welser-Möst mit hochkarätigen Solisten und dem BRSO präsentiert. In der Geschichte über den Kreislauf der Natur kontrastiert Leoš Janáček die Zwänge der menschlichen Zivilisation mit dem freien Leben in der Natur.

Während die Dorfgemeinschaft erfolglos ihren Träumen nach einem Zigeunermädchen nachhängen, schert sich das schlaue Füchslein um keinerlei Konventionen. Die junge Füchsin reißt Hühner, wird vom Förster gefangen, kann fliehen, verliebt sich und heiratet im Tierreich, bekommt Nachwuchs und wird auf Beutejagd erschossen – ihre Jungen jedoch ziehen neugierig in die Welt. Mit einem Hymnus auf die Natur und das neue Leben beschließt Janáček seine Oper, die einmal als „tschechischer Sommernachtstraum“ bezeichnet wurde.