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Mendelssohns Oratorium Paulus mit Masaaki Suzuki

Donnerstag, 27.09.2018
München, Herkulessaal der Residenz

1. Abonnementkonzert B des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks
Konzerteinführung: 18.45 Uhr, Moderation: Matthias Keller
Konzertbeginn: 20 Uhr

Felix Mendelssohn Bartholdy
Paulus

Oratorium für Soli, Chor und Orchester, op. 36
Pause nach dem ersten Teil

Carolyn Sampson Sopran
Stefanie Irányi Mezzosopran
Mark Padmore Tenor
Albert Dohmen Bassbariton

Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Masaaki Suzuki

Leitung

WERKEINFÜHRUNG: Felix Mendelssohn Bartholdy, Paulus

„Die tiefreligiöse Gesinnung, die sich überall ausspricht“
Von Regina Back

Entstehungszeit: Pläne und erste Skizzen 1832, Komposition von 1834 bis 18. April 1836, Revision im Sommer 1836. Uraufführung: 22. Mai 1836 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf unter der Leitung des Komponisten. Lebensdaten des Komponisten: 3. Februar 1809 in Hamburg – 4. November 1847 in Leipzig

Das Jahr 1835 erwies sich für Felix Mendelssohn Bartholdy als eines der folgenreichsten für seine berufliche Laufbahn. Seit 1833 war er als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf tätig und hatte sich bereits nach kurzer Zeit weithin Beachtung und Renommee erworben. Aus Leipzig erreichten den 25-Jährigen im Januar 1835 gleich drei Anfragen: Der Musikverleger Friedrich Kistner bot ihm an, musikwissenschaftliche Vorlesungen an der Universität zu halten, der Jurist Konrad Schleinitz stellte ihm im Auftrag des Gewandhausdirektoriums die Leitung der Gewandhauskonzerte in Aussicht, und überdies wurde ihm die Redaktion der einflussreichen, in Leipzig erscheinenden Allgemeinen Musikalischen Zeitung angetragen. Mendelssohn, der sich zeit seines Lebens als praktischer Musiker verstand, entschied sich für die Position des Gewandhauskapellmeisters, die er – wie die Geschichte zeigte – erfolgreich und mit großem Engagement ausfüllen sollte. In diese Zeit wichtiger Entscheidungen fiel die Komposition seines ersten Oratoriums Paulus.

Die ersten Pläne dazu waren indes lange vorausgegangen, wie aus einem Brief vom 10. März 1832 an den Sänger Eduard Devrient deutlich wird: „Ich soll für den [Frankfurter] Caecilienverein ein Oratorium machen […]. Der Gegenstand soll der Apostel Paulus sein, im ersten Theil die Steinigung Stephani und die Verfolgung, im 2ten Theil die Bekehrung, im 3ten das christl: Leben und Predigen und entweder der Märtyrertod, oder der Abschied von der Gemeinde.“ In den folgenden Monaten hatte Mendelssohn das Libretto zu seinem Oratorium zusammengestellt und sich dabei auf die Bibelkonkordanz und die Ratschläge des befreundeten Theologen Julius Schubring aus Dessau stützen können, der ihm bei der Konzeption und Ausarbeitung zur Seite stand. Er hielt sich darin im Wesentlichen an die Erzählung der Apostelgeschichte in der Übersetzung Martin Luthers und ergänzte sie gelegentlich mit anderen Bibelstellen, verzichtete jedoch auf frei gedichtete Einschübe und Übergänge, wie sie in den Oratorien seiner Zeit durchaus üblich waren.

Mit der Komposition der Musik begann Mendelssohn 1834, auch weiterhin in engem Dialog mit Schubring und begleitet von der regen Anteilnahme seines Vaters Abraham, der ein besonders ausgeprägtes Interesse gerade an diesem Werk zeigte. Kurz nachdem Mendelssohn im Herbst 1835 seine neue Stelle in Leipzig angetreten hatte, erhielt er indes die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod des Vaters. Sie traf ihn hart, war Abraham doch stets eine geliebte und wichtige Autorität für ihn gewesen. An Schubring schrieb er am 6. Dezember 1835: „Überhaupt mache ich mich nun mit doppeltem Eifer an die Vollendung des Paulus, da der letzte Brief des Vaters mich dazu trieb, und er in der letzten Zeit sehr ungeduldig die Beendigung dieser Arbeit erwartete; mir ists, als müßte ich nun alles anwenden, um den Paulus so gut als möglich zu vollenden, und mir dann denken, er nähme Theil daran.“

Mendelssohn schloss die Komposition am 18. April 1836 ab, und nur wenige Wochen später, am 22. Mai 1836, wurde Paulus beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf unter der Leitung des Komponisten mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Bereits am 3. Oktober 1836 fand in Liverpool die englische Erstaufführung in der Übersetzung des in London wirkenden mit dem Komponisten befreundeten Diplomaten Karl Klingemann statt. Im März 1837, kurz vor Mendelssohns Hochzeit mit Cécile Jeanrenaud, wurde Paulus in Boston und auch in Leipzig gegeben. Weitere Aufführungen sollten im September des gleichen Jahres in London und Birmingham folgen und den überwältigenden Erfolg des Werks noch festigen. Sehr bewegt schrieb Mendelssohn am 29. Mai 1837 aus Frankfurt an seine Mutter Lea: „Für mein Leben und für meine Kunst ist das solch eine glückliche Zeit, daß ich nie weiß, wie ich Gott genug dafür danken soll; […] meinen Paulus haben sie hier in einer Woche 2mal aufgeführt bei vollem Hause und sprechen sogar von einer 3ten Aufführung jetzt nach 4 Wochen.“

Das zweiteilig angelegte Oratorium hat eine Reihe von Episoden aus dem Leben des Paulus zum Inhalt. Dabei folgt der erste Teil den Kapiteln 8 und 9, der zweite den Kapiteln 13 und 20 der Apostelgeschichte, die mit einer Reihe von Versen aus anderen Bibelstellen verknüpft wurden. So stammt etwa die Arie Nr. 7 aus Matthäus 23, der Chor Nr. 15 aus Jesaja 60, die Saulus-Arie Nr. 18 aus Psalm 51, der Chor Nr. 22 aus Römer 11, der Chor Nr. 23 aus Offenbarung 11 und 15, das Duett Nr. 25 aus 2. Korinther 5, und der dreiteilige Schluss des Werks schließlich ist aus 1. Johannes 3, 2. Timotheus 4 und den Psalmen 115 und 103 kompiliert. Das Oratorium beginnt mit einem musikalischen Juwel, der erhabenen und prachtvollen Ouvertüre, in der der Choral Wachet auf, ruft uns die Stimme zunächst im Grave vorgetragen wird und sich dann in einer groß angelegten Orchesterfuge ausgehend vom melodischen Moll ins hymnische Dur steigert. Der monumentale Eingangschor Nr. 2 Herr, der du bist der Gott, der in seiner freien Imitatorik an Händel erinnert, schließt sich mit dem affirmativ gestalteten Lobpreis Gottes an, ebenso der Choral Nr. 3 Allein Gott in der Höh sei Ehr.

Die Erzählung der Vorgeschichte setzt mit Rezitativ Nr. 4 ein, in dem der wundertätige Stephanus von den Schriftgelehrten der Gotteslästerung angeklagt wird. Das rachsüchtige Volk stimmt in Chor Nr. 5 voller Zorn in die Anklage ein; rasche Figurationen und erregte Tremoli der Streicher sowie Bläsereinwürfe charakterisieren die Begleitung des Satzes, der ganz in der Tradition Bach’scher Turbachöre steht. Stephanus verteidigt sich (Nr. 6) und erlebt nach dem zornerfüllten, wuchtigen Volkschor eine Christusvision, untermalt von leisen, langgezogenen Akkorden. An dieser Stelle unterbricht Mendelssohn den Fortgang der Handlung durch die Sopranarie Nr. 7 Jerusalem, die du tötest die Propheten, ein sehr kontemplatives Stück, das wie aus einer anderen Welt herüberklingt und sich durch seinen versöhnlichen, innigen Charakter deutlich vom Vorangegangenen abhebt. Das Abreißen der Dramatik und die Versenkung in Stille und Betrachtung gelingen dem Komponisten hier höchst wirkungsvoll. Das Toben der wildgewordenen Volksmenge und die Steinigung des Stephanus (Nr. 8 und 9), die Mendelssohn in packendem Realismus vertont, beschließt der Choral Dir, Herr, dir will ich mich ergeben mit dem Lob der Demut und der Ehrfurcht vor dem Tod.

In Rezitativ Nr. 10 wird Saulus, der der Steinigung als Ankläger des Stephanus beigewohnt hatte, erstmals erwähnt; die Geschichte seiner Wandlung zu Paulus, dem Apostel Christi, beginnt. Nach Chor Nr. 11 Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben, der die Seligpreisung der Märtyrer zum Inhalt hat, tritt Saulus mit der wilden und machtvollen Rachearie Nr. 12 Vertilge sie, Herr Zebaoth auf, in der er die Gemeinde gegen die Jünger Christi aufzustacheln versucht. Mit ihrem dramatischen Tonfall, großen Intervallsprüngen und markanten, aufwühlenden Rhythmen charakterisiert sie Saulus als starke Persönlichkeit. Auch den dramaturgischen Höhepunkt des Werks, Saulus’ Damaskus-Erlebnis (Nr. 14), vertont Mendelssohn mit dem häufigen Wechsel von Rezitativ und Chor hochdramatisch. Die Erscheinung Gottes selbst indes – es „umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel“ – wird allein durch ein Streichertremolo von höchster Intensität dargestellt. Nach alter Motettentradition erklingt nun die Stimme des Herrn wie von oben im vierstimmigen Frauenchor und fordert Saulus auf, nach Damaskus zu gehen. Der nun folgende Chor Nr. 15 Mache dich auf, werde Licht, in dem die überwältigende Erscheinung ihren Nachklang findet, gehört zu den bedeutendsten Sätzen des ganzen Werks: Mit markanten, scharf punktierten Rhythmen und affirmativer Melodik wird darin die Metapher des „Lichts“ als Sinnbild für Saulus’ Erleuchtung und Bekehrung musikalisch höchst wirkungsvoll umgesetzt, was durch den Kontrast mit dem barock anmutenden Fugato über die „Finsternis“ noch verstärkt wird. Der Choral Nr. 16 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, der schon in der Ouvertüre als Leitmotiv fungierte, erklingt nun an zentralem Ort in seiner vollen Aussagekraft, unterstützt durch die prächtigen, von Hörnern, Trompeten und Posaunen eingeworfenen Fanfaren.

Der mit Blindheit geschlagene Saulus macht sich auf den Weg nach Damaskus (Rezitativ Nr. 17). In seiner Reuearie Nr. 18 Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte wird seine innere Umkehr deutlich, im anfänglichen Adagio-Teil erkennt er seine Verfehlungen und bittet um Gnade, im Allegro maestoso formuliert er sein Bekenntnis zu Gott. Die Dankesarie mit Chor Nr. 20 und das Rezitativ Nr. 21 umfassen die eindrucksvoll gestaltete Episode seiner Taufe und Segnung durch Ananias. Der Moment, in dem Saulus sein Augenlicht wieder erlangt, wird durch ein äußerst effektvolles, geradezu opernhaft komponiertes Orchesterzwischenspiel hervorgehoben, das sich in einem Fugato zu einem erregenden Höhepunkt steigert. Der Schlusschor Nr. 22 des ersten Teils schlägt mit seiner kunstvoll gestalteten Chorfuge über den Lobpreis des Herrn den Bogen zum Beginn des Werks.

Im Zentrum des zweiten Teils steht das Wirken des nun unter dem Namen Paulus predigenden Apostels, der gemeinsam mit Barnabas seine erste Missionsreise antritt (Duett Nr. 25 „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt“). Bald lehnen sich die Juden gegen die Predigten der Apostel auf. Ihr Aufbegehren mündet in den Volkschor Nr. 28 „So spricht der Herr“, in dem sie Paulus’ Tod fordern; ihr Hassgesang steigert sich dabei aus dem Flüstern zum tobenden Wutausbruch. Mendelssohns schlichte musikalische Gestaltung und die prägnante Begleitung durch Trommeln heben die Welt der Juden dabei kontrastreich von der Umgebung ab. Auch die Heiden, an die sich die Missionare in der Folge wenden (Rezitativ Nr. 30 und Duett Nr. 31 „Denn also hat uns der Herr geboten“), werden musikalisch in ähnlicher Weise charakterisiert. Sie wollen den Aposteln nach der Heilung des lahmen Mannes zu Lystra (Rezitativ Nr. 32) Opfergaben darbringen (Rezitativ Nr. 34).

Die in Rezitativ, Arie und Chor Nr. 36 zum Ausdruck gebrachten Zornesbekundungen des Paulus und sein Aufruf an die Ungläubigen zur Bekehrung wird durch die vereinte Rache der Juden und Heiden im wuchtigen, rhythmisch konturierten Chor Nr. 38 Hier ist des Herren Tempel beantwortet. Auf dem Höhepunkt der Spannung lenkt Mendelssohn die Aufmerksamkeit indes wieder ganz nach innen: In der Cavatine Nr. 40 Sei getreu bis in den Tod, die musikalisch durch die aparte Begleitung des Solo-Cellos hervorsticht, spricht Gott dem verfolgten Paulus Mut und Trost zu.

In der letzten Episode stehen Paulus’ bewegender Abschied von seiner langjährigen Wirkungsstätte, der Gemeinde in Ephesus (Rezitativ Nr. 41), und sein Weg nach Jerusalem im Mittelpunkt. Der Chor Nr. 42 Schone doch deiner selbst, in dem die trauernde Gemeinde Paulus zum Bleiben zu bewegen sucht, ist mit seinen abwärts gerichteten Skalen musikalisch besonders anschaulich gestaltet. Der epische Abspann des Werks, der den Chor Nr. 43 „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget“, das Rezitativ Nr. 44 und den Schlusschor Nr. 45 „Nicht aber ihm allein, sondern allen“ umfasst, lässt den Tod des Paulus nur noch erahnen und weitet stattdessen den Dank und Preis auf all diejenigen aus, die für ihre Bestimmung leiden und sterben, was in festlichen Tönen, hymnischer Breite und einer monumentalen Chorfuge seinen erhabenen Ausdruck findet.

Den ungeheuren Erfolg, der sich bereits unmittelbar nach den ersten Aufführungen einstellte, verdankte Paulus Mendelssohns souveränem, assoziationsreichem Spiel mit der Gattungstradition sowie der Synthese von klassischen Stilmitteln und persönlichem Ausdruckswillen. Bei der – durchaus umstrittenen – Integration der vier protestantischen Choräle beispielsweise, die jeweils nach größeren Handlungsabschnitten als Momente der Besinnung eingefügt werden und als Zäsur fungieren, bezieht sich der Komponist eng auf die Passionen Johann Sebastian Bachs. In den großen Eingangs- und Schlusschören wiederum, die sich durch einen üppigen Vokalsatz, hymnisch gesteigerte Spannungsbögen und den kontrastreichen Wechsel von homophonen und polyphonen Passagen auszeichnen, scheint das Vorbild Georg Friedrich Händels auf.

Robert Schumann, der 1837 eine ausführliche Besprechung des Werks in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ veröffentlichte und darin auch diese Momente einer kritischen Würdigung unterzog, bewunderte indes vor allem und zu guter Letzt „die tiefreligiöse Gesinnung, die sich überall ausspricht, betrachtet man all das Musikalisch-Meisterlich-Getroffene, diesen edlen Gesang durchgängig, diese Vermählung des Wortes mit dem Ton, […] die Anmuth, die über das Ganze wie hingehaucht ist, diese Frische, dieses unauslöschliche Colorit in der Instrumentation, des vollkommen ausgebildeten Styles, des meisterlichen Spielens mit allen Formen der Setzkunst nicht zu gedenken. […] Die Musik zum Paulus ist im Durchschnitt so klar und populär gehalten, prägt sich so rasch und für lange Zeit ein, daß es scheint, der Componist habe während des Schreibens ganz besonders darauf gedacht, auf das Volk zu wirken.«

DIRIGENT DES ABENDS: Masaaki Suzuki

Seit bald drei Jahrzehnten steht der japanische Dirigent, Cembalist und Organist an der Spitze des von ihm 1990 gegründeten Bach Collegium Japan und hat sich in dieser Zeit als eine führende Autorität für die Interpretation der Musik Johann Sebastian Bachs etabliert. 2014 schlossen Masaaki Suzuki und sein Ensemble ihre 55 CDs umfassende Einspielung aller Kirchenkantaten des Leipziger Thomaskantors ab, die bei der Fachkritik große Anerkennung gefunden hat. Gemeinsam mit dem Bach Collegium Japan ist Masaaki Suzuki zu Gast in den wichtigen Musikzentren und bei renommierten Festivals in Europa und den USA. Erst kürzlich, im Juni 2018, waren sie im Rahmen des Kantaten-Rings des Bachfestes Leipzig in der Thomaskirche zu erleben und sorgten zudem im Gewandhaus mit Mendelssohns „Elias“ für eine „chorsinfonische Sternstunde“, wie die Leipziger Volkszeitung schrieb.

Weitere Höhepunkte der letzten Saison waren Auftritte im Amsterdamer Concertgebouw, im Théâtre des Champs-Éylsées in Paris, im New Yorker Lincoln Center und in der Davies Symphony Hall in San Francisco. Masaaki Suzuki, als Sohn einer evangelischen Familie in Kobe geboren, spielte schon mit zwölf Jahren die Kirchenorgel im Gottesdienst, seine Studien absolvierte er an der Tokyo University of Fine Arts and Music sowie am Sweelinck Conservatorium in Amsterdam bei Ton Koopman und Piet Kee. Auch als Pädagoge genießt Masaaki Suzuki einen ausgezeichneten Ruf: Er gründete den Lehrstuhl für Alte Musik an der Tokyo University und wirkte hier lange Jahre als Professor, an der Yale University bekleidete er von 2009 bis 2013 eine Professur für Chorleitung. Derzeit ist er Erster Gastdirigent der Yale Schola Cantorum.

Masaaki Suzuki arbeitet mit namhaften Ensembles für historische Aufführungspraxis wie dem Orchestra of the Age of Enlightenment oder dem Philharmonia Baroque Orchestra. Außerdem steht er am Pult großer Symphonieorchester wie dem New York Philharmonic Orchestra, dem San Francisco und dem Sydney Symphony Orchestra oder dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Außer seinem Debüt beim BR-Chor und –Symphonieorchester mit den Konzerten dieser Woche wird er in dieser Saison auch bei den Göteborger Symphonikern, beim Orchestre Philharmonique de Radio France sowie beim Yomiuri Nippon Symphony Orchestra seinen Einstand geben.

Die umfangreiche Diskographie von Masaaki Suzuki umfasst außer den Bach-Kantaten auch Einspielungen Bach’scher Orgel- und Cembalomusik, Mozarts c-Moll-Messe und Requiem sowie Beethovens Missa solemnis. Masaaki Suzuki wurde u. a. mit der Leipziger Bach-Medaille, mit dem Royal Academy of Music Bach Prize und dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

DIE SOLISTEN DES KONZERTS

Carolyn Sampson, 2004 von Gramophone als „beste britische Alte-Musik-Sopranistin“ gefeiert, ist ein gefragter Gast – in ihrem Heimatland ebenso wie auf den großen Konzertpodien und Opernbühnen der Welt. Sie sang an der English National, der Glyndebourne Festival und der Scottish Opera, bei den BBC Proms, an der Opéra de Paris, der Opéra National du Rhin und beim Boston Early Music Festival, wo sie die Titelpartie in Lullys „Psyché“ gestaltete. Rollen von Händel, Purcell und Mozart zählen ebenso zu ihrem Repertoire wie Anne Trulove in Strawinskys „The Rake’s Progress“ oder die Titelpartie in Debussys „Pelléas et Mélisande“. Im Konzertfach arbeitet Carolyn Sampson mit namhaften Orchestern wie dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem Freiburger Barockorchester, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Boston Symphony und dem Philadelphia Orchestra zusammen und ist regelmäßig beim Mostly Mozart Festival zu erleben. Recital-Auftritte führen die passionierte Liedsängerin u. a. in die Londoner Wigmore Hall, wo sie 2014/15 als „featured artist“ vorgestellt wurde, sowie nach Wien, Frankfurt, New York und Japan. Gemeinsam mit ihrem Duopartner Joseph Middleton hat sie eine Reihe hochgelobter Alben veröffentlicht, zuletzt „A Soprano’s Schubertiade“. Ebenfalls große Beachtung fanden ihre weiteren CDs, Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit dem Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly, Strawinskys „Les Noces“ und Mass sowie Mozarts Requiem, c-Moll-Messe und „Exsultate, jubilate“ mit dem Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki. Beim BR-Symphonieorchester war Carolyn Sampson bereits zweimal als Bach-Interpretin zu erleben: 2007 mit der h-Moll-Messe unter Ton Koopman und 2015 mit der Kantate „Falsche Welt, dir trau ich nicht!“ unter Andrea Marcon.


Ihr Gesangsstudium absolvierte die deutsche Mezzosopranistin Stefanie Irányi, die im bayerischen Chiemgau aufwuchs, an der Münchner Musikhochschule. Noch während ihres Studiums debütierte sie 2006 am Teatro Regio Torino in einer Neuinszenierung von Gian Carlo Menottis „The Consul“. Engagements an weiteren italienischen Bühnen, so in Palermo, Florenz, Neapel, Parma und Venedig, schlossen sich an. Zugleich ging die Künstlerin bei wichtigen internationalen Wettbewerben als Preisträgerin hervor, u. a. beim Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau und beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin. Mit einem breiten Repertoire vom Barock bis zur Spätromantik gastiert sie heute auf den großen Podien weltweit, im Wiener Musikverein und Konzerthaus, in der Suntory Hall in Tokio, im Théâtre des Champs-Élysées in Paris sowie im Herkulessaal und in der Philharmonie in München. Zu ihren Partnern am Dirigentenpult zählen dabei u. a. Hansjörg Albrecht, Asher Fisch, Fabio Biondi, Manfred Honeck, Zubin Mehta, Philippe Herreweghe und Jeffrey Tate. Eine besondere Liebe verbindet Stefanie Irányi mit dem Liedgesang. Zumeist an der Seite von Helmut Deutsch ist sie bei den renommierten Festivals in Deutschland und Österreich sowie bei der Schubertiade in Vilabertran zu erleben. Auf CD veröffentlichte die Mezzosopranistin u. a. Duette von Brahms mit dem Bariton Michael Volle, Aufnahmen von Opern von Johann Simon Mayr sowie das gemeinsam mit der Münchner Hofkapelle unter Michael Hofstetter eingespielte Album Lamento mit Arien aus Opern von Hasse, Haydn und Händel, für das sie begeisterte Kritiken erhielt.


Nach Abschluss seiner Gesangsausbildung am King’s College in Cambridge etablierte sich der britische Tenor Mark Padmore rasch als Barock-Experte. Berühmt wurden seine Aufnahmen des Händel’schen „Messiah“, der Bach-Kantaten unter John Eliot Gardiner und Philippe Herreweghe sowie des Evangelisten in den Bach’schen Passionen, u. a. mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle in der „Ritualisierung“« von Peter Sellars. Wie im Konzertsaal widmet sich der Tenor auch auf der Opernbühne gerne Werken des Barock, doch ist er ebenso fest im modernen und zeitgenössischen Repertoire verankert. Er sang Captain Vere in Brittens „Billy Budd“ sowie Hauptrollen in Harrison Birtwistles „The Corridor“ und „The Cure“ und George Benjamins „Written on Skin“. Im Juni 2018 begeisterte er das Publikum des Londoner Royal Opera House in der Uraufführung von Tansy Davies’ Oper „Cave“. Als Liedsänger widmet sich Mark Padmore immer wieder den drei Zyklen Schuberts – die gemeinsam mit Paul Lewis veröffentlichte CD wurde mit dem Vocal Solo Award des Magazins Gramophone ausgezeichnet. Für Schumanns Dichterliebe mit Kristian Bezuidenhout gewann er 2011 einen Edison Klassiek Award. Mark Padmore wurde 2016 von Musical America zum Vocalist of the Year ernannt und ist Artistic Director des St Endellion Summer Music Festival in Cornwall.


Seit seinem internationalen Durchbruch 1997 als Wozzeck bei den Salzburger Festspielen gastiert der Bassbariton Albert Dohmen an den führenden Opernhäusern der Welt, so etwa an der Pariser Opéra Bastille, der Münchner Staatsoper, am Royal Opera House in London, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und am Teatro Real in Madrid. Zu seinem Repertoire zählen die großen Partien seines Fachs wie Kurwenal, König Marke, Amfortas, Holländer, Hans Sachs, Falstaff, Barak, Scarpia, Jochanaan und Herzog Blaubart. Insbesondere etablierte er sich als weltweit gefragter Wotan, so sang er diese Partie in kompletten „Ring“-Zyklen u.a. in Triest, Genf, Catania, an der Deutschen Oper Berlin, an der Wiener Staatsoper, an der Nederlandse Opera Amsterdam und an der New Yorker Met. Im Sommer 2007 debütierte Albert Dohmen als Wotan/Wanderer im „Ring“-Zyklus der Bayreuther Festspiele und kehrte auch in den folgenden Jahren in diesen Partien nach Bayreuth zurück. Von 2015 bis 2017 übernahm er für die „Ring“-Aufführungen der Bayreuther Festspiele dann die Rolle des Alberich. Auch als Konzertsänger genießt Albert Dohmen hohes Ansehen. Mit Werken von Bach bis Schönberg gastiert er bei internationalen Festivals und in den renommierten Konzertsälen der Welt. Auf CD ist er u. a. in Einspielungen von „Die Frau ohne Schatten“, „Fidelio“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ unter Georg Solti zu erleben.

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