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Chor-Abo: Haydn – Die Schöpfung

Samstag, 11.05.2019
München, Herkulessaal der Residenz

Bitte beachten Sie: Ein Wiederholungskonzert findet bereits am Fr., 10. Mai 2019 statt. Karten über MünchenTicket sowie über die Münchner Konzertdirektion Hörtnagel.


Abonnementkonzert 5
Konzerteinführung: 19 Uhr
mit Giovanni Antonini, Moderation: Elgin Heuerding
Konzertbeginn: 20 Uhr

Joseph Haydn
Die Schöpfung

Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester, Hob. XXI:2
(Pause nach dem ersten Teil)

Anna Lucia Richter Sopran
Gabriele Weinfurter Mezzosopran
Maximilian Schmitt Tenor
Florian Boesch Bariton

Chor des Bayerischen Rundfunks

Einstudierung: Peter Dijkstra

Il Giardino Armonico

Giovanni Antonini

Leitung

WERKEINFÜHRUNG: Haydns Schöpfung

„Ich war nie so fromm“
Von Vera Baur

Joseph Haydn: * 31. März 1732 in Rohrau. + 31. Mai 1809 in Wien. Die Schöpfung, Oratorium für Soli, Chor und Orchester in drei Teilen, Hob. XXI: 2. Entstehungszeit: 1796 – 1798, Uraufführung: 29./30. April 1798 im Palais Schwarzenberg unter der Leitung des Komponisten; erste öffentliche Aufführung am 19. März 1799 im Wiener Hofburgtheater.

Als Joseph Haydn im Spätsommer 1795 von seinem zweiten England-Aufenthalt nach Wien zurückkehrte, stand er auf der Höhe seines Ruhmes. Er hatte mit der Aufführung seiner zwölf Londoner Symphonien in den Konzerten des Impresarios Johann Peter Salomon beispiellose Erfolge gefeiert und die Gattung, die er sein Leben lang gepflegt und mit insgesamt 104 Werken bedacht hatte, für sich zu einem krönenden Abschluss gebracht. So war er im Alter von 63 Jahren einer der berühmtesten und meistgefragten Komponisten seiner Zeit. Und es gelang ihm sogar, seinem Schaffen in den späten Jahren seines Lebens noch ein weiteres hochbedeutendes Kapitel anzufügen: Im Dienst Fürst Nikolaus II. von Esterházy entstanden die sechs späten Messen, daneben komponierte er als freier Künstler für Wiener Adelige seine letzten Streichquartette und Klaviertrios sowie die beiden deutschsprachigen Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten. Die Schöpfung war es schließlich, die ihm den größten Triumph seines Lebens bescherte.

Die ursprüngliche Inspiration zur Komposition eines großdimensionierten nationalsprachlichen Oratoriums hatte Haydn wohl schon 1791 während seines ersten London-Besuchs erhalten, als er in Westminster Abbey und in verschiedenen Londoner Theatern mehrere Händel-Oratorien hörte und von diesen tief beeindruckt war. Eine weitere Anregung dürfte ein englischsprachiges Libretto über die Schöpfungsgeschichte gewesen sein, das Haydn 1795, als er zum zweiten Mal in London weilte, von Salomon übermittelt bekam und das ursprünglich für Händel gedacht gewesen war. Haydn zeigte zwar großes Interesse an dem Stoff, traute sich aber eine unmittelbare Vertonung aus Sprachgründen nicht zu. Nach Wien zurückgekehrt, zeigte er den Text Baron van Swieten, dem Präfekten der Wiener Hofbibliothek und leidenschaftlichen Musikmäzen, dem u. a. auch Mozart seine Kenntnis der Werke von Bach und Händel verdankte. Bereits 1786 hatte van Swieten eine Gesellschaft gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, große Vokalwerke älterer Meister aufzuführen. Dabei widmeten sich die Associierten Cavaliere, so der Name der Vereinigung aus Mitgliedern des Wiener Adels, vorwiegend Kompositionen von Hasse, C. Ph. E. Bach und eben den Oratorien von Händel (für eines dieser Konzerte war auch Mozarts bekannte Messias-Bearbeitung entstanden). Van Swieten, der sich ohnehin schon seit längerer Zeit ein Oratorium aus Haydns Hand wünschte, war also genau die richtige Person, um den aus London Heimgekehrten in seinen Plänen zu bestärken. Er bot sich sofort an, den englischen Text zu übersetzen und einzurichten und kümmerte sich zusätzlich um die Finanzierung des ganzen Projektes: Die Associierten Cavaliere stellten ein Honorar von 500 Dukaten zur Verfügung, was dem Eineinhalbfachen von Haydns Jahresgehalt als Esterházy’scher Kapellmeister entsprach und ihm völlige Unabhängigkeit sicherte. Nach der Uraufführung des neuen Werks im halbprivaten Kreis der „Cavaliere“ am 30. April 1798 im Palais des Fürsten Schwarzenberg übernahmen van Swieten und seine adelige Gesellschaft schließlich auch die Kosten für die erste öffentliche Darbietung der Schöpfung am 19. März 1799 im Wiener Burgtheater. Den Erlös der verkauften Karten erhielt Haydn.

Der außerordentliche Erfolg des Oratoriums – bis 1810 erlebte es allein in Wien mehr als 40 Aufführungen – verdankte sich außer dem Rang der Musik selbst einem zweiten wichtigen Moment: der dem Werk zu Grunde liegenden Geisteshaltung, die den Nerv der Aufklärung im ausgehenden 18. Jahrhundert in besonderem Maße traf und an der naturgemäß das Libretto einen großen Anteil hatte. Die englische Textvorlage, die Haydn 1795 aus London mitgebracht hatte, gilt als verschollen, der Autor wird zwar mit dem Namen Lidley bzw. Linley in Verbindung gebracht, ist aber auch nach neuesten Forschungen nicht eindeutig identifizierbar. Doch ist die Frage nach der Autorschaft weniger wichtig als die Idee und Gesamtanlage des Textes, die van Swieten weitgehend übernahm. Das Textbuch ist nach Händel’schem Vorbild dreiteilig angelegt und vereint Prosatexte des biblischen Schöpfungsberichts (Gen. I, 1–31, Gen. II, 1–4a) mit kommentierender freier Dichtung, die zu großen Teilen auf John Miltons Paradise Lost (1667/1674) und James Thomsons The Seasons (1730/1746) zurückgeht.

Das Neue gegenüber dem Barockoratorium, das in der Regel die Erlebnisse und tragischen Konflikte eines biblischen Helden ins Zentrum setzte, ist die Abkehr von der dramatischen Handlung hin zu einer mehr kontemplativen Betrachtung und dem Lobpreis der Welt. In den ersten beiden Teilen schildern und besingen die Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael die sechs Schöpfungstage, der dritte Teil ist ganz dem ersten Menschenpaar und dessen frommer, aber dennoch sehr diesseitigen Daseinsfreude gewidmet. Bezeichnend für die Haltung des Oratoriums ist, dass der Sündenfall ausgeklammert bzw. nur einmal angedeutet wird („O glücklich Paar! Und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt“). Adam und Eva erscheinen nicht als Urbild des sündigen, von Gott abgefallenen Menschen, sondern geben sich glücklich und sorgenfrei der Schönheit und Harmonie der Schöpfung hin. Auch die Teile eins und zwei sind gänzlich frei von Gottesfurcht und verkünden ein anthropozentrisches Humanitätsideal. Die Welt ist für die Menschen geschaffen, diese sollen über sie herrschen und sich ihrer erfreuen: „Mit Würd’ und Hoheit angetan, mit Schönheit, Stärk’ und Mut begabt, gen Himmel aufgerichtet, steht der Mensch, ein Mann, und König der Natur“, singt Uriel in Anschluss an den Bibelbericht über die Erschaffung des Menschen. Solche Worte atmen den Geist der Aufklärung. Auch Begriffe wie „Licht“ und „Ordnung“, zentrale Kategorien des vernunftbetonten Denkens im 18. Jahrhundert, nehmen in der Schöpfung breiten Raum ein. Nicht umsonst ist der überwältigende C-Dur-Durchbruch des Lichts nach der Finsternis des vorzeitlichen Chaos die Schlüsselstelle des ganzen Werkes. Aberglauben und Unwissen werden besiegt, alles Dunkle und Unheimliche überwunden: „Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar in des Abgrunds Tiefen hinab, zur ewigen Nacht.“ Dies bedeutet natürlich nicht, dass van Swieten und Haydn ihr Werk nicht aus einer grundsätzlich christlich-gläubigen Haltung heraus geschaffen hätten. Durch seinen ersten Biographen, Georg August Griesinger, ist sogar folgende Äußerung Haydns überliefert: „Ich war auch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete; täglich fiel ich auf meine Knie und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte.“

Doch war Haydns Frömmigkeit keine rein katholische im strengen Sinne, sondern durchdrungen von freimaurerischem Gedankengut (1785 war Haydn der Loge Zur wahren Eintracht beigetreten). Auch die Ideen des Deismus, einer spezifisch aufklärerischen Gottesauffassung, nach der Gott die Welt zwar geschaffen hat, aber keinen direkten Einfluss auf die Gegenwart mehr ausübt, sind in die Schöpfung eingeflossen. Van Swieten, ein Anhänger des Deismus, verlieh diesem Aspekt in seiner Bearbeitung der englischen Textvorlage besonderes Gewicht. Und so verwundert es nicht, dass die Schöpfung in klerikalen Kreisen verschiedentlich auf Kritik gestoßen ist. Konkrete Aufführungsverbote sind zwar nicht bekannt, doch setzte man in katholischen Städten zumindest durch, dass das Werk nicht in Kirchen, sondern in Theatern oder Konzertsälen gespielt wurde.
War also die aufgeklärte Geisteshaltung eine Grundvoraussetzung für den Erfolg des Oratoriums, so konnte diese ihre enorme Breitenwirkung natürlich erst in Verbindung mit der Musik erzielen. Und hier schuf Haydn ebenso Neues wie van Swieten mit seinem Libretto. So markierte Die Schöpfung einen Bruch mit der Tradition des italienischen Oratoriums, wie es in Wien damals noch gepflegt wurde. Als eine Art Ableger der Opera seria war die Gattung einem relativ starren Formschema verpflichtet: Es bestand aus zwei Teilen, in denen Rezitativ und Arie in regelmäßigem Wechsel aufeinander folgten und der Chor nur am Ende eines jeweiligen Teiles vorgesehen war. Die Arien waren ganz im Stil der koloraturenreichen barocken Da-capo-Arie gehalten. Hiergegen setzte Haydn also ein volkssprachiges Werk, das schon allein auf Grund seiner Textverständlichkeit mehr Menschen erreichen konnte als die eher gelehrte Form des italienischen Oratoriums. Zugleich aber, und viel wichtiger, schrieb er eine Musik, die in ihrer Eingängigkeit und Fasslichkeit den Hörer unmittelbar für sich einzunehmen vermochte. Für einen einfachen Zugang sorgen zunächst die schnelle, lebendige und kontrastreiche Vermittlung der Bilder und die daraus resultierende Wandlungsfähigkeit des musikalischen Satzes.

In einer schier unerschöpflichen Vielfalt der stilistischen Mittel (Schiller bezeichnete diese als einen „charakterlosen Mischmasch“!) folgt jede Nummer, sei es Rezitativ, Arie oder Chor, der jeweils individuellen Aussage des Textes und schafft sich dafür eine immer neue, eigene Form. Dabei vereint Haydn gleichsam die wichtigsten musikalischen Strömungen des 18. Jahrhunderts: Kontrapunktische Elemente, die einprägsame Vokalmelodik der Italiener und der homophone Instrumentalsatz der Wiener Klassik werden miteinander verschmolzen, das Erhabene und das Anmutige gleichermaßen verkörpert. Zurecht schrieb der Verlag Breitkopf & Härtel, bei dem Die Schöpfung 1803 zum zweiten Mal in Druck ging, in einer Eigenanzeige: „Wir glauben nicht zu irren, wenn wir einen Hauptgrund dieses allgemeinen Interesses an jenem Werke, außer seinem reinen Kunstwerth, darin finden, daß es in einem Maaße, wie noch kein großes musikalisches Kunstprodukt, das Hohe und das Tiefe der Tonkunst so glücklich mit dem Populären und Gefälligen verbindet.“

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der leichten Zugänglichkeit von Haydns Schöpfung ist die zentrale Rolle des Chores, der gegenüber früheren Kompositionen der Gattung eine enorme Aufwertung erfährt. Mit seinen vielen, gleichmäßig über die drei Teile des Oratoriums verteilten Lob- und Dankesgesängen dient er als Identifikationsmittel für den gläubigen Zuhörer und ist die tragende Säule des ganzen Werks. Völlig neu war auch die enge und kunstvolle Verflechtung von Chor und Solostimmen, in der Haydn zu einem ungeahnten Formenreichtum fand und die sicherlich eine der stärksten Qualitäten seiner Partitur darstellt. Nicht zuletzt ist als Grund für die leichte Fasslichkeit der Haydn’schen Musik noch ein Punkt aufzuführen, der freilich nicht immer positiv gewertet wurde: die Tonmalerei. Was bei den Theoretikern der absoluten Musik des 19. Jahrhunderts verpönt war, dessen bediente sich Haydn mit ungeheuerlicher Akribie und Detailliebe, wobei ihm vor allem die Naturschilderungen der ersten beiden Teile zahlreiche Gelegenheiten boten. Seien es die „feurigen Blitze“, der „allerquickende Regen“, der „leichte, flockige Schnee“, die „schäumenden Wellen“ des ersten Teils oder die zoologische „Fülle [der] Geschöpfe, die Leben haben“ des zweiten Teils: Alles ist mit großer Hingabe orchestral illustriert. Haydns Instrumentationskunst, die im Fall der Schöpfung noch über die der Londoner Symphonien hinausgeht, erfuhr hier erst durch die im Text gegebenen Möglichkeiten der Klangmalerei eine letzte Vollendung.

Der Siegeszug der Schöpfung begann bereits vor ihrer Uraufführung im Wiener Schwarzenberg-Palais am 30. April 1798. Schon die Proben hatten bei den beteiligten Musikern und adeligen Zuhörern einen solchen Eindruck hinterlassen, dass sich die Kunde von dem bevorstehenden Großereignis wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitete. Und so sah sich die Wiener Polizei genötigt, am Tag der Premiere eine beachtliche Zahl berittener Wächter und Ordnungshüter vor dem Palais Schwarzenberg einzusetzen, um die vielen neugierigen Musikbegeisterten im Zaum zu halten. Der Erfolg der Aufführung selbst war so groß, dass man innerhalb kürzester Zeit, zwei weitere (am 7. und 10. Mai) folgen ließ. Einen wahren Taumel entfesselte schließlich ein Jahr später die erste öffentliche Darbietung der Schöpfung im Wiener Burgtheater, die nun einen wesentlich größeren Personenkreis (das Burgtheater fasste 1200 Zuschauer) erreichte und in der gesamten Musikwelt Europas beachtet wurde. Unmittelbar nach der ersten Drucklegung des Werkes in Haydns Selbstverlag im Februar 1800 erklang die Schöpfung in ganz Europa und erfreut sich seitdem ungebrochener Beliebtheit. „Nie hat ein musikalisches Kunstwerk eine solche Sensation erregt und ein so ausgebreitetes Publikum gefunden, als J. Haydns Schöpfung“, notierte der Verlag Breitkopf & Härtel 1801. Nicht zuletzt war die Schöpfung ein Grund für das Aufblühen der Laienchorbewegung des 19. Jahrhunderts: Die zentrale Stellung des Chores forderte es geradezu heraus, dass sich Singvereine formierten, um sich des Werkes anzunehmen, und so etablierte es sich als Kernstück in deren Repertoire. Erst die beiden Oratorien von Felix Mendelssohn Bartholdy, Paulus und Elias, sollten wieder ähnlichen Anklang finden.

INTERPRETEN: Dirigent, Il Giardino Armonico, Gesangssolisten

Giovanni Antonini. Der Name des italienischen Dirigenten und Flötisten ist untrennbar mit dem Alte-Musik-Ensemble Il Giardino Armonico verbunden. 1985 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern, seit 1989 leitet er das Ensemble, zugleich steht er – sowohl mit der Block- als auch mit der Traversflöte – immer wieder als Solist vor seinen Musikern. Weltweite Tourneen durch ganz Europa, Nord- und Südamerika, Australien und Japan sowie eine Vielzahl hochgelobter CD-Einspielungen haben dem Ensemble in der Originalklang-Szene einen führenden Platz zugewiesen. Preise wie der Grammy Award, der Diapason d’or sowie der ECHO Klassik als Ensemble des Jahres/Alte Musik 2009 belegen dies eindrücklich. Viele weitere Aufnahmen liegen vor, so die Vier Jahreszeiten von Vivaldi, die Brandenburgischen Konzerte von Bach, Werke von Biber und Locke, Vivaldis Oper Ottone in villa, Händels Concerti grossi op. 6 sowie ein zweites Album mit Cecilia Bartoli (Sacrificium), das in die Welt und Geschichte der Kastraten eintaucht.

2014 starteten Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico in Kooperation mit dem Kammerorchester Basel ein monumentales Projekt: Haydn 2032, eine Gesamteinspielung aller Haydn-Symphonien mit dem Ziel, diese zu Haydns 300. Geburtstag im Jahr 2032 in einem über mehrere europäische Länder verteilten Zyklus aufzuführen. Gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel ist eine Gesamteinspielung der Beethoven-Symphonien entstanden.

Giovanni Antonini, der seine Ausbildung an der Civica Scuola di Musica seiner Heimatstadt Mailand und am Centre de Musique Ancienne in Genf erhielt, ist auch ein gefragter Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouworkest Amsterdam, dem Tonhalle-Orchester Zürich oder dem Leipziger Gewandhausorchester. In der laufenden Saison leitet er erstmals das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra und die Tschechische Philharmonie. Zum Orchestra of the Age of Enlightenment kehrt mit einem Mozart-Programm und einem Arienabend mit Magdalena Kožená zurück. Am Theater an der Wien dirigierte er erst jüngst Händels Orlando.

Giovanni Antonini ist Künstlerischer Leiter des Festivals Wratislavia Cantans in Polen sowie Erster Gastdirigent beim Mozarteumorchester Salzburg und beim Kammerorchester Basel.


Die international hochgelobte Originalklang-Formation Il Giardino Armonico wurde 1985 in Mailand gegründet. Der Schwerpunkt des Ensembles, das in wechselnden Besetzungen von bis zu 30 Musikern auftritt und von Giovanni Antonini geleitet wird, liegt auf Werken des 17. und 18. Jahrhunderts. Zu den musikalischen Partnern der Barock-Spezialisten zählen Giuliano Carmignola, Christophe Coin, Katia und Marielle Labèque, Bernarda Fink, Viktoria Mullova und Cecilia Bartoli.

Neben Konzertabenden gestaltet Il Giardino Armonico Opernproduktionen wie Monteverdis L’Orfeo und Agrippina von Händel, und bei den Salzburger Festspielen 2012 führten sie dessen Giulio Cesare in Egitto auf. Regelmäßig wird das Ensemble auch zu weiteren bedeutenden Festivals eingeladen, in diesem Jahr u. a. zum Schleswig-Holstein Musik Festival.

Il Giardino Armonico musiziert in wichtigen Konzerthäusern der Welt, darunter das Concertgebouw Amsterdam, die Wigmore Hall London, der Wiener Musikverein, das Théâtre des Champs-Élysées in Paris, die Tonhalle Zürich, die Staatsoper Unter den Linden in Berlin, das Moskauer Bolschoi-Theater, die Oji Hall Tokyo, das Sydney Opera House, die Carnegie Hall in New York und das Teatro Colón in Buenos Aires.

Zahlreiche preisgekrönte CD-Einspielungen spiegeln das vielfältige Wirken der Musiker wieder, z. B. wurden Il Giardino Armonico und die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli 2011 mit einem Grammy für das Album Sacrificium geehrt. Im gleichen Jahr erhielt die Aufnahme der Vivaldi-Oper Ottone in villa einen Diapason d’or.

Besetzung | Erste Violine: Stefano Barneschi, Fabrizio Haim Cipriani, Judith Huber, Carlo Lazzaroni, Ayako Matsunaga, Liana Mosca | Zweite Violine: Marco Bianchi, Angelo Calvo, Francesco Colletti, Fabio Ravasi, Maria Cristina Vasi, Chiara Zanisi | Viola: Renato Burchese, Alice Bisanti, Katya Polin, Domenico Scicchitano | Violoncello: Paolo Beschi, Maria Calvo, Elena Russo, Marcello Scandelli | Kontrabass: Giancarlo De Frenza, Stefan Preyer | Flöte: Marco Brolli, Jana Semerádová, Emiliano Rodolfi | Oboe: Emiliano Rodolfi, Thomas Meraner | Klarinette: Tindaro Capuano, Stefano Furini | Fagott: Benny Aghassi, Letizia Viola | Kontrafagott: Maurizio Barigione | Naturhorn: Johannes Hinterholzer, Edward Deskur | Trompete: Herbert Walser, Gerd Bachman | Posaune: Emily White, Elina Veronese, Ercole Nisini | Pauke: Riccardo Balbinutti | Cembalo: Riccardo Doni


Anna Lucia Richter erhielt ihre Ausbildung bei Kurt Widmer in Basel und schloss ihr Gesangsstudium bei Klesie Kelly-Moog an der Musikhochschule Köln ab. Die Sopranistin gewann bereits zahlreiche internationale Preise wie den Borletti-Buitoni Trust Award. Als Konzertsängerin ist Anna Lucia Richter gern gesehener Gast beim Lucerne Festival. Außerdem trat sie mit dem Orchestre de Paris sowie der NDR Elbphilharmonie jeweils unter Thomas Hengelbrock auf und gastierte beim Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Daniel Harding, dem London Symphony Orchestra unter Bernard Haitink, dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer sowie zuletzt bei den BBC Proms.

Die aktuelle Saison steht ganz unter dem Stern von Mahlers Vierter Symphonie, so etwa beim NHK Symphony Orchestra unter Paavo Järvi, auf Tournee mit Teodor Currentzis sowie mit dem London Symphony Orchestra unter Bernard Haitink in London und Paris. Ein besonderes Anliegen ist für Anna Lucia Richter der Liedgesang, mit dem sie in allen großen Musikzentren zu Gast ist. Ihr USA-Debüt gab sie mit drei Liederabenden in New Yorks Park Avenue Armory mit Gerold Huber; ein weiteres USA-Rezital erfolgte in der Weill Hall der Carnegie Hall mit ihrem viel beachteten und außergewöhnlichen „Liederkreis“-Programm, begleitet von Michael Gees. Zum Kernrepertoire der Künstlerin zählt Bach: Ein Kammerkonzert mit Liedern aus dem Schemelli-Gesangbuch, bereits auf CD erschienen, führt sie diese Saison u. a. in die Philharmonie Essen und die Elbphilharmonie Hamburg. Ein neues Schubert-Liedprogramm präsentierte sie jüngst mit Gerold Huber in der Philharmonie Luxembourg und im Rahmen einer dreijährigen Residenz als „Junge Wilde“ im Konzerthaus Dortmund.


Die Mezzosopranistin Gabriele Weinfurter  gehört dem Chor des Bayerischen Rundfunks an. Mehr zu ihrer künstlerische Laufbahn erfahren Sie hier.


Der Tenor Maximilian Schmitt studierte Gesang bei Anke Eggers an der Berliner Universität der Künste und wird von Roland Hermann künstlerisch betreut. Er war Mitglied des Jungen Ensembles der Bayerischen Staatsoper und des Mannheimer Nationaltheaters. Sein breit gefächertes Konzertrepertoire reicht von Monteverdi über Mozart bis Mahler, Elgar und Britten. Eingeladen von Dirigenten wie Franz Welser-Möst, Daniel Harding, Thomas Hengelbrock, Teodor Currentzis, Fabio Luisi, Trevor Pinnock oder Robin Ticciati trat er bereits u. a. mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Orchestre des Champs-Elysées, dem Tokyo Symphony Orchestra, dem Cleveland Orchestra und dem Gewandhausorchester Leipzig auf.

In der laufenden Saison war er in Konzerten mit Haydns Schöpfung unter David Afkham in Madrid und unter Yutaka Sado in Wien und Grafenegg zu hören. Im Dezember 2018 gab er dann sein Rollendebüt als Max in Webers Freischütz am Aalto-Musiktheater in Essen. Außerdem ist er in Mendelssohns Elias in der Regie von Calixto Bieito am Theater an der Wien zu hören und gibt Recitals an der Londoner Wigmore Hall, wo er seit 2014 regelmäßig zu Gast ist.

Gemeinsam mit dem Pianisten Gerold Huber gestaltete er darüber hinaus Liederabende im Concertgebouw Amsterdam, beim Heidelberger Frühling, der Schubertiade Schwarzenberg und in der Kölner Philharmonie. Zudem hat Maximilian Schmitt drei Solo-CDs veröffentlicht: Träumend wandle ich bei Tag mit Werken von Robert und Clara Schumann und Schuberts Die schöne Müllerin sowie das 2016 erschienene Arienalbum Wie freundlich strahlt der Tag. In einer DVD-Konzertfilm-Edition mit dem BR-Chor sang er die Evangelistenpartie aus Bachs Johannes-Passion.


Als erfolgreicher Konzert- und Liedsänger begeistert der österreichische Bariton Florian Boesch mit seinen Interpretationen weltweit ein großes Publikum. In seiner Tätigkeit als Gesangsprofessor im Fach Lied und Oratorium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien spiegelt sich nicht zuletzt seine künstlerische Schwerpunktsetzung wider. So war er etwa in der letzten Saison auf einer Tournee mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattles Stabführung in Haydns Schöpfung sowie in Beethovens Messe in C-Dur mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons oder als Interpret von Mahler-Liedern gemeinsam mit Teodor Currentzis und dem Orchester musicAeterna zu erleben. In der Saison 2014/2015 trat er als Artist in Residence in der Londoner Wigmore Hall in Erscheinung, ebenso wie im Wiener Konzerthaus, wo er diese Position zwei Jahre später innehatte. Mit Nikolaus Harnoncourt pflegte er eine enge Zusammenarbeit, als letzte Projekte standen dabei Händels Saul und Messiah im Wiener Musikverein auf dem Programm. Daneben zeugen die Kooperationen mit namhaften Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Iván Fischer, Philippe Herreweghe und Valery Gergiev sowie zahlreiche Gastauftritte in Häusern wie der New Yorker Carnegie Hall, dem Concertgebouw Amsterdam und der Elbphilharmonie in Hamburg von Florian Boeschs internationalem Renommee.

Auch auf der Opernbühne war der Bariton zuletzt häufiger zu sehen – dort verkörperte er Rollen wie Zebul in einer szenischen Aufführung von Händels Jephta, Jonathan Peachum (Dreigroschenoper) oder Wozzeck in Bergs gleichnamiger Oper. Zahlreiche, teilweise prämierte Einspielungen runden sein künstlerisches Wirken ab.


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GESANGSTEXT: Die Schöpfung

Libretto von Gottfried Baron van Swieten nach dem 1. Buch Mose (Genesis) und Psalmversen aus dem Alten Testament sowie John Miltons Paradise Lost und James Thomsons The Seasons

ERSTER TEIL

1a.   Einleitung
Die Vorstellung des Chaos (instrumental)

Rezitativ mit Chor
Raphael  Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde war ohne Form und leer; und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.
Chor, Raphael  Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser; und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.
Uriel  Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis.

1b.   Arie mit Chor
Uriel
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten,
der erste Tag entstand.
Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor.
Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
in des Abgrunds Tiefen hinab,
zur ewigen Nacht.
Chor, Uriel
Verzweiflung, Wut und Schrecken
begleiten ihren Sturz.
Und eine neue Welt
entspringt auf Gottes Wort.

2a.   Rezitativ
Raphael   Und Gott machte das Firmament, und teilte die Wasser, die unter dem Firmament waren, von den Gewässern, die ober dem Firmament waren, und es ward so. Da tobten brausend heftige Stürme; wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken. Die Luft durchschnitten feurige Blitze, und schrecklich rollten die Donner umher. Der Flut entstieg auf sein Geheiß der allerquickende Regen, der allverheerende Schauer, der leichte, flockige Schnee.

2b.   Chor mit Sopran-Solo
Gabriel   Mit Staunen sieht das Wunderwerk der Himmelsbürger frohe Schar.
Gabriel, Chor   Und laut ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.

3a.   Rezitativ
Raphael   Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel zusammen an einem Platz, und es erscheine das trockne Land; und es ward so. Und Gott nannte das trockne Land: Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer; und Gott sah, dass es gut war.

3b.   Arie
Raphael
Rollend in schäumenden Wellen
bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen;
der Berge Gipfel steigt empor.
Die Fläche, weit gedehnt, durchläuft
der breite Strom in mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort
im stillen Tal der helle Bach.

4a.   Rezitativ
Gabriel   Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor, Kräuter, die Samen geben, und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde; und es ward so.

4b.   Arie
Gabriel
Nun beut die Flur das frische Grün
dem Auge zur Ergetzung dar;
den anmutsvollen Blick erhöh’t
der Blumen sanfter Schmuck.
Hier düften Kräuter Balsam aus;
hier sprosst den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der gold’nen Früchte Last;
hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich;
den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

5a.   Rezitativ
Uriel   Und die himmlischen Heerscharen verkündigten den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

5b.   Chor
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier!
Lasst euer Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott!
Denn er hat Himmel und Erde
bekleidet in herrlicher Pracht.

6a.   Rezitativ
Uriel   Und Gott sprach: Es sei’n Lichter an der Feste des Himmels, um den Tag von der Nacht zu scheiden, und Licht auf der Erde zu geben; und es sei’n diese für Zeichen und für Zeiten und für Tage und für Jahre. Er machte die Sterne gleichfalls.

6b.   Rezitativ
Uriel   In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf; ein wonnevoller Bräutigam, ein Riese stolz und froh zu rennen seine Bahn. Mit leisem Gang und sanftem Schimmer schleicht der Mond die stille Nacht hindurch. Den ausgedehnten Himmelsraum ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold, und die Söhne Gottes verkündigten den vierten Tag mit himmlischem Gesang, seine Macht ausrufend, also:

6c.   Chor mit Soli
Chor   Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.
Gabriel, Uriel, Raphael   Dem kommenden Tage sagt es der Tag; die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht. In alle Welt ergeht das Wort, jedem Ohre klingend, keiner Zunge fremd.

ZWEITER TEIL

7a.   Rezitativ
Gabriel   Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der Fülle hervor webende Geschöpfe, die Leben haben, und Vögel, die über der Erde fliegen mögen in dem offenen Firmamente des Himmels.

7b.   Arie
Gabriel
Auf starkem Fittige schwinget sich
der Adler stolz, und teilet die Luft
im schnellesten Fluge zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied,
und Liebe girrt das zarte Taubenpaar.
Aus jedem Busch und Hain erschallt
der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust,
noch war zur Klage nicht gestimmt
ihr reizender Gesang.

8a.   Rezitativ
Raphael   Und Gott schuf große Walfische und ein jedes lebende Geschöpf, das sich beweget, und Gott segnete sie, sprechend: Seid fruchtbar alle, mehret euch! Bewohner der Luft, vermehret euch, und singt auf jedem Aste! Mehret euch, ihr Flutenbewohner, und füllet jede Tiefe! Seid fruchtbar, wachset, mehret euch! Erfreuet euch in eurem Gott! Und die Engel rührten ihr’ unsterblichen Harpfen, und sangen die Wunder des fünften Tags.

8b.   Terzett
Gabriel
In holder Anmut steh’n,
mit jungem Grün geschmückt,
die wogichten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt,
in fließendem Kristall,
der kühlende Bach hervor.
Uriel
In frohen Kreisen schwebt,
sich wiegend in der Luft,
der munteren Vögel Schar.
Den bunten Federglanz
erhöht im Wechselflug
das goldene Sonnenlicht.
Raphael
Das helle Nass durchblitzt
der Fisch, und windet sich
in stätem Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
wälzet sich Leviathan
auf schäumender Well’ empor.
Gabriel, Uriel, Raphael
Wie viel sind deiner Werk’, o Gott!
Wer fasset ihre Zahl? Wer? O Gott!

8c.   Chor mit Soli
Gabriel, Uriel, Raphael, Chor
Der Herr ist groß in seiner Macht,
und ewig bleibt sein Ruhm.

9a.   Rezitativ
Raphael   Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art; Vieh und kriechendes Gewürm, und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.

9b.   Rezitativ
Raphael   Gleich öffnet sich der Erde Schoß, und sie gebiert auf Gottes Wort Geschöpfe jeder Art, in vollem Wuchs und ohne Zahl. Vor Freude brüllend steht der Löwe da. Hier schießt der gelenkige Tiger empor. Das zackig Haupt erhebt der schnelle Hirsch. Mit fliegender Mähne springt und wieh’rt voll Mut und Kraft das edle Ross. Auf grünen Matten weidet schon das Rind, in Herden abgeteilt. Die Triften deckt, als wie gesät, das wollenreiche, sanfte Schaf. Wie Staub verbreitet sich, in Schwarm und Wirbel, das Heer der Insekte. In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm.

9c.   Arie
Raphael
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel;
nun prangt in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder;
die Wässer schwellt der Fische Gewimmel;
den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht.
Dem Ganzen fehlte das Geschöpf,
das Gottes Werke dankbar seh’n,
des Herren Güte preisen soll.

10a.   Rezitativ
Uriel   Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Nach dem Ebenbilde Gottes schuf er ihn. Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht, und der Mensch wurde zur lebendigen Seele.

10b.   Arie
Uriel
Mit Würd’ und Hoheit angetan,
mit Schönheit, Stärk’ und Mut begabt,
gen Himmel aufgerichtet, steht der Mensch,
ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt’ erhab’ne Stirn,
verkünd’t der Weisheit tiefen Sinn,
und aus dem hellen Blicke strahlt der Geist,
des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich,
für ihn, aus ihm geformt,
die Gattin hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
des Frühlings reizend Bild,
ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

11a.   Rezitativ
Raphael   Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte; und es war sehr gut; und der himmlische Chor feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem Gesang.

11b.   Chor mit Soli
Chor
Vollendet ist das große Werk;
der Schöpfer sieht’s und freuet sich.
Auch uns’re Freud erschalle laut!
Des Herren Lob sei unser Lied!
Gabriel, Uriel
Zu dir, o Herr, blickt alles auf;
um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
gesättigt werden sie.
Raphael
Du wendest ab dein Angesicht;
da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg;
in Staub zerfallen sie.
Gabriel, Uriel, Raphael
Den Odem hauchst du wieder aus,
und neues Leben sprosst hervor.
Verjüngt ist die Gestalt
der Erd’ an Reiz und Kraft.
Chor
Vollendet ist das große Werk.
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen;
denn er allein ist hoch erhaben,
alleluja.

DRITTER TEIL

12a.   Rezitativ
Uriel   Aus Rosenwolken bricht, geweckt durch süßen Klang, der Morgen jung und schön. Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie zur Erde hinab. Seht das beglückte Paar, wie Hand in Hand es geht! Aus ihren Blicken strahlt des heißen Danks Gefühl. Bald singt in lautem Ton ihr Mund des Schöpfers Lob. Lasst uns’re Stimme dann sich mengen in ihr Lied!

12b.   Chor mit Soli
Eva, Adam
Von deiner Güt’, o Herr und Gott,
ist Erd und Himmel voll.
Die Welt, so groß, so wunderbar,
ist deiner Hände Werk.
Chor
Gesegnet sei des Herren Macht!
Sein Lob erschall in Ewigkeit!
Adam
Der Sterne hellster, o wie schön
verkündest du den Tag!
Wie schmückst du ihn, o Sonne, du,
des Weltalls Seel’ und Aug’!
Eva, Adam, Chor
Macht kund auf eurer weiten Bahn,
des Herren Macht und seinen Ruhm!
Eva
Und du, der Nächte Zierd’ und Trost,
und all das strahlend Heer,
verbreitet überall sein Lob
in eurem Chorgesang!
Adam
Ihr Elemente, deren Kraft
stäts neue Formen zeugt,
ihr Dünst’ und Nebel, die der Wind
versammelt und vertreibt.
Eva, Adam, Chor
Lobsinget alle Gott, dem Herrn!
Groß wie sein Nam’ ist seine Macht.
Eva
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum’!
Ihr Pflanzen düftet, Blumen haucht
ihm euren Wohlgeruch!
Adam
Ihr, deren Pfad die Höh’n erklimmt,
und ihr, die niedrig kriecht,
ihr, deren Flug die Luft durchschneid’t,
und ihr, im tiefen Nass, …
Eva, Adam, Chor
… ihr Tiere preiset alle Gott!
Ihn lobe, was nur Odem hat!
Eva, Adam
Ihr dunk’len Hain’, ihr Berg’ und Tal,
ihr Zeugen uns’res Danks;
ertönen sollt ihr früh und spät
von uns’rem Lobgesang.
Eva, Adam, Chor
Heil dir, o Gott! O Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt.
Dich beten Erd’ und Himmel an;
wir preisen dich in Ewigkeit.

13a.   Rezitativ
Adam   Nun ist die erste Pflicht erfüllt; dem Schöpfer haben wir gedankt. Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens! Ich leite dich, und jeder Schritt weckt neue Freud’ in uns’rer Brust, zeigt Wunder überall. Erkennen sollst du dann, welch’ unaussprechlich Glück der Herr uns zugedacht, ihn preisen immerdar, ihm weihen Herz und Sinn. Komm, folge mir! Ich leite dich.
Eva   O du, für den ich ward! Mein Schirm, mein Schild, mein All! Dein Will’ ist mir Gesetz. So hat’s der Herr bestimmt, und dir gehorchen bringt mir Freude, Glück und Ruhm.

13b.   Duett
Adam
Holde Gattin! Dir zur Seite
fließen sanft die Stunden hin.
Jeder Augenblick ist Wonne;
keine Sorge trübet sie.
Eva
Teurer Gatte! Dir zur Seite
schwimmt in Freuden mir das Herz.
Dir gewidmet ist mein Leben;
deine Liebe sei mein Lohn.
Adam, Eva
Der tauende Morgen,
o wie ermuntert er!
Die Kühle des Abends,
o wie erquicket sie!
Wie labend ist der runden Früchte Saft!
Wie reizend ist der Blumen süßer Duft!
Doch ohne dich, was wäre mir
der Morgentau, der Abendhauch,
der Früchte Saft, der Blumen Duft!
Mit dir erhöht sich jede Freude.
Mit dir genieß’ ich doppelt sie;
mit dir ist Seligkeit das Leben;
dir, dir sei es ganz geweiht.

14a.   Rezitativ
Uriel   O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt!

14b.   Chor mit Soli
Singt dem Herren alle Stimmen!
Dankt ihm alle seine Werke!
Lasst zu Ehren seines Namens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!
Amen.

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