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Bach – Weihnachtsoratorium

Samstag, 15.12.2018
München, Prinzregententheater

Abonnementkonzert 3
Konzerteinführung: 19 Uhr mit David Zell und Howard Arman im Gartensaal
Konzertbeginn: 20 Uhr
Live-Übertragung in BR-KLASSIK
Live-Übertragung im Rahmen des Euroradio Christmas Music Day auf BR-KLASSIK am So. 16.12.2018 um 17.40 Uhr

Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium

Kantaten 1, 2, 3 und 6, BWV 248

Christina Landshamer Sopran
Ulrike Malotta Mezzosopran
Julian Prégardien Tenor
Andreas Wolf Bassbariton

Chor des Bayerischen Rundfunks
Kammerorchester Basel
Howard Arman

Leitung

PROGRAMMFOLGE

I. Teil: Am ersten Weihnachtstag

1. Chor. Jauchzet, frohlocket
2. Rezitativ (Evangelist). Es begab sich aber zu der Zeit
3. Accompagnato (Alt). Nun wird mein liebster Bräutigam
4. Arie (Alt). Bereite dich, Zion
5. Choral. Wie soll ich dich empfangen
6. Rezitativ (Evangelist). Und sie gebar ihren ersten Sohn
7. Choral mit Rezitativ. Er ist auf Erden kommen arm
8. Arie (Bass). Großer Herr, o starker König
9. Choral. Ach mein herzliebes Jesulein

II. Teil: Am zweiten Weihnachtstag

1. Sinfonia
2. Rezitativ (Evangelist). Und es waren Hirten in derselben Gegend
3. Choral. Brich an, o schönes Morgenlicht
4. Accompagnato (Evangelist, Engel). Und der Engel sprach zu ihnen
5. Accompagnato (Bass). Was Gott dem Abraham verheißen
6. Arie (Tenor). Frohe Hirten, eilt, ach eilet
7. Rezitativ (Evangelist). Und das habt zum Zeichen
8. Choral. Schaut hin, dort liegt im finstern Stall
9. Accompagnato (Bass). So geht denn hin, ihr Hirten
10. Arie (Alt). Schlafe, mein Liebster
11. Rezitativ (Evangelist). Und alsobald war da bei dem Engel
12. Chor. Ehre sei Gott in der Höhe
13. Rezitativ (Bass). So recht, ihr Engel, jauchzt und singet
14. Choral. Wir singen dir in deinem Heer

PA U S E

III. Teil: Am dritten Weihnachtstag

1. Chor. Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen
2. Rezitativ (Evangelist). Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren
3. Chor. Lasset uns nun gehen gen Bethlehem
4. Accompagnato (Bass). Er hat sein Volk getröst’
5. Choral. Dies hat er alles uns getan
6. Duett (Sopran, Bass). Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen
7. Rezitativ (Evangelist). Und sie kamen eilend
8. Arie (Alt). Schließe, mein Herze, dies selige Wunder
9. Accompagnato (Alt). Ja, ja, mein Herz soll es bewahren
10. Choral. Ich will dich mit Fleiß bewahren
11. Rezitativ (Evangelist). Und die Hirten kehrten wieder um
12. Choral. Seid froh dieweil
(1.) Chor. Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen

VI. Teil: Am Epiphaniasfest

1. Chor. Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben
2. Rezitativ (Evangelist/Herodes). Da berief Herodes die Weisen
3. Accompagnato (Sopran). Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen
4. Arie (Sopran). Nur ein Wink vonseinen Händen
5. Rezitativ (Evangelist). Als sie nun den König gehöret hatten
6. Choral. Ich steh an deiner Krippen hier
7. Rezitativ (Evangelist). Und Gott befahl ihnen im Traum
8. Accompagnato (Tenor). So geht! Genug, mein Schatz geht nicht von hier
9. Arie (Tenor). Nun mögt ihr stolzenFeinde schrecken
10. Rezitativ (Sopran, Alt, Tenor, Bass). Was will der Höllen Schrecken nun
11. Choral. Nun seid ihr wohl gerochen

DIE INTERPRETEN

Die gebürtige Münchnerin Christina Landshamer zählt zu den begehrten Sopranistinnen auf den großen Opern- und Konzertbühnen. Ihre Zusammenarbeit mit Riccardo Chailly, Christian Thielemann oder Roger Norrington führte sie zu international bedeutenden Orchestern wie dem Concertgebouworkest, dem Orchestre de Paris oder der New York Philharmonic. Bei den Salzburger Festspielen begeisterte sie als Frasquita in „Carmen“, und bei der Dresdner Silvestergala sang sie mit Anna Netrebko. Auch in den USA hat sich Christina Landshamer als feste Größe etabliert, so etwa in der New Yorker Carnegie Hall und als Sophie in einer „Rosenkavalier“-Produktion in Chicago. Mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra nahm sie unter der Leitung von Manfred Honeck Mahlers „Auferstehungssymphonie“ auf. Als Solistin sang sie u. a. auf CD- und DVD-Produktionen der „Matthäus“-Passion von Bach und der Vierten Symphonie von Mahler, jeweils unter Riccardo Chailly. Zum Saisonauftakt begab sie sich mit dieser Symphonie und dem Budapest Festival Orchestra auch auf Festival-Tournee. Bei den Klangkörpern des BR ist sie seit Jahren regelmäßig zu Gast.

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Die Mezzosopranistin Ulrike Malotta verfügt über ein besonders breites Repertoire im Konzertfach. Dazu zählen Kantaten und die großen Oratorien Bachs sowie Werke von Händel, Haydn, Mozart und Mendelssohn. Nach privatem Unterricht bei Tanja d’Althann und mehreren Meisterkursen bei Christa Ludwig, Christian Gerhaher, Helmut Deutsch und Helmuth Rilling setzte die gebürtige Münchnerin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main ihre Gesangsausbildung fort. Im Bereich des Musiktheaters trat sie u. a. als Cristina in Donizettis „I pazzi per progetto“ mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer auf. Als Ramiro in Mozarts „La finta giardiniera“ war sie sowohl mit dem Münchener Kammerorchester als auch mit den Bamberger Symphonikern unter Ainārs Rubiķis zu sehen. Daneben unternimmt Ulrike Malotta europaweit Konzertreisen und arbeitet regelmäßig mit der Akademie für Alte Musik Berlin und dem Kammerorchester Basel zusammen. Aktuell singt sie in Konzerten mit dem NDR Chor in Bachs „Magnificat“ und erweitert ihren Aktionsradius mit Auftritten in Südafrika und Israel.

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Seit seinem Debüt beim Opernfestival in Aix-en-Provence 2007 ist der Bassbariton Andreas Wolf regelmäßig Gast wichtiger Häuser wie dem Theater an der Wien, der Scala in Mailand, dem Lincoln Center New York, dem Mariinskij-Theater St. Petersburg, dem Palau de la Música in Barcelona, der Berliner Philharmonie oder dem Concertgebouw Amsterdam, und trat dabei gemeinsam mit international renommierten Dirigenten und Ensembles auf. „In Così fan tutte“ war er als Guglielmo in der Inszenierung des Oscarpreisträgers Michael Haneke und als Elviro in Händels „Serse“ sowie in dessen „Giulio Cesare“ mit Cecilia Bartoli in Paris zu erleben. Als Konzert- und Liedsänger stand Andreas Wolf mit dem Pianisten Kit Armstrong sowie in Messen Mozarts, in Haydns „Stabat mater“, in Bachs „Weihnachtsoratorium“ und der „Matthäus-Passion“ auf dem Podium. Zu den Verpflichtungen der laufenden Saison gehören sein Hausdebüt an der Dresdner Semperoper als Jupiter in Rameaus „Platée“ ebenso wie Konzerte mit Bachs h-Moll-Messe in der Hamburger Elbphilharmonie, mit dem Nederlands Kamerkoor, mit Le Concert Spirituel und der Bachakademie Stuttgart.

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Julian Prégardien wurde 1984 in Frankfurt geboren und erhielt seine erste musikalische Bildung in den Chören der Limburger Dommusik. Von 2009 bis 2013 war er Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Parallel dazu entwickelte sich seine internationale Konzerttätigkeit. Inzwischen ist der Tenor ein international herausragender Vertreter der jungen Sängergeneration. Er debütierte beim Festival d’Aix-en-Provence, an der Hamburgischen und an der Bayerischen Staatsoper und an der Opéra Comique in Paris. Bei den Salzburger Festspielen ist er regelmäßig als Konzertsänger zu Gast, 2018 folgt sein szenisches Debüt als Narraboth in Strauss’ „Salome“ in der Regie von Romeo Castellucci mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Franz Welser-Möst. Einen besonderen Schwerpunkt der künstlerischen Tätigkeit Julian Prégardiens bilden Liederabende. In der Saison 2018/19 ist er mit den Pianisten Kristian Bezuidenhout, Martin Helmchen, Eric le Sage und Lars Vogt zu erleben. Beim BR-Chor tritt Julian Prégardien regelmäßig auf, so gestaltete er etwa die Evangelistenpartien von Bachs „Johannes“- und „Matthäus-Passion“ in Konzerten, deren Mitschnitte auch auf CD erschienen sind.

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Das Kammerorchester Basel gilt international als eines der führenden Ensembles seiner Art. Einladungen in die weltweit bedeutendsten Konzerthäuser und zu allen wichtigen Festivals prägen seine Agenda ebenso wie die eigene Konzertreihe in Basel. Eine Diskographie mit über 30 CDs, viele mit prominenten Preisen ausgezeichnet, zeugt von der hohen Qualität des Orchesters. Unter der künstlerischen Leitung seiner Konzertmeisterinnen und Konzertmeister sowie unter der Stabführung ausgewählter Dirigenten präsentiert das Kammerorchester Basel in rund 80 Auftritten pro Jahr sein breites Repertoire von Barock in historischer Aufführungspraxis, Klassik in historisch informierten Interpretationen bis hin zu zeitgenössischer Musik. Eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit verbindet das Ensemble mit seinem Principal Guest Conductor Giovanni Antonini. Der gemeinsam erarbeitete Beethoven-Zyklus wurde 2008 in der Kategorie „Bestes Ensemble“ mit dem ECHO Klassik gekürt. Unter Giovanni Antoninis Leitung wird das Kammerorchester Basel im Wechsel mit dem italienischen Ensemble Il Giardino Armonico bis 2032 alle 107 Sinfonien Joseph Haydns aufführen und auf CD einspielen. Weitere Großprojekte sind Konzerte und Aufnahmen sämtlicher Schubert-Symphonien unter der Leitung von Heinz Holliger sowie eine Reihe mit konzertanten Aufführungen großer Opern. Mit den beiden Münchner Konzerten feiert das Ensemble sein Debüt beim Chor des Bayerischen Rundfunks, mit dem er das „Weihnachtsoratorium“ demnächst auch in Basel und Luzern präsentieren wird. Das Kammerorchester Basel spielt auf historischen Instrumenten und in historischer Stimmung.

Besetzung  Flöte: Anne Freitag, Regula Bernath | Oboe: Thomas Meraner, Francesco Capraro, Priska Comploi, Olga Marulanda Fagott: Letizia Viola | Trompete: Simon Lilly, Christian Bruder, Jan Wollmann | Erste Violine: Chouchane Siranossian, Valentina Giusti, Tamás Vásárhelyi, Regula Schwaar Niederhauser, Yukiko Tezuka | Zweite Violine: Eva Miribung, Mirjam Steymans-Brenner, Nina Candik, Timoti Fregni | Viola: Katya Polin, Mariana Doughty, Bodo Friedrich | Violoncello: Christoph Dangel, Georg Dettweiler | Kontrabass: Stefan Preyer | Pauke: Zoltán Mihály Varga | Cembalo: Sebastian Wienand | Orgel: Max Hanft

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Mehr zu Howard Arman

WERKEINFÜHRUNG

„Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!“
Zu Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“. Von Judith Kaufmann

  • Johann Sebastian Bach: * 21. März 1685 in Eisenach, † 28. Juli 1750 in Leipzig. Weihnachtsoratorium für Soli, Chor und Orchester, BWV 248, Entstehungszeit: 1734 in Leipzig, Uraufführung: zwischen 25. Dezember 1734 (Kantate I) und 6. Januar 1735 (Kantate VI) in Leipzig.

Es funktioniert jedes Jahr aufs Neue: Die ersten fünf Töne des „Weihnachtsoratoriums“, mit denen die Pauke das „Jauchzet, frohlocket“ des Chores vorwegnimmt, versetzen einen augenblicklich in eine festlich-fröhliche Weihnachtsstimmung. Die bezwingende Geste dieser ersten Takte, das Frische und Beschwingte der Musik ist der beste Botschafter dessen, worum es an Weihnachten jenseits von Konsumterror und kerzenseliger Besinnlichkeit wirklich geht: die überschäumende Freude, dass Gott Mensch geworden ist, um uns zu erlösen. Johann Sebastian Bach, der Meister des Kontrapunktes, hat natürlich auch in seinem „Weihnachtsoratorium“ nicht auf komplexe polyphone Strukturen, auf virtuose Koloraturen oder ornamentale Melismen verzichtet. Dennoch steht hier, mehr als in seinen anderen oratorischen Werken, das Unmittelbare und Einfache im Vordergrund: eingängige Melodien, prägnante Formen, kompakt deklamierende Chöre, leuchtende Instrumentalfarben. Der charmante und sinnliche Charakter dieser Musik hat das „Weihnachtsoratorium“ zu einer der populärsten Kompositionen Bachs werden lassen, die meist schon zur Adventszeit die Konzertsäle und Regale der Plattengeschäfte füllen.

Das „Oratorium, welches die heilige Weyhnacht über in beyden Haupt-Kirchen zu Leipzig musiciret wurde“, erfuhr seine erste Aufführung während der Gottesdienste der weihnachtlichen Festzeit 1734/35 in der Nikolai- und Thomaskirche. Vermutlich nutzte Bach die von Kantatenaufführungen freie Adventszeit 1734 für die Zusammenstellung und Komposition des Werkes. In einer ersten Phase galt die Aufmerksamkeit wohl tatsächlich der sorgfältigen Planung, denn fast alle frei gedichteten Chöre und Arien gewann Bach im so genannten Parodieverfahren, einem „Recycling“ bereits vorhandener Stücke. Diese mussten in Charakter und Affekt in die neue Umgebung passen, gegebenenfalls in Tonart, Besetzung oder auch in musikalischen Details umgestaltet werden, und sie bekamen einen neuen Text. Die Neutextierung war eine anspruchsvolle Aufgabe, die der – leider ungenannt gebliebene – Dichter wohl in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten erfüllte. Es ist bezeichnend, dass Bach im Falle des „Weihnachtsoratoriums“ vor allem auf weltliche Glückwunschkantaten zurückgriff, die in ihrer freudigen Stimmung dem Grundton der geplanten Festmusik entsprachen. In der Tat handelt es sich ja auch hier wie dort um die Geburtstagsgabe an einen verehrten Herrscher. Das „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ des Eingangschores beispielsweise beruht auf dem Dramma per musica BWV 214, komponiert zum Geburtstag der Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen Maria Josepha am 8. Dezember 1733. Dort lautet der Text, in wunderbarer Anspielung auf die instrumentale Besetzung: „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ Derartige Gelegenheitswerke erlebten nur eine einzige Aufführung. Es ist daher gut vorstellbar, dass Bach gleich bei ihrer Komposition eine mögliche Wiederverwendung in einem neuen Kontext einplante.

Neu zu komponieren waren vor allem die Sätze über die Texte aus den Weihnachtsevangelien. Sie werden überwiegend vom Tenor als Seccorezitativ in eher sachlichem, objektivem Ton vorgetragen. Die sparsame Begleitung beschränkt sich hierbei auf die Continuoinstrumente. Gelegentlich wird die direkte Rede verschiedenen Rollen übertragen: einem Engel (Kantate II, Nr. 4), dem Herodes (VI/2) oder dem Chor, der den himmlischen Heerscharen (II/12) und dem Hirtenvolk (III/3) Stimme verleiht. Im Vergleich zu Bachs Passionen ist das dramatische Moment im „Weihnachtsoratorium“ allerdings wenig ausgeprägt und tritt hinter lyrischen Elementen zurück.

Ebenso komponierte Bach Accompagnato-Rezitative für das „Weihnachtsoratorium“ neu. Ihre frei gedichteten Verse bilden einen zeitgenössischen Kommentar zum Bibeltext. Die Stimme des Solisten wird in den Klang charakteristischer Instrumente eingebettet und verkörpert die Kirche, die Seele oder den engagierten Betrachter – der sich gelegentlich sogar in das Geschehen einmischt und damit neue dramatische Impulse gibt. Im zweiten Teil etwa ermuntert der Solo-Bass die Hirten „So geht denn hin, ihr Hirten, geht“ (II/9) und bestätigt sodann die Engel „So recht, ihr Engel, jauchzt und singet“ (II/13). In der Regel steht das Accompagnato-Rezitativ freilich als Brücke zwischen dem nüchternen Evangeliumsbericht und der kontemplativen, subjektiv gefärbten Arie. Wiederholt ergibt sich so die Satzfolge Secco-Rezitativ – Accompagnato-Rezitativ – Arie, in welcher der renommierte Bach-Forscher Alfred Dürr die Dreigliederung von Lesung – Betrachtung – Gebet erkennt. Der Choral als bestätigende Antwort einer fiktiven Gemeinde bildet die vierte Stufe.

Einen großen Beitrag zur Beliebtheit des „Weihnachtsoratoriums“ leisten mit Sicherheit die festlichen Eingangssätze, alle geprägt vom schwingenden Dreier-Metrum und von der Dur-Tonart. Aber natürlich wäre das Werk kein „Bach“ und würde seine Wirkung verfehlen, wenn hinter diesen unmittelbar ansprechenden Effekten und hinter der vordergründigen Klarheit nicht eine außerordentliche Vielfalt und Vielschichtigkeit stünden. Verantwortlich für den Charme der Musik ist eben auch ihr unbegrenzter Reichtum an Formen, Satztypen, Besetzungen – und natürlich an verschiedenen Stimmungen und Affekten. Da ist zunächst dieser strahlende Jubel über die Ankunft Christi, der in der Bass-Arie des ersten Teils als „Großer Herr, o starker König“ (I/8) begrüßt wird. Die Trompete repräsentiert die königliche Macht, Dreiklangsbrechungen und Oktavsprünge verleihen der Musik enorme Kraft. Aber dank der widerspenstigen Synkopen und der beweglichen Sechzehntel-Läufe entsteht ein ungemein lebhafter, nie martialischer Duktus. Zwischen all der „Pracht und Zier“ lässt Bach für einen kurzen Moment aber auch ein anderes Bild entstehen: Wenn der Bass den Vers „muss in harten Krippen schlafen“ singt, verstummen die obligaten Instrumente, an die Stelle von Dur-Dreiklängen treten geschärfte verminderte Intervalle, die Musik kadenziert nach Moll. Dieser Abschnitt möge als kleines Beispiel dafür stehen, wie differenziert Bach jede Wendung des Textes, jeden Affekt musikalisch ausleuchtet.

Den zweiten Teil prägen andere Klangfarben: Die einleitende Sinfonia (II/1) stellt den Flöten und Streichern einen vierstimmigen Oboensatz gegenüber. Albert Schweitzer hörte in diesem doppelchörigen Konzert das gemeinsame Musizieren der Engel und Hirten. Während die Oboen weiterhin die Hirtenszenen begleiten und ihnen einen pastoralen Charakter verleihen, tritt die Flöte in Nr. 6 in einen Dialog mit dem Tenor. Auch in dieser Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ mögen die perlenden Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Koloraturen ein Reflex auf das Wort „Freude“ und, sehr plakativ, auf den Imperativ „eilet!“ sein. Der zarte Klang der Traversflöte, der luftige Triosatz und die verspielte Melodiegestaltung weisen außerdem darauf hin, dass die Hirten nun vor das kleine Kind treten werden.

Die zwölf Arien des gesamten „Weihnachtsoratoriums“ – je zwei pro Kantate –, zu denen Duett, Terzett und Echo-Arie gehören, zeigen eine große Vielfalt an Besetzungen und formaler Gestaltung. Mit der Kombination verschiedener Satzmodelle experimentiert Bach auch auf dem Gebiet des Rezitativs. Accompagnato-Rezitativ und einstimmig vorgetragener Choral greifen in der ersten Kantate (I/7: „Er ist auf Erden kommen arm“ / „Wer will die Liebe recht erhöh’n …?“) in einer Art Frage-Antwortspiel zwischen Chor-Sopran und Solo-Bass ineinander. Dabei stellen die beiden Oboen d’amore das verbindende Element dar und begleiten den Choral mit schreitender Motivik, ebenso wie sie mit einer kurzen, aufwärts gerichteten Figur den fragenden Gestus innerhalb der Rezitativabschnitte unterstreichen. Im letzten Rezitativ (VI/10) treten alle Solisten erstmals gemeinsam auf. Nachdem der Bass als vierte Stimme eingesetzt hat, erzeugt das mehrstimmige Ensemble einen Accompagnato-Effekt, wobei die Begleitung von den Singstimmen selbst (und nicht durch hinzutretende Instrumente) produziert wird.

Mit großem Abwechslungsreichtum und überaus effektvoll wusste Bach auch die Choralsätze des „Weihnachtsoratoriums“ zu gestalten. Neunmal erscheint das Kirchenlied als schlichter Kantionalsatz. Innerhalb dieser einfachen Form ist die harmonische Gestaltung und die Führung der vier Stimmen freilich derart raffiniert und differenziert, dass diese Sätze schon zu Bachs Lebzeiten als musterhaft galten und heute unter dem Titel „Bachchoral“ aus den Lehrplänen der Konservatorien nicht mehr wegzudenken sind. Vier Teile des Oratoriums werden mit prächtigen vierstimmigen Chorälen beschlossen, deren einzelne Textzeilen durch instrumentale Zwischen- und Nachspiele (I/9, II/14) beziehungsweise durch Orchesterritornelle (VI/11) voneinander abgesetzt sind. Diese Schlusssätze nehmen durch die volle Orchesterbesetzung deutlich Bezug auf den jeweiligen Einleitungssatz. Besonders sinnfällig wird der musikalische Rahmen in Teil II, dessen Schlusschoral „Wir singen dir in deinem Heer“ (II/14) nicht nur die Instrumentierung und die Tonart, sondern auch die Melodieführung der Bläser, den wiegenden Zwölf-Achtel-Takt, den punktierten Siciliano-Rhythmus und damit den pastoralen Duktus der einleitenden Sinfonia (II/1) wieder aufnimmt.

Als unwahrscheinlich gilt, dass das Leipziger Kirchenvolk in den Weihnachtsgottesdiensten 1734/35 Bachs verschiedenartige Choral-Schöpfungen mitgesungen hat. Dennoch stellt der Komponist durch diese Lieder eine ideelle Verbindung zur Gemeinde her und bezieht die damaligen Zuhörer durch den Einsatz wohlbekannter Melodien und Texte in die Figuralmusik mit ein. Auch wenn einiges heute nicht mehr vertraut ist, so lässt sich der weihnachtliche Bezug des Liedes „Ich steh an deiner Krippen hier“ oder der Melodie „Vom Himmel hoch“ unmittelbar nachvollziehen. Eine andere Choralmelodie aus dem „Weihnachtsoratorium“ jedoch könnte den einen oder anderen heutigen Hörer irritieren: eine Weise aus der Feder Hans Leo Hasslers, die als geistliches Lied für gewöhnlich mit der Überschrift „Herzlich tut mich verlangen“ bezeichnet, von vielen jedoch mit dem Text „O Haupt voll Blut und Wunden“ assoziiert wird. Wir kennen das Lied aus dem Karfreitagsgottesdienst oder aus Bachs „Matthäus-Passion“. Seine phrygische Tonart wirkt schwermütiger und düsterer als das verwandte Moll und scheint perfekt für ein Passionslied zu passen. Tatsächlich wurde das Zitat der Melodie im „Weihnachtsoratorium“ als Hinweis auf den späteren Tod Christi am Kreuz gedeutet. Im Spätbarock jedoch war die Weise noch mit vielerlei Texten geläufig, unter anderem als Adventslied „Wie soll ich dich empfangen „oder als Weihnachtslied „Ihr Christen auserkoren“ mit seiner vierten Strophe „Nun seid ihr wohl gerochen“ (= gerächt). Und mit diesen Versen erscheint die Melodie im „Weihnachtsoratorium“ an exponierter Stelle, nämlich als erster und letzter Choral (I/5 bzw. VI/11), und damit als Rahmen des gesamten Oratoriums. Es ist frappierend, wie Bach im Schlusssatz des Werkes die Melodie verkleidet: Umspielt vom virtuosen Part der ersten Trompete, eingebettet in den festlichen Klang von Bläsern, Streichern und Pauken und umgedeutet in ein strahlendes D-Dur ist vom lastenden Phrygisch nichts mehr zu spüren. Mit den Zeilen „Bei Gott hat seine Stelle / das menschliche Geschlecht“ endet das „Weihnachtsoratorium“ so, wie es begonnen hat: mit der puren Freude über die Menschwerdung Gottes.

ESSAY: Kirchenlieder im Protestantismus

Lieder von Luther und Gesänge von Gerhardt
Wie wichtig alte Kirchenlieder im Protestantismus sind, spiegelt sich auch in Bachs Weihnachtsoratorium wider. Von Judith Kaufmann

Neben der Verkündigung des Bibelwortes, der Reflexion über das Evangelium und dem Gebet spielt im lutherischen Gottesdienst der Gemeindegesang eine zentrale Rolle. Vor allem im Singen volkssprachiger Kirchenlieder wurde die Gemeinde seit der Reformation als aktiver Partner an der Liturgie beteiligt. Ein relativ überschaubarer Schatz deutschsprachiger geistlicher Lieder aus der Reformationszeit erlebte seit Dreißigjährigem Krieg und Pietismus im 17. Jahrhundert eine ungeheure Bereicherung an Melodien und Textstrophen.

Während zunächst wohl meistenteils auswendig gesungen wurde, war seit dem Barock die Fülle des Materials nur in einer stattlichen Zahl gedruckter Gesangbücher zu bändigen. Indem Bach in 16 (von insgesamt 64) Nummern des Weihnachtsoratoriums einen Choral zur Grundlage der Komposition machte, verankerte er sein Werk in der reichen Tradition seiner Kirche.

Auffällig viele Melodien und Texte fand Bach im 17. Jahrhundert insbesondere bei Paul Gerhardt, aber auch Martin Luther kommt mehrfach zu Wort. Die umfängliche Überlieferung und eine präzise Auswahl gewährleisten, dass viele Choralstrophen verblüffend perfekt in den Textfluss passen – fast so, als seien sie für das Weihnachtsoratorium und den jeweiligen Kontext neu gedichtet worden.

ESSAY: Oratorium oder Einzelwerke?

Zyklische Großform oder eigenständige Kantaten?
Bach und der Masterplan zu seiner musikalischen Weihnachtsgeschichte. Von Judith Kaufmann

Die Komposition, die im Bach-Werke-Verzeichnis die Nummer 248 trägt, erzählt und reflektiert einen Teil der Weihnachtsgeschichte, wie sie in den Evangelien des Lukas (2,1/3–21) und des Matthäus (2,1–12) überliefert ist. Weil sie als Predigtmusik in der Liturgie zum Einsatz kam, verteilte Bach die Bibelpassagen mehr oder weniger streng gemäß der damals in Leipzig gültigen Leseordnung auf die fünf Feiertage und den einen Sonntag der weihnachtlichen Festzeit 1734/35. Die Aufführung erstreckte sich vom 25. Dezember bis zum 6. Januar, also in einem Zeitraum von 13 Tagen.

Die Teile I bis III erklangen an den unmittelbar aufeinanderfolgenden Weihnachtstagen und schildern die Geburt des Kindes, die Verkündigung der Engel an die Hirten und die Anbetung der Hirten vor dem Kind in der Krippe. Am Neujahrstag wurde Teil IV musiziert, der von der Beschneidung und Namensgebung Jesu handelt. Am Sonntag nach Neujahr, damals der 2. Januar, und an Epiphanie schließlich gab es die Teile V und VI mit der Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland und der Intervention des Herodes.

Jeder der sechs Teile bildet, nicht zuletzt wegen der markanten Klammer der jeweiligen Ecksätze, ein eigenständiges Musikwerk und entspricht in Form und Funktion der Kantate. Dass Bach die Komposition(en) dennoch als zusammenhängendes, wenn nicht gar geschlossenes Werk betrachtete, erhellt das Textbuch, das für die erste Aufführung gedruckt wurde. Es enthält die Texte aller sechs Teile und trägt, wie auch die handschriftliche Partitur, die Überschrift „Oratorium“. Neben diesem Titel und der fortlaufenden Handlung werden die sechs Teile freilich auch durch musikalische Phänomene verbunden.

Beispielsweise spannen die gleiche Besetzung der Teile I und III und die Tonartenfolge D–G–D einen deutlichen Bogen über die ersten drei Abschnitte. Zusammen mit den Tonarten der Teile V und VI ergibt sich ein Plan, der einer Kadenz entspricht: D–G–D–A–D. Neben der Tonart D-Dur bildet auch die Besetzung eine Spange über das ganze Werk: Der Einsatz der Trompeten und Pauken krönt den Anfang wie den Schluss. Eine gewisse Sonderrolle spielt Teil IV, der nicht nur inhaltlich abgesetzt ist, sondern sich auch mit seinem F-Dur von den Kreuz-Tonarten entfernt und mit den nur hier geforderten Hörnern ein eigenes Klangbild entfaltet.

GESANGSTEXTE

Erster Teil: Am ersten Weihnachtstag

1. Chor
Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage,
rühmet, was heute der Höchste getan!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören,
lasst uns den Namen des Herrschers verehren!

2. Rezitativ (Evangelist)
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt geschätzet würde. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt David, die da heißet Bethlehem; darum, dass er von dem Hause und Geschlechte David war: auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

3. Accompagnato
Nun wird mein liebster Bräutigam,
nun wird der Held aus Davids Stamm
zum Trost, zum Heil der Erden
einmal geboren werden.
Nun wird der Stern aus Jakob scheinen,
sein Strahl bricht schon hervor.
Auf, Zion, und verlasse nun das Weinen,
dein Wohl steigt hoch empor!

4. Arie
Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben,
den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!
Deine Wangen müssen heut viel schöner prangen,
eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben!

5. Choral
Wie soll ich dich empfangen
und wie begegn’ ich dir?
O aller Welt Verlangen,
o meiner Seelen Zier!
O Jesu, Jesu, setze
mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze,
mir kund und wissend sei!

6. Rezitativ (Evangelist)
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippen, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

7. Choral mit Rezitativ
Er ist auf Erden kommen arm,
dass er unser sich erbarm
und in dem Himmel mache reich
und seinen lieben Engeln gleich.
Kyrieleis!
Wer will die Liebe recht erhöh’n,
die unser Heiland vor uns hegt?
Ja, wer vermag es einzusehen,
wie ihn der Menschen Leid bewegt?
Des Höchsten Sohn kömmt in die Welt,
weil ihm ihr Heil so wohl gefällt,
so will er selbst als Mensch geboren werden.

8. Arie
Großer Herr, o starker König,
liebster Heiland, o wie wenig
achtest du der Erden Pracht!
Der die ganze Welt erhält,
ihre Pracht und Zier erschaffen,
muss in harten Krippen schlafen.

9. Choral
Ach mein herzliebes Jesulein,
mach dir ein rein sanft Bettelein,
zu ruhn in meines Herzens Schrein,
dass ich nimmer vergesse dein.

Zweiter Teil: Am zweiten Weihnachtstag

1. Sinfonia

2. Rezitativ (Evangelist)
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herren Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herren
leuchtet um sie, und sie furchten sich sehr.

3. Choral
Brich an, o schönes Morgenlicht,
und lass den Himmel tagen!
Du Hirtenvolk, erschrecke nicht,
weil dir die Engel sagen,
dass dieses schwache Knäbelein
soll unser Trost und Freude sein,
dazu den Satan zwingen
und letztlich Frieden bringen!

4. Accompagnato (Evangelist, Engel)
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David.

5. Accompagnato
Was Gott dem Abraham verheißen,
das lässt er nun dem Hirtenchor
erfüllt erweisen.
Ein Hirt hat alles das zuvor
von Gott erfahren müssen.
Und nun muss auch ein Hirt die Tat,
was er damals versprochen hat,
zuerst erfüllet wissen.

6. Arie
Frohe Hirten, eilt, ach eilet,
eh ihr euch zu lang verweilet,
eilt, das holde Kind zu sehn!
Geht, die Freude heißt zu schön,
sucht die Anmut zu gewinnen,
geht und labet Herz und Sinnen!

7. Rezitativ (Evangelist)
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

8. Choral
Schaut hin, dort liegt im finstern Stall,
des Herrschaft gehet überall!
Da Speise vormals sucht ein Rind,
da ruhet itzt der Jungfrau’n Kind.

9. Accompagnato
So geht denn hin, ihr Hirten, geht,
dass ihr das Wunder seht:
Und findet ihr des Höchsten Sohn
in einer harten Krippe liegen,
so singet ihm bei seiner Wiegen
aus einem süßen Ton
und mit gesamtem Chor
dies Lied zur Ruhe vor!

10. Arie
Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh,
wache nach diesem vor aller Gedeihen!
Labe die Brust, empfinde die Lust,
wo wir unser Herz erfreuen!

11. Rezitativ (Evangelist)
Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

12. Chor
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

13. Rezitativ
So recht, ihr Engel, jauchzt und singet,
dass es uns heut so schön gelinget!
Auf denn! Wir stimmen mit euch ein,
uns kann es so wie euch erfreun.

14. Choral
Wir singen dir in deinem Heer
aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr,
dass du, o lang gewünschter Gast,
dich nunmehr eingestellet hast.

Dritter Teil: Am dritten Weihnachtstag

1. Chor
Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen,
lass dir die matten Gesänge gefallen,
wenn dich dein Zion mit Psalmen erhöht!
Höre der Herzen frohlockendes Preisen,
wenn wir dir itzo die Ehrfurcht erweisen,
weil unsre Wohlfahrt befestiget steht!

2. Rezitativ (Evangelist)
Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander:

3. Chor
Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns
der Herr kundgetan hat.

4. Accompagnato
Er hat sein Volk getröst’,
er hat sein Israel erlöst,
die Hülf aus Zion hergesendet
und unser Leid geendet.
Seht, Hirten, dies hat er getan;
geht, dieses trefft ihr an!

5. Choral
Dies hat er alles uns getan,
sein groß Lieb zu zeigen an;
des freu sich alle Christenheit
und dank ihm des in Ewigkeit.
Kyrieleis!

6. Duett
Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen
tröstet uns und macht uns frei.
Deine holde Gunst und Liebe,
deine wundersamen Triebe
machen deine Vatertreu
wieder neu.

7. Rezitativ (Evangelist)
Und sie kamen eilend und funden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesaget war. Und alle, für die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesaget hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

8. Arie
Schließe, mein Herze, dies selige Wunder
fest in deinem Glauben ein!
Lasse dies Wunder, die göttlichen Werke
immer zur Stärke
deines schwachen Glaubens sein!

9. Accompagnato
Ja, ja, mein Herz soll es bewahren,
was es an dieser holden Zeit
zu seiner Seligkeit
für sicheren Beweis erfahren.

10. Choral
Ich will dich mit Fleiß bewahren,
ich will dir leben hier,
dir will ich abfahren,
mit dir will ich endlich schweben
voller Freud ohne Zeit
dort im andern Leben.

11. Rezitativ (Evangelist)
Und die Hirten kehrten wieder um, preiseten und lobten Gott um alles, das sie gesehen und gehöret hatten, wie denn zu ihnen gesaget war.

12. Choral
Seid froh dieweil, dass euer Heil
ist hie ein Gott und auch ein Mensch geboren,
der, welcher ist der Herr und Christ
in Davids Stadt, von vielen auserkoren.

Wiederholung des Chores Nr. 1

Sechster Teil: Am Epiphaniasfest

1. Chor
Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben,
so gib, dass wir im festen Glauben
nach deiner Macht und Hülfe sehn!
Wir wollen dir allein vertrauen,
so können wir den scharfen Klauen
des Feindes unversehrt entgehn.

2. Rezitativ (Evangelist, Herodes)
Evangelist: Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernet mit Fleiß von ihnen, wenn der Stern erschienen wäre? Und weiset sie gen Bethlehem und sprach:
Herodes: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, sagt mirs wieder, dass ich auch komme und es anbete.

3. Accompagnato
Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen,
nimm alle falsche List,
dem Heiland nachzustellen;
der, dessen Kraft kein Mensch ermisst,
bleibt doch in sichrer Hand.
Dein Herz, dein falsches Herz ist schon,
nebst aller seiner List,
des Höchsten Sohn,
den du zu stürzen suchst,
sehr wohlbekannt.

4. Arie
Nur ein Wink von seinen Händen
stürzt ohnmächtger Menschen Macht.
Hier wird alle Kraft verlacht!
Spricht der Höchste nur ein Wort,
seiner Feinde Stolz zu enden,
o, so müssen sich sofort
Sterblicher Gedanken wenden.

5. Rezitativ (Evangelist)
Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging für ihnen hin, bis dass er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und gingen in das Haus und funden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und täten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.

6. Choral
Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesulein, mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin! Es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,
und lass dirs wohlgefallen!

7. Rezitativ (Evangelist)
Und Gott befahl ihnen im Traum, dass sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken, und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land.

8. Accompagnato
So geht! Genug, mein Schatz geht nicht von hier,
er bleibet da bei mir,
ich will ihn auch nicht von mir lassen.
Sein Arm wird mich aus Lieb
mit sanftmutsvollem Trieb
und größter Zärtlichkeit umfassen;
er soll mein Bräutigam verbleiben,
ich will ihm Brust und Herz verschreiben.
Ich weiß gewiss, er liebet mich,
mein Herz liebt ihn auch inniglich
und wird ihn ewig ehren.
Was könnte mich nun für ein Feind
bei solchem Glück versehren!
Du, Jesu, bist und bleibst mein Freund;
und werd ich ängstlich zu dir flehn:
Herr, hilf! So lass mich Hülfe sehn!

9. Arie
Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken;
was könnt ihr mir für Furcht erwecken?
Mein Schatz, mein Hort ist hier bei mir.
Ihr mögt euch noch so grimmig stellen,
droht nur, mich ganz und gar zu fällen,
doch seht! Mein Heiland wohnet hier.

10. Rezitativ
Was will der Höllen Schrecken nun,
Was will uns Welt und Sünde tun,
da wir in Jesu Händen ruhn?

11. Choral
Nun seid ihr wohl gerochen
an eurer Feinde Schar,
denn Christus hat zerbrochen,
was euch zuwider war.
Tod, Teufel, Sünd und Hölle
sind ganz und gar geschwächt;
bei Gott hat seine Stelle
das menschliche Geschlecht.

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