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Krönungsmesse mit der Akademie für Alte Musik Berlin

Freitag, 20.05.2022
München, Herkulessaal der Residenz

Sonderkonzert

in Kooperation mit der Münchner Konzertdirektion Hörtnagel

Beginn: 20 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart
Vesperae solennes de Dominica

für Soli, Chor und Orchester C-Dur, KV 321
• Dixit Dominus. Allegro vivace
• Confitebor. Allegro
• Beatus vir. Allegro
• Laudate pueri. Alla breve
• Laudate Dominum. Allegro
• Magnificat. Adagio maestoso – Allegro

Pause

Wolfgang Amadeus Mozart
Missa (»Krönungsmesse«)

für Soli, Chor und Orchester C-Dur, KV 317
• Kyrie. Andante maestoso
• Gloria. Allegro con spirito

Sonate

für Orchester mit obligater Orgel C-Dur, KV 329
Raphael Alpermann | Orgel
• Allegro

Missa (»Krönungsmesse«)

• Credo. Allegro molto – Adagio – Allegro molto

Alma Dei creatoris

Offertorium für Soli, Chor und Orchester F-Dur, KV 277
• Allegro

Missa (»Krönungsmesse«)

• Sanctus. Andante maestoso – Allegro assai
• Benedictus. Allegretto – Allegro assai
• Agnus Dei. Andante sostenuto – Andante con moto – Allegro con spirito

Katharina Konradi Sopran
Sophie Harmsen Mezzosopran
Steve Davislim Tenor
Krešimir Stražanac Bassbariton

Akademie für Alte Musik Berlin

Chor des Bayerischen Rundfunks

Howard Arman

Leitung

INTERPRETEN

Katharina Konradi   In München kennt man die aus Bischkek (Kirgistan) stammende Sopranistin Katharina Konradi von Auftritten in der Bayerischen Staatsoper als Sophie im Rosenkavalier und als Susanna in Le nozze di Figaro. Ihr Stammhaus ist jedoch seit ihrem Debüt als Ännchen (Der Freischütz) die Hamburgische Staatsoper, der sie seit 2018 als festes Ensemblemitglied angehört. Daneben verfolgt sie gleichermaßen als Lied-, Konzert- und Opernsängerin eine internationale Laufbahn. So ist sie etwa bei den Bayreuther Festspielen und an der Dresdner Semperoper zu hören und tritt regelmäßig mit dem Orchestre de Paris, dem Tonhalle Orchester Zürich, der Akademie für Alte Musik Berlin oder dem Balthasar-Neumann-Ensemble auf. Zu den aktuellen Projekten der Sopranistin zählt ein Neujahrsprogramm bei der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Manfred Honeck sowie als Saisonabschluss Auftritte in Brahms’ Deutschem Requiem in Madrid und Granada. Ihre Gesangsausbildung begann sie bei Julie Kaufmann in Berlin, der weitere Studien u. a. bei Donald Sulzen an der Münchner Musikhochschule folgten.

Sophie Harmsen   Die Mezzosopranistin Sophie Harmsen ist als Kind deutscher Diplomaten schon früh weit gereist und ließ sich in Kapstadt sowie in München bei Edith Wiens ausbilden. Als Opernsängerin ist sie europaweit und international, etwa am Teatro Colón in Buenos Aires und am Shanghai Grand Theatre, zu erleben. Im Konzertfach kann Sophie Harmsen auf die Zusammenarbeit mit Frieder Bernius, Constantinos Carydis, Adam und Iván Fischer, Daniel Harding, Thomas Hengelbrock, Jérémie Rhorer, Andreas Spering und Markus Stenz zurückblicken. Ihre besondere Liebe gilt der Alten Musik. Große Erfolge konnte sie dabei in Solo-Abenden u. a. mit Concerto Köln sowie in Konzerten mit dem Freiburger Barockorchester und der Akademie für Alte Musik Berlin feiern. CD-Aufnahmen von Sophie Harmsen sind mit dem Diapason d’or und dem Echo Klassik 2017 geehrt worden. In der laufenden Saison musiziert sie mit Philippe Herrweghe und René Jacobs und freut sich auf ein Gastkonzert in ihrer Geburtsstadt Montréal mit Beethovens Neunter Symphonie. Beim BR-Chor debütierte sie 2013 in Mozarts c-Moll-Messe.

Steve Davislim   Der australische Tenor begann seine musikalische Laufbahn als Hornist, studierte dann jedoch Gesang am Victorian College of the Arts in Melbourne und vervollständigte seine Ausbildung am Internationalen Opernstudio in Zürich. Von 1994 bis 2000 war er Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich. 2002 debütierte er bei den Salzburger Festspielen und 2005 an der Mailänder Scala. Auch als Konzertsänger ist Steve Davislim gefragt, wie Auftritte bei den Salzburger Festspielen und beim Rheingau Musik Festival belegen. Außerdem feierte er Erfolge in Beethovens »Neunter« in Wien, Hamburg und unter Sir Simon Rattle in Baden- Baden sowie im Wiener Musikverein mit Schnittkes Faust-Kantate und Elgars Dream of Gerontius. Die Tenorpartie in Bruckners Te Deum gestaltete er unter Riccardo Muti in Chicago. Aktuell war Steve Davislim beim Orchestre National de France unter Christoph Eschenbach mit Dvorˇáks Stabat mater zu erleben. Zu seinen zahlreichen CD-Einspielungen gehören Schuberts Winterreise und das Mozart-Requiem gemeinsam mit dem BR-Chor unter Christian Thielemann.

Krešimir Stražanac   Oper, Konzert, Lied – in allen drei Sparten ist der kroatische Bassbariton zu Hause. Nach einem Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart war er zunächst festes Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich und beeindruckte später vielerorts, so auch an der Bayerischen Staatsoper. In der Oper wie im Konzert gilt sein besonderes Augenmerk der Barockmusik, so war Krešimir Stražanac 2021 mit der Titelpartie in Telemanns Orpheus unter René Jacobs auf Europa-Tournee. Als Konzertsolist steht er regelmäßig mit bedeutenden Werken der Klassik bis zu zeitgenössischer Musik bei Spitzenorchestern in Europa und Fernost auf dem Podium. 2022 wird er unter Masaaki Suzuki beim Bach Festival in Montréal debütieren. Bedeutend für seinen musikalischen Werdegang ist die Zusammenarbeit mit Philippe Herreweghe sowie mit Concerto Köln, dem Concentus Musicus Wien und der Akademie für Alte Musik Berlin. Im Zusammenwirken mit dem BR-Chor ist Krešimir Stražanac seit 2015 mehrfach in Konzerten und CDbzw. DVD-Editionen in Erscheinung getreten, so etwa in Bachs Johannes-Passion.

Die Akademie für Alte Musik Berlin (kurz Akamus) feiert 2022 ihr 40-jähriges Bestehen. 1982 in Berlin gegründet, gehört die Akademie für Alte Musik Berlin heute zur Weltspitze der historisch informiert spielenden Kammerorchester. Ob in New York oder Tokio, London oder Buenos Aires – die Akademie ist vielgefragter Gast auf den wichtigsten europäischen und internationalen Konzertpodien. Im Kulturleben Berlins ist das Ensemble ein zentraler Pfeiler. Seit über 35 Jahren gestaltet das Orchester eine eigene Abonnementreihe im Konzerthaus Berlin und seit 1994 prägt seine musikalische Handschrift das Barockrepertoire an der Berliner Staatsoper. Mit einer eigenen Konzertreihe ist das Ensemble seit 2012 zudem regelmäßig im Münchner Prinzregententheater zu Gast. Die Akademie für Alte Musik Berlin musiziert unter der wechselnden Leitung seiner Konzertmeister Bernhard Forck und Georg Kallweit sowie ausgewählter Dirigenten. Besonders mit René Jacobs verbindet das Ensemble eine langjährige künstlerische Partnerschaft. Darüber hinaus leiteten in jüngster Zeit Emmanuelle Haïm, Bernard Labadie, Paul Agnew, Diego Fasolis, Fabio Biondi und Rinaldo Alessandrini das Orchester. Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit dem RIAS Kammerchor, von deren Qualität zahlreiche preisgekrönte Aufnahmen zeugen.

Zudem pflegt das Ensemble eine enge Zusammenarbeit mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, zuletzt in Konzert- bzw. CD-Produktionen mit Mozarts Messe in c-Moll sowie dem Requiem in d-Moll. Mit international renommierten Solisten wie Isabelle Faust, Anna Prohaska, Michael Volle und Bejun Mehta arbeitet die Akademie Alte Musik Berlin regelmäßig zusammen. Aufnahmen des Ensembles wurden mit allen bedeutenden Schallplattenpreisen ausgezeichnet, darunter Grammy Award, Gramophone Award sowie der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. 2006 erhielt das Orchester den Telemann-Preis der Stadt Magdeburg und 2014 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig sowie den Echo Klassik.

Erste Violine: Bernhard Forck, Thomas Graewe, Henriette Scheytt, Theona Gubba-Chkheidze, Juliette Beauchamp, Javier Aguilar Bruno, Kyrylo Sharapov. Zweite Violine: Gudrun Engelhardt, Uta Peters, Katharina Grossmann, Stephan Mai, Swaantje Kaiser, Sophia Stiehler. Violoncello: Daniel Rosin, Sibylle Huntgeburth. Kontrabass: Walter Rumer, Harald Winkler, Barbara Fischer. Orgel: Raphael Alpermann. Oboe: Xenia Löffler, Michael Bosch. Horn: Erwin Wieringa, Miroslav Rovensky. Fagott: Christian Beuse. Trompete: Ute Hartwich, Sebastian Kuhn. Posaune: Simen van Mechelen, Detlef Reimers, Joost Swinkels. Pauke: Martin Piechotta

Chor des Bayerischen Rundfunks

Howard Arman

WERKEINFÜHRUNGEN

Gottes Macht und Mozarts Leidenschaft
Die Vesperae solennes de Dominica des frisch gebackenen Hoforganisten zu Salzburg. Von Jörg Handstein

Wolfgang Amadeus Mozart: * 27. Januar 1756 in Salzburg, † 5. Dezember 1791 in Wien. Vesperae solennes de Dominica für Soli, Chor und Orchester C-Dur, KV 321, Entstanden: 1779 in Salzburg, Uraufführung: vermutlich 1779 zu einem hohen Heiligenfest

Die Reise ist auf der ganzen Linie gescheitert. Weder hat ihn ein anderer Hof angestellt, noch konnte er in Paris reüssieren. Seine Mutter ist tot, und die heiß geliebte Aloysia hat ihn abgewiesen. Nun, im Januar 1779, musste er also wieder zurück an den verhassten Salzburger Hof: »Der Erzbischof kan mich gar nicht genug bezahlen für die sclaverey in salzbourg!« Immerhin hatte sein Vater eine Verdreifachung des Jahresgehalts erwirken können: Mozart bekam die Stelle des im Dezember 1777 an einem Schlaganfall verstorbenen Hoforganisten Anton Cajetan Adlgasser. Mozarts Dankbarkeit hielt sich in Grenzen: »Der Erzbischof darf mit mir gar noch nicht den grossen, wie er es gewohnt war, zu spielen anfangen – es ist gar nicht unmöglich, daß ich ihm eine nase drehe!«

Künstlerisch ist Mozart gereift. Mit der großartigen Messe zu Ostern 1779 (später Krönungsmesse genannt) kann er der ganzen Stadt samt Erzbischof zeigen, wer er eigentlich ist: Schöpfer unerhörter Musik und bereits vollendeter Kapellmeister. Als Hoforganist ist sein Diensteifer begrenzt, denn in den folgenden Jahren komponiert er auffällig wenig Kirchenmusik. Neben der Krönungsmesse ragen noch zwei groß angelegte Vespern heraus. Wann genau und wofür die Vesperae solennes de Dominica entstand, ist mehr zu eruieren. Der nicht einmal von Mozart selbst stammende Titel besagt nur, dass das Werk an jedem beliebigen Sonntag erklingen konnte. Und das ist streng genommen nicht einmal korrekt: Aufgrund der mit der bekannteren Vesper KV 339 identischen Texte müsste sie eigentlich ebenso betitelt sein: Vesperae solennes de confessore.

Wie bei »solennen«, also feierlichen Anlässen üblich, wird die Salzburger Sparbesetzung mit Trompeten und Pauken ergänzt – die allerdings nur in den Außensätzen mitspielen. Diesen prächtigen Rahmen aus strahlendem C-Dur füllt Mozart mit Binnensätzen in e-Moll, B-Dur, F-Dur und A-Dur. Innerhalb dieses tonalen Spektrums bekommt jeder Psalm eine andere Farbe, ja wird zu einem stilistisch, formal und charakterlich völlig eigenständigen Musikstück. Selbst den immer gleichbleibenden Textanhang, das »Gloria Patri« komponiert er darin so homogen ein, dass eine musikalisch perfekte Form entsteht. Aber bei aller Geschlossenheit waltet hier auch große Freiheit und Beweglichkeit der Textvertonung. Der Musikgelehrte und Mozartforscher Alfred Einstein schwärmt: »Niemand kennt Mozart, der nicht solche Sätze von ihm kennt.«

Das »Dixit Dominus« offenbart sofort, wie es dem Text gebührt, die Macht und Herrlichkeit des Herrn. Doch in den melodisch freundlicheren Takten liegt auch die helle Festlichkeit eines Opernfinales. Entscheidend für diesen mitreißenden Einstieg sind aber die rhythmische Energie und das Tempo der Stimmungswechsel. Da Mozart für die textreichen Psalmen nur je rund fünf Minuten zur Verfügung stehen (Händel braucht allein für sein Dixit Dominus ca. 30 Minuten), eilt er schnell über die Zeilen hinweg. Die eingesparte Zeit investiert er in die bild- und schlagkräftige Darstellung des Jüngsten Gerichts (»conquassabit capita«) und eine prächtige Reprise über das »Gloria Patri«.

Obwohl das »Confitebor« wiederum den Herrn preist, seine Größe, Güte und Gerechtigkeit, schlägt Mozart hier einen ganz anderen Ton an: eingetrübt nach e-Moll – bei Mozart (man höre die Violinsonate) eine hochernste, todtraurige Tonart. Die Musik verwandelt den Psalm in das Gebet eines leidenden, verängstigten Menschen, der um Erlösung fleht. Viel Gewicht legt Mozart auf Worte »sanctum et terribile« und »timor«, wobei er melodisch das »Dies irae« andeutet und so noch einmal auf den Jüngsten Tag hinweist. Klagende Chromatik, schroffe Kontraste, dissonante Einwürfe wie Aufschreie – der Chor bricht die zarte Lyrik der Solostimme dramatisch auf und macht das innige Gebet zu einer großen Szene.

Auch das »Beatus vir« ist in besonderem Maß von solchen Kontrasten durchzogen, die hier sogar noch dichter, schneller und härter aufeinander folgen. Wieder zerklüften die Chorpartien den Satz, die Solopartien sind eher flüssig und melodisch geführt. Mozart dramatisiert gewissermaßen das Porträt des gottgefälligen Mannes, indem er mehr Unruhe und Erregung als Glaubensgewissheit zum Ausdruck bringt. Alfred Einstein bescheinigt am Beispiel dieses Satzes dem ganzen Werk »eine leidenschaftliche, stürmische Feierlichkeit«, die es von Mozarts früherer, eher liedhafter Kirchenmusik abhebe. Dazu inspirieren ihn natürlich auch die Psalmtexte, die emotionaler und bildhafter sind als das Messordinarium. Der alttestamentliche Gott erscheint fast leibhaftig präsent und auch das Volk Israel tritt plastisch hervor. Diese beiden Ebenen verschränkt Mozart sehr eng und dramatisch: die absolute göttliche Macht und die wechselnden Gefühle der sie preisenden und fürchtenden Menschen. Mozart ist nun nicht mehr bereit, sein Genie zu zügeln und eine glatte, widerspruchsfreie, den Erwartungen gerechte Musik abzuliefern. Gut möglich, dass er damit dem Erzbischof, der natürlich rein funktionale Kirchenmusik erwartet, bereits »eine nase« dreht …

In scharfen stilistischen Kontrast setzt Mozart die letzten beiden Psalmen: Das »Laudate pueri« vertont er als Motette in altehrwürdiger Vokalpolyphonie, zunächst in demonstrativer Strenge als vierstimmigen Kanon, dann freier und harmonisch sehr expressiv. Selbst hier also wird Leidenschaft spürbar, die sich im prächtigen, frei kontrapunktischen Jubel des »Gloria Patri« löst. Das »Laudate Dominum« entpuppt sich dagegen als reinrassige Bravour-Arie mit lyrisch empfindsamen Melodien plus meterlangen Koloraturen. Die konzertierende Orgel simuliert zusätzliche Bläserstimmen, etwa Flöten oder Klarinetten. Auch die hellfarbige Tonart A-Dur hebt diesen Satz, vielleicht ein Glanzstück für den Hofkastraten Francesco Cecarelli, völlig aus seiner Umgebung heraus.

Dem Magnificat schließlich verleiht Mozart den Charakter eines großen, das ganze Werk krönenden Finales. Und er fokussiert seine kompositorischen Mittel nun ganz auf die Verherrlichung dessen, »der mächtig ist, und dessen Namen heilig ist.« Natürlich greift er noch einmal die gängigen Insignien der Macht auf: pompöse Schleifer, Fanfaren, majestätische punktierte Rhythmen. Aber die eigentlichen Kräfte walten im Inneren der Musik: von echtem Leben erfüllt, energetisch treibend und frei beweglich, komplex verästelt und machtvoll gebündelt. Mozart verschmilzt, so bringt es Einstein wieder einmal auf den Punkt, »die Majestät mit der Gesellschaftlichkeit eines symphonischen Allegros zu einem unbegreiflichen Ganzen«.


Geistige und kulinarische Nahrung – was ist eine Vesper?

Zu einer richtigen Vesper gehört reichlich Wurst, gerne auch Käse, dazu Brot oder lieber noch eine Laugenbrezel – befindet man in Schwaben, wo die »Fäschber« noch sehr populär ist. Diese Bezeichnung für eine Brotzeit am späten Nachmittag (oder frühen Abend) bürgerte sich im süddeutschen Sprachraum im 18. Jahrhundert ein, übertragen von dem gleichnamigen Gottesdienst (lat. Vespera = Abend). Mag sein, dass man sich davor noch etwas stärken wollte. Die Vesper gehört zu den klösterlichen Stundengebeten, aber an Sonn- und Feiertagen stand sie auch der Bevölkerung offen. Ihre herausragende Rolle spiegelt sich in der musikalischen Gestaltung, die manchmal sogar die der Messe überbieten konnte. Die in der Liturgie zentralen Psalmen wurden ab dem 16. Jahrhundert kunstvoll vertont, der grandiose Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Marienvesper (Venedig, 1610) von Claudio Monteverdi.

Da man allerdings meist einzelne Psalmen von verschiedenen Komponisten zusammenstellte, sind weit weniger Komplettvertonungen überliefert als im Fall der Messe. Im 18. Jahrhundert umfasste ein Vesperzyklus fünf Psalmen sowie das Magnificat, den Lobgesang Marias. Am meisten vertont wurde die »Bekenner-Vesper« (de confessore), die an Heiligenfesten, aber auch anderen Feiertagen einsetzbar war. In Mozarts Zeiten erlebte die Gattung eine letzte Blüte, »täglich war Amt und Vesper mit Figuralmusik«, berichtet ein Schüler Michael Haydns aus Salzburg. Der Reformkaiser Joseph II. verbot allerdings die üppige Vespermusik, und der Gottesdienst verlor überhaupt seine Bedeutung. Was bleibt, ist die Vesperplatte, heute auch vegan erhältlich.


Zwei Kaiser und drei Krönungen
Mozarts Krönungsmesse – ein Werk und sein Titel. Von Alexander Heinzel

Wolfgang Amadeus Mozart, Missa (»Krönungsmesse«) für Soli, Chor und Orchester C-Dur, KV 317; Entstehungszeit: am 23. März 1779 in Salzburg vollendet. Uraufführung: vermutlich am 4. oder 5. April 1779 im Salzburger Dom.

Politisch unruhige Zeiten waren es, die Wolfgang Amadeus Mozart in Wien erlebte. Der Pulverdampf der Revolution wehte von Frankreich herüber und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hoffte Kaiser Joseph II., den Umsturz zu verhindern. Als »gekrönten Revolutionär« bezeichnete man den Habsburger- Herrscher, denn zusätzlich zur Aufhebung der Leibeigenschaft und dem Toleranzedikt gegenüber Andersgläubigen verfolgte er eine Kirchenpolitik, die dem kaum zu bändigenden Wildwuchs katholischer Institutionen und Bräuche Einhalt gebieten sollte. So hob er ab 1781 über 700 Klöster auf und schob dem ausufernden Einsatz von Orchestermusik im Gottesdienst einen Riegel vor, setzte sich aber im Gegenzug für einen »Religionsfonds« zur Seelsorge der breiten Masse der Bevölkerung ein.

Nach dem frühen Tod des Reformkaisers feierte das Heilige Römische Reich die letzten großen Krönungszeremonien vor seinem nahen Untergang. Im alten Glanz der Reichsidee des Herrschertums von »Gottes Gnaden« ließ sich Josephs Bruder Leopold II. im Oktober 1790 zum deutschen Kaiser und im September des Jahres 1791 zum böhmischen König krönen. Aber der plötzliche Tod des 44-jährigen Regenten führte schon im darauffolgenden Jahr zur Krönung seines Sohns Franz II. an traditioneller Stätte in Frankfurt.

Eine besondere historische Klammer um die drei Krönungen bildet die Musik der Festgottesdienste, die als die eigentlichen Krönungszeremonien begangen wurden. Der damalige Wiener Hofkapellmeister Antonio Salieri berichtet, dass er zu den drei Krönungen jeweils »fast genau die gleiche Musik« aufs Programm gesetzt habe. Dazu gehörte Mozarts prächtige C-Dur-Messe, die in Hofkreisen zu dieser Zeit auch ihren Beinamen »Krönungsmesse« erhielt. Nach den Berichten über die Feierlichkeiten im Prager Wenzelsdom 1791 wurden wohl zusätzlich noch die Messen KV 258 und KV 337 sowie das Misericordias, KV 222, und ein Chor aus Thamos, König in Ägypten mit geistlichem Text aufgeführt.

Die Krönungsmesse war jedoch schon weit früher entstanden. Nach der Rückkehr von einer über einjährigen Paris-Reise ins heimatliche Salzburg trat Mozart beim alten Brotherrn Fürsterzbischof Colloredo 1779 sein neues Amt als Hoforganist an. Für den kommenden Ostergottesdienst eine feierliche Messe zu komponieren, lag nahe. Bereits zwei Wochen vor Ostern, am 23. März 1779, setzte er den letzten Federstrich aufs Notenpapier, sodass einer festlichen Erstaufführung im Salzburger Dom nichts mehr im Weg stand.

Welche Bedeutung Mozart seiner Krönungsmesse selbst beigemessen hat, wird in den folgenden Jahren deutlich. So legte er sie beispielsweise mit ins Gepäck, als er um die Jahreswende 1780/81 zur Einstudierung des Idomeneo nach München reiste und dort auch als Komponist von Kirchenmusik reüssieren wollte. Erneut richtete sich Mozarts Interesse auf das Werk, als er in Wien mit Gottfried van Swieten in Kontakt trat, einem der maßgeblichen Mitgestalter der Josephinischen Reformen und kenntnisreicher Musikliebhaber. Swieten war es, der ihn mit der Musik Bachs und Händels in Berührung brachte und zudem bei seinen privaten sonntäglichen Liebhaberkonzerten gerne Werke von Mozart aufs Programm setzte. Um die Nachfrage Swietens zu befriedigen, bat er Vater Leopold per Brief vom 12. März 1783, in Salzburg lagernde Partituren nach Wien zu senden: »mit dieser gelegenheit könnten sie mir wohl noch was mitschicken. – zum beyspiell; meine Messen in Partitur – meine 2 Vespern in Partitur – daß ist alles nur, um es dem B: van suiten hören zu lassen.: – er singt den Discant, ich den alt: und spielle zugleich.«

Den freundschaftlichen Beziehungen Mozarts zum Badener Chordirektor und Schullehrer Anton Stoll ist nicht nur die Widmungskomposition des Ave verum corpus, KV 618, zu verdanken, sondern eine weitere Aufführung der Krönungsmesse, die Stoll 1790 mit seinem Kirchenchor realisierte. Ende Mai 1791 fordert Mozart das geliehene Notenbündel plötzlich von Stoll zurück, denn erneut scheint die Messe gefragt zu sein. Ob er hier die Vorbereitungen des Wiener Hofes zu der schon erwähnten Krönung Leopolds II. zum böhmischen König in Prag im September 1791 im Sinn hatte, oder ob er sie zur Bewerbung um das Wiener Domkapellmeisteramt im Sommer 1791 benötigte, ist nicht mehr zu klären.

Ausnahmslos alle Sätze – selbst diejenigen mit ariosen Abschnitten wie das Kyrie, Benedictus und Agnus Dei – stehen im Bann prächtig auftrumpfender Klangentfaltung der zu Streichern, Solisten und Chor hinzutretenden Oboen, Trompeten, Hörner und Pauken, meist im strahlenden C-Dur-Klangraum. Überdies gemahnen die beiden großen Partien für Solosopran an die Welt der Oper: Verwiesen sei dabei auf Ähnlichkeiten zwischen dem Kyrie und der Arie der Fiordiligi (»Come scoglio«) aus Così fan tutte sowie Analogien zwischen Sopransolo des Agnus Dei und der Arie der Gräfin (»Dove sono«) aus Le nozze di Figaro.

Der Gedanke, durch die Wiederholung einzelner Formteile der Krönungsmesse eine instrumentale Dramaturgie zu verleihen – ähnlich der Symphonie –, ist zwar selbst in früheren Messen Mozarts nicht neu, hier jedoch erscheint er mit besonderer Konsequenz und innerer Logik verwirklicht. So etwa mit einer Außenklammer durch die Wiederaufnahme der Kyrie-Motivik im Agnus Dei (»Dona nobis pacem«) und deren variierende Steigerung in der Chor-Schlusspassage. Weitere thematische Binnenbezüge finden sich im rondo-artig angelegten Credo mit seinem wirbelnden Ritornellthema in den Violinen oder in der notengleichen Entsprechung des »Hosanna in excelsis« im Sanctus und Benedictus. Der ausgeprägten Sanglichkeit, die sich bis hin zu den schwerelos aufsteigenden Oboenmotiven im Kyrie erstreckt, steht immer wieder eine sich übermächtig in den Vordergrund drängende Klangentfaltung gegenüber. Fast spielerisch geschieht dies beispielsweise im Benedictus, wenn auf das beseelte Solistenquartett die Orchesterschläge des »Hosanna in excelsis« folgen, wenige Takte später jäh abbrechen und dem Sängerquartett noch einmal Raum geben für eine Benedictus-Reminiszenz.

Gerade die vermeintlich »weltliche« Haltung der Krönungsmesse führte im 19. Jahrhundert, als Choralgesang und Vokalpolyphonie im Stil von Palestrina zur einzig wahren Kirchenmusik stilisiert wurden, zu scharfer Polemik gegenüber dem Messenstil Mozarts und seiner Zeitgenossen. Karl Emil von Schafhäutl, einer der Wortführer der so genannten Cäcilianismusbewegung, sah in der Krönungsmesse den altehrwürdigen Messentext »umschwirrt von gaukelnden Violinen, alternierend mit schwindsüchtigen Flöten und knarrenden Fagotten in platten, hüpfenden theatralisch cadenzierenden Weisen« entstellt.

Ein Urteil, das heute kaum noch Gültigkeit beanspruchen kann, blicken wir doch auf eine Zeitspanne zurück, in der geistliche Musik ungleich vielfältigere Ausdrucksformen gefunden hat und oftmals sogar ganz ohne Worte, also im rein instrumentalen zu tiefgründigen Aussagen und Glaubensbekenntnissen findet. Es war der musikbegeisterte Theologe Hans Küng, der den Kirchenmusikwerken Mozarts und speziell der Krönungsmesse die Gabe zusprach, »in jedes Ohr, das sich ihr öffnet«, einzudringen und dabei »nicht einmal der Worte« zu bedürfen.

Als »theologisch sensibler Musiker«, wie Küng ihn bezeichnete, schuf er im Dienst der Kirche Musik, die äußerlich ihre liturgische Pflicht erfüllt. Jenseits davon ist zu erahnen, welche Vision von Glauben und Religiosität Mozart eigen war: Die Krönungsmesse spiegelt sie wider in ihrer Spontaneität, Intimität, Prachtentfaltung und positiven Ausstrahlung – eine musikalische Vision, der man sich als Hörer kaum zu entziehen vermag.


Mozart macht gute Laune 

Insgesamt 17 sogenannte Kirchen- oder Epistelsonaten komponierte Mozart in seinen Salzburger Jahren zwischen 1772 und 1780. Ihr Spektrum reicht von der kleinen Besetzung im Kirchentrio (zwei Violinen und Bassstimme) mit Orgelbegleitung bis hin zum vollen Orchester mit Bläserbesetzung und bisweilen konzertant-virtuosen Orgel-Solopartien. Sie erklangen nach der Epistellesung, also zwischen Gloria und Credo. Die Kirchensonate KV 329 ist sehr wahrscheinlich zusammen mit der Krönungsmesse zu Ostern 1779 entstanden. Mozart war nun Hoforganist und dürfte den Orgelpart mit den kurzen Solopassagen selbst gespielt haben. Aus der Colloredo’schen Vorgabe nach möglichst kurzer Dauer einer Messe schlägt Mozart ungeahntes künstlerisches Kapital: Die meist nur zwei- bis dreiminütigen Stücke entfalten ihre Wirkung auf knappstem Raum, sie sind Lehrstücke für den Bau eines Sonatensatzes, sie zelebrieren den feierlichen Gestus eines Festgottesdienstes und sie hinterlassen mit Mozart’schem Melodienreichtum und süddeutsch-barockem Klangsinn beim Hörer bis heute eigentlich nur eines: beste Feiertagslaune!


Bitte um Stärke
Mozarts Alma Dei creatoris – ein kurzer Offertoriumssatz zwischen volksnahem Marienlied und Kirchenliturgie. Von Jörg Handstein

Wolfgang Amadeus Mozart, »Alma Dei creatoris«, Offertorium für Soli, Chor und Orchester B-Dur KV 277 (272a). Entstanden: vermutlich im Sommer bis Frühherbst 1777 in Salzburg. Uraufführung: unbekannt

Wolfgang Amadé Mozart, einst schon Starkomponist in Italien, sitzt nun seit Jahren wieder an einem Geigenpult. Sein Dienstherr, der fortschrittliche Fürsterzbischof Colloredo, optimiert Salzburg, ignoriert aber hartnäckig, dass hier ein musikalisches Genie heranreift. Auch in der Bevölkerung ist der nüchterne Reformpolitiker nicht sonderlich beliebt: »Unser Fürst von Colloredo / hat weder Gloria noch Credo!« Im August 1777 kündigte Mozart, und am 23. September macht er sich in Begleitung seiner Mutter auf die Suche nach einem angemessenen Job, sei es in München, in Mannheim oder Paris.

Die letzten Arbeiten für Salzburg waren Kirchenmusik, darunter das Offertorium Alma Dei creatoris in B-Dur. In der Messe bezeichnet »Offertorium« dasjenige Musikstück, das während der Bereitung der Opfergaben Brot und Wein gesungen wird. Es leitet also das Abendmahl ein und hat damit einen prominenten Platz in der Liturgie. Obwohl nicht zum Ordinarium missae gehörig, zählt es Mozart zur komponierten Messe hinzu, die »mit allem = dem Kyrie, Gloria, Credo, der Sonata all’Epistola, mit Offertorium oder Motette, Sanctus und Agnus Dei, auch die feierlichste, wenn der Fürst selbst die Messe zelebriert, nicht länger als höchstens drei Viertelstunden dauern soll«.

Das wohl für die Missa brevis B-Dur, KV 175, bestimmte Alma Dei creatoris hat Mozart ganz klar für den Dom geschrieben. Darauf weist die sparsame Besetzung mit Generalbass, zwei Violinstimmen (dem sogenannten »Kirchentrio«) sowie drei chorbegleitenden Posaunen hin. Dass er Salzburg und den Fürsten satt hatte, merkt man dem hellen, freundlichen und sehr inspiriertem Stück nicht an. Der offenbar bruchstückhafte Text entstammt einem mittelalterlichen Gebet an Maria, das in der Art von Stabat-mater-Strophen gedichtet ist. Mozart belebt die holzschnittartigen Verse mit bewegten melodischen Linien, die schlicht und liedhaft phrasiert sind: mehr volksnahes Marienlied als Kirchenliturgie. Formal baut Mozart den knappen Text jedoch zu einem kompletten Sonatensatz aus. In dessen »Durchführung« verdunkelt sich plötzlich der Klangraum nach Moll, tiefere Solostimmen mischen sich ein, Erregung wird spürbar. Für einen Moment liegt ein Hauch von Drama in der Luft, bis die Reprise das unbeschwert optimistische Lied zurückbringt. Der Text schmiegt sich der gesanglichen Melodie dezent an, aber ein Wort springt immer wieder markant hervor: »fortes« und schließlich, von Mozart selbst so gesetzt, »fac fortes«. Möglicherweise bittet er die gnadenreiche Gottesmutter in eigener Sache um Stärke – im Kampf gegen den Erzbischof und im Kampf um eine bessere Stellung.

GESANGSTEXTE

Wolfgang Amadeus Mozart
Vesperae solennes de Dominica, KV 321

Dixit Dominus Domino meo: Sede a dextris meis: Donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum. Virgam virtutis tuae emittet Dominus ex Sion: Dominare in medio inimicorum tuorum. Tecum principium in die virtutis tuae in splendoribus sanctorum: Ex utero ante luciferum genui te. Juravit Dominus et non poenitebit eum: Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech. Dominus a dextris tuis, confregit in die irae suae reges. Judicabit in nationibus implebit ruinas: Conquassabit capita in terra multorum. De torrente in via bibet: Propterea exaltabit caput. Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.
Psalm 109

So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße. Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: Herrsche inmitten deiner Feinde! Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, wenn du erscheinst in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern. Der Herr hat geschworen, und nie wird’s ihn reuen: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes. Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden. Er trinkt aus dem Bach am Weg; so kann er von neuem das Haupt erheben. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist; wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Confitebor tibi Domine in toto corde meo: In consilio justorum et congregatione. Magna opera Domini: Exquisita in omnes voluntates ejus. Confessio et magnificentia opus ejus: Et justitia ejus manet in saeculum saeculi. Memoriam fecit mirabilium suorum misericors et miserator et justus: Escam dedit timentibus se. Memor erit in saeculum testamenti sui: Virtutem operum suorum annuntiabit populo suo. Ut det illis hereditatem gentium: Opera manuum ejus veritas et judicium. Fidelia omnia mandata ejus: Confirmata in saeculum saeculi, facta in veritate et aequitate. Redemptionem misit Dominus populo suo: Mandavit in aeternum testamentum suum. Sanctum et terribile nomen ejus: Initium sapientiae timor Domini. Intellectus bonus omnibus facientibus eum: Laudatio ejus manet in saeculum saeculi.
Gloria Patri …
Psalm 110

 

Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde. Groß sind die Werke des Herrn, kostbar allen, die sich an ihnen freuen. Er waltet in Hoheit und Pracht, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer. Er hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet, der Herr ist gnädig und barmherzig. Er gibt denen Speise, die ihn fürchten. An seinen Bund denkt er auf ewig. Er hat seinem Volk seine machtvollen Taten kundgetan, um ihm das Erbe der Völker zu geben. Die Werke seiner Hände sind gerecht und beständig, all seine Gebote sind verlässlich. Sie stehen fest für immer und ewig, geschaffen in Treue und Redlichkeit. Er gewährte seinem Volk Erlösung und bestimmte seinen Bund für ewige Zeiten. Furchtgebietend ist sein Name und heilig. Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; alle, die danach leben, sind klug.
Sein Ruhm hat Bestand für immer.
Ehre sei dem Vater …

 

 

Beatus vir, qui timet Dominum: In mandatis ejus volet nimis. Potens in terra erit semen ejus: Generatio rectorum benedicetur. Gloria et divitiae in domo ejus: Et justitia ejus manet in saeculum saeculi. Exortum est in tenebris lumen rectis: Misericors et miserator et justus. Jucundus homo qui miseretur et commodat, disponet sermones suos in judicio. Quia in aeternum non commovebitur. In memoria aeterna erit justus: Ab auditione mala non timebit. Paratum cor ejus sperare in Domino: Non commovebitur donec despiciat inimicos suos. Dispersit dedit pauperibus: Justitia ejus manet in saeculum saeculi: Cornu ejus exaltabitur in gloria. Peccator videbit et irascetur, dentibus suis fremet et tabescet: Desiderium peccatorum peribit.
Gloria Patri …
Psalm 111

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und sich herzlich freut an seinen Geboten. Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet. Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, sein Heil hat Bestand für immer. Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte. Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist, der das Seine ordnet, wie es recht ist. Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten. Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung; sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn. Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie, denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger. Reichlich gibt er den Armen, sein Heil hat Bestand für immer; er ist mächtig und hoch geehrt. Voll Verdruss sieht es der Frevler, er knirscht mit den Zähnen und geht zugrunde. Zunichte werden die Wünsche der Frevler.
Ehre sei dem Vater …

Laudate pueri Dominum, laudate nomen Domini. Sit nomen Domini benedictum, ex hoc nunc et usque in saeculum. A solis ortu usque ad occasum laudabile nomen Domini. Excelsus super omnes gentes Dominus, et super coelos gloria ejus. Quis sicut Dominus Deus noster, qui in altis habitat et humilia respicit in coelo et in terra? Suscitans a terra inopem, et de stercore erigens pauperem: Ut collocet eum cum principibus populi sui. Qui habitare facit sterilem in domo, matrem filiorum laetantem.
Gloria Patri …
Psalm 112

Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn! Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit! Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt! Der Herr ist erhaben über alle Völker, seine Herrlichkeit überragt die Himmel. Wer gleicht dem Herrn, unserm Gott, ihm, der in der Höhe thront, der hinabschaut in die Tiefe, der den Schwachen aus dem Staub emporhebt und den Armen erhöht, der im Schmutz liegt? Er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, bei den Edlen seines Volkes. Die Frau, die kinderlos war, lässt er im Hause wohnen; sie wird Mutter und freut sich an ihren Kindern.
Ehre sei dem Vater …

Laudate Dominum omnes gentes: Laudate eum omnes populi. Quoniam confirmata est super nos misericordia ejus: Et veritas Domini manet in aeternum.
Gloria Patri …
Psalm 116

Magnificat anima mea Dominum. Et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo. Quia respexit humilitatem ancillae suae: Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes. Quia fecit mihi magna qui potens est: Et sanctum nomen ejus. Et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum. Fecit potentiam in brachio suo: Dispersit superbos mente cordis sui. Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles. Esurientes implevit bonis: Et divites dimisit inanes. Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae: Sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini ejus in saecula.
Gloria Patri … Amen.
Lukas 1,46–55

Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen!
Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.
Ehre sei dem Vater …
­

Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und lässt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat unseren Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich.
Ehre sei dem Vater …
Amen.

Wolfgang Amadeus Mozart
Missa (»Krönungsmesse«), KV 317

Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.

Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Laudamus te. Benedicimus te. Adoramus te. Glorificamus te.
Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam. Domine Deus, Rex caelestis, Deus Pater omnipotens! Domine Fili unigenite, Jesu Christe. Domine Deus, Agnus Dei, Filius Patris. Qui tollis peccata mundi, miserere nobis. Qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram. Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis. Quoniam tu solus sanctus, tu solus Dominus, tu solus Altissimus, Jesu Christe. Cum Sancto Spiritu in gloria Dei Patris. Amen.

Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr, erbarme dich unser.

Ehre sei Gott in der Höhe. Und auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind. Wir loben dich. Wir preisen dich. Wir beten dich an. Wir verherrlichen dich. Wir sagen dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit. Herr und Gott, König des Himmels, Gott allmächtiger Vater! Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn! Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: Erbarme dich unser. Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: Nimm unser Flehen gnädig auf. Du sitzest zur Rechten des Vaters: Erbarme dich unser. Denn du allein bist der Heilige. Du allein der Herr. Du allein der Höchste, Jesus Christus. Mit dem Heiligen Geist, in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen.

Wolfgang Amadeus Mozart
Sonate, KV 329

(instrumental)

Wolfgang Amadeus Mozart
Missa (»Krönungsmesse«, Fortsetzung)

Credo in unum Deum. Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae, visibilium omnium et invisibilium. Et in unum Dominum Jesum Christum, Filium Dei unigenitum. Et ex Patre natum ante omnia saecula. Deum de Deo, lumen de lumine, Deum verum de Deo vero. Genitum, non factum, consubstantialem Patri: Per quem omnia facta sunt. Qui propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis.
Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine: Et homo factus est. Crucifixus etiam pro nobis: Sub Pontio Pilato passus et sepultus est.
Et resurrexit tertia die, secundum Scripturas. Et ascendit in caelum: Sedet ad dexteram Patris. Et iterum venturus est cum gloria judicare vivos et mortuos: Cujus regni non erit finis. Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem: Qui ex Patre Filioque procedit. Qui cum Patre et Filio simul adoratur et conglorificatur. Qui locutus est per Prophetas.
Et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam.
Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum. Et exspecto resurrectionem mortuorum.
Et vitam venturi saeculi.
Amen.

Ich glaube an den einen Gott. Den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott. Gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. Durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden. Gekreuzigt wurde er sogar für uns. Unter Pontius Pilatus hat er den Tod erlitten und ist begraben worden. Er ist auferstanden am dritten Tage, gemäß der Schrift. Er ist aufgefahren in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters. Er wird wiederkommen in Herrlichkeit, Gericht zu halten über Lebende und Tote: Und Seines Reiches wird kein Ende sein. Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater und dem Sohne ausgeht. Er wird mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht. Er hat gesprochen durch die Propheten. Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten. Und das Leben der zukünftigen Welt. Amen.

Wolfgang Amadeus Mozart
Alma Dei creatoris, KV 321

Alma Dei creatoris
sedet rei peccatoris
mater clementissima.

Tu fac clemens
quod rogamus fortes
ad certamina.

Die Mutter Gottes, des Schöpfers,
nimmt sich der Sache des Sünders an,
die mildeste Mutter.

Du, mache uns,
wir bitten sehr,
stark für den Kampf.

Wolfgang Amadeus Mozart
Missa (»Krönungsmesse«, Fortsetzung)

Sanctus, sanctus, sanctus,
Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra gloria tua.
Hosanna in excelsis.

Benedictus, qui venit in nomine Domini.
Hosanna in excelsis.

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi:
miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi:
miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi:
dona nobis pacem.

Heilig, heilig, heilig,
Herr, Gott der Heerscharen.
Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe!

Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Hosanna in der Höhe!

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt:
Erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt:
Erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt:
Gib uns Frieden.

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