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Chor-Abo 2: König David – Aufführung ohne Publikum

Samstag, 27.11.2021
München, Prinzregententheater, 20 Uhr


Der Chor des Bayerischen Rundfunks sieht sich aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens gezwungen, das Konzert ohne Publikum durchzuführen.

Wir werden versuchen, das Konzert im Frühjahr oder Sommer 2022 nachzuholen, deshalb bleiben alle (Abonnement-)Karten bis auf weiteres gültig. Ein neuer Termin wird baldmöglich bekannt gegeben.

Falls Sie Ihre gekauften Einzelkarten trotzdem zurückgeben wollen, so wenden Sie sich bitte an die Verkaufsstelle, bei Sie die Karten gebucht haben. Über BRticket bezogene Karten können bis spätestens 31. Dezember 2021 an BRticket, Hopfenstr. 4, 80335 München zurückgesendet werden (print@home: Bitte senden Sie das Ticket-PDF per E-Mail an email hidden; JavaScript is required). Bitte geben Sie in jedem Fall Ihre Bankverbindung (IBAN) an. Falls Sie Ihre Karten telefonisch oder online per Kreditkarte bezahlt haben, wird der Kartenwert in der Regel dort gutgeschrieben.

Sollten Sie Ihre Karten bei einer München Ticket-Vorverkaufsstelle erworben haben, wenden Sie sich für die Rückabwicklung bitte dorthin. BRticket kann diese Tickets aus technischen Gründen nicht zurücknehmen.


2. Chor-Abonnementkonzert

Arthur Honegger
König David

Fassung für Sprecher, Soli, Chor und Instrumente (in deutscher Sprache)
Aufführung zum 100. Jahr der Entstehung des Werks

Johannes Silberschneider Erzähler

Johanna Winkel Sopran
Julian Prégardien Tenor
Anna Agathonos Sprecherin (Hexe von Endor)

Chor des Bayerischen Rundfunks

mit Solistinnen:
Diana Fischer | Sopran
Gabriele Weinfurter, Merit Ostermann | Alt

Münchner Rundfunkorchester

Howard Arman

Leitung

KÖNIG DAVID Satzfolge

I.   David als Hirte, Hauptmann und Heerführer

1. Einleitung

2. Davids Hirtenlied. „Gott, der Herr, ist mein Geleit“
Gabriele Weinfurter | Alt-Solo

3. Psalm. „Lob sei dem Herrn“
Chor

3a. Fanfare

4. Siegesgesang. „Heil, David, Heil“
Chor

5. Heereszug

6. Psalm. „Fürchte dich nicht“
Julian Prégardien | Tenor-Solo

7. Psalm. „Ach, hätte ich die Flügel einer Taube“
Johanna Winkel | Sopran-Solo

8. Gesang der Propheten. „Ach, der Mensch, vom Weibe geboren“
Männerchor

9. Psalm. „Gnädiger Gott, erbarme dich!“
Julian Prégardien | Tenor-Solo

10. Das Lager Sauls

11. Psalm. „Gott, mein Herr, du bist mein Licht“
Chor

12. Beschwörung der Hexe von Endor
Anna Agathonos | Rezitation

13. Marsch der Philister

14. Die Klage von Gilboa
Diana Fischer | Sopran-Solo
Merit Ostermann | Alt-Solo
Frauenchor

II.   Das Siegesfest

15. Festgesang. „Singet, ihr Schwestern, singt!“
Johanna Winkel | Sopran-Solo
Frauenchor

16. Der Tanz vor der Bundeslade
Johanna Winkel | Sopran-Solo (Engel)
Chor der Engel / Chor der jungen Mädchen (Frauenstimmen)
Chor der Priester / Chor der Krieger (Männerstimmen)

III.   David, der König und Prophet

17. Lobgesang. „Horch, mein Herz erklingt im Gesange“
Chor

18. Gesang der Dienerin. „Gib mir die Hand, mein Freund!“
Merit Ostermann | Alt-Solo

19. Bußpsalm. „Mitleid, mein Gott, Barmherzigkeit!“
Chor

20. Psalm. „Ich bin gezeugt in Sünd’ und Not“
Chor

21. Psalm. „Ich hebe meine Augen auf“
Julian Prégardien | Tenor-Solo

22. Gesang von Ephraim. „O du Wald Ephraim“
Johanna Winkel | Sopran-Solo
Frauenchor

23. Marsch der Israeliten

24. Psalm. „In treuer Liebe“
Chor

25. Psalm. „In deinem Zorne“
Chor

26. Die Krönung Salomons

27. Davids Tod
Johanna Winkel | Sopran-Solo (Engel)
Chor der Engel (Frauenstimmen), Chor

INTERPRETEN

Johannes Silberschneider
Erzähler

Für seine künstlerischen Verdienste wurde der österreichische Schauspieler Johannes Silberschneider in seinem Heimatland mit dem Großen Diagonale-Schauspielpreis und dem Großen Josef-Krainer-Preis ausgezeichnet. Zweimal war er überdies für den „Nestroy“ nominiert – dank seiner Darstellung des Mathematikers Kurt Gödel in Daniel Kehlmanns “Geister in Princeton” und des Erzählers in Thomas Bernhards “Holzfällen”, jeweils am Schauspielhaus Graz. Sein Renommee lässt sich aber auch daran ablesen, dass er 2013 mit der Rolle des Armen Nachbarn in die “Jedermann”-Besetzung der Salzburger Festspiele aufgenommen wurde.

Ausgebildet am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, erhielt Johannes Silberschneider sein erstes Engagement am Schauspielhaus Zürich. Es folgten Verpflichtungen an führenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. Dabei arbeitete er mit namhaften Regisseuren wie August Everding, Peter Palitzsch und Peter Zadek zusammen. Auch durch unzählige Film- und Fernsehproduktionen ist Johannes Silberschneider bekannt geworden. Er wirkte in so unterschiedlichen Streifen wie “Männerpension” und “Mahler auf der Couch”, der Trilogie “Rubinrot”, “Saphirblau” und “Smaragdgrün” oder dem Oscar-nominierten Kurzfilm “Copy Shop” mit. Zu seinen TV-Titeln zählen u. a. “Anne Frank: The Whole Story” oder die Doku “Maximilian – der Brautzug zur Macht”, außerdem die österreichischen Kult-Serien “Trautmann” und “Vorstadtweiber”. Johannes Silberschneider drehte mit internationalen Stars wie Laetitia Casta, Armin Mueller-Stahl sowie Ben Kingsley und arbeitete mit Herbert Achternbusch und den Gebrüdern Taviani zusammen. Seit 2021 verkörpert er den Polizisten Franz Gasperlmaier in der österreichischen TV-Reihe “Der Altausee Krimi”.

Johanna Winkel
Sopran

Aus dem Bereich der Alten Musik kommend, hat sich die Sopranistin Johanna Winkel ein facettenreiches Repertoire erarbeitet, das Werke der Klassik und Romantik ebenso einschließt wie zeitgenössische Kompositionen. Heute gehört sie zu den gefragten Sängerinnen im Konzert- und Oratorienfach. Engagements führten sie mit namhaften Orchestern und Chören zusammen, wie der NDR Radiophilharmonie, den Hamburger Philharmonikern, dem Freiburger Barockorchester sowie den Chören von RIAS, BR und NDR. 2017 gab sie ihr Debüt bei den Salzburger Osterfestspielen als Gerhilde in Wagners “Walküre” unter der Stabführung von Christian Thielemann. CDs mit Johanna Winkel wurden mehrfach mit Preisen geehrt, so etwa die Einspielung von Lutherkantaten von Bach, dirigiert von Christoph Spering, mit dem Echo sowie die Missa solemnis von Bruckner mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Łukasz Borowicz mit dem Diapason d’or. Ihr Debüt beim BR-Chor feierte sie im 2016 in Frank Martins weltlichem Oratorium “Le vin herbé”.

Julian Prégardien
Tenor

Julian Prégardien stammt aus Frankfurt und erhielt seine erste musikalische Bildung in den Chören der Limburger Dommusik. Von 2009 bis 2013 war er Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Parallel dazu verfolgte der Tenor eine internationale Laufbahn, so ist er u.a. bei den Salzburger Festspielen regelmäßig zu Gast. Einen besonderen künstlerischen Schwerpunkt setzt der Tenor im Liedgesang und in Kammermusikprojekten. Als Operninterpret begeisterte er beim Festival von Aix-en-Provence, an der Hamburgischen und an der Bayerischen Staatsoper sowie an der Opéra Comique in Paris. 2019 feierte Julian Prégardien sein Debüt an der Berliner Staatsoper als Tamino in Mozarts “Zauberflöte”. In der laufenden Saison konzertiert er mit dem Oslo Philharmonic Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Tonhalle Orchester Zürich sowie mit Concerto Köln. Beim BR-Chor ist Julian Prégardien regelmäßig zu Gast, so gestaltete er u.a. die Evangelistenpartien in Bachs “Johannes-” und “Matthäus-Passion” (auf CD erschienen) sowie jüngst die Tenorpartie in Beethovens Missa solemnis mit BR-Chor, BRSO und Eliot Gardiner.

Anna Agathonos
Rezitation

Seit 2020 gehört die griechische Mezzosopranistin Anna Agathonos dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters an. Hier trat sie u.a. als Knusperhexe in “Hänsel und Gretel” oder als Filipjewna in “Evgenij Onegin” auf. Mit dem Wechsel von der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst an das Opernstudio in Marseilles vollzog sie die Weichenstellung hin zu einer Laufbahn als Opernsängerin. Erste Engagements führten sie an die Opernhäuser von Marseilles, Avignon und Rouen sowie zum Festival von Aix-en-Provence, wo sie 2000 die Titelrolle in Rossinis “Cenerentola” gestaltete. Von 2001 bis 2010 war Anna Agathonos Ensemblemitglied beim Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, wo sie vor allem in Mozart- und Belcanto-Partien brillierte, von 2006 an auch im dramatischen Fach. Als Konzertsängerin stand sie in Verdis “Messa da Requiem”, Beethovens Neunter Symphonie sowie in Mahlers Dritter Symphonie mehrfach auf dem Podium. Erst jüngst feierte sie am Gärtnerplatztheater die Premiere in der Titelrolle von Menottis “The Medium”.

Münchner Rundfunkorchester

Zu den wichtigsten musikalischen Partnern des BR-Chores zählt das Münchner Rundfunkorchester. Gemeinsam gestalten sie seit vielen Jahrzehnten konzertante Opernabende und Tonträger-Einspielungen, jüngst etwa von Kuljerićs “Kroatischem glagolitischen Requiem” und Pärts “Stabat mater”. 1952 gegründet, zeichnet sich das Münchner Rundfunkorchester durch große künstlerische Vielfalt aus. Dabei reicht die Palette von Oper und Operette in den Sonntagskonzerten, moderierten Themenkonzerten und moderner geistlicher Musik bis hin zu Filmmusik und Crossover-Projekten. Gastspiele führten das Orchester zu Festivals wie dem Kissinger Sommer oder den Salzburger Festspielen sowie nach Baden-Baden, Wien und Luzern, wo es u.a. Diana Damrau und Anna Netrebko begleitet hat. Als wahrer Schatzgräber holt das Münchner Rundfunkorchester immer wieder zu Unrecht vergessene Werke ans Licht. Besondere Aufmerksamkeit gilt der pädagogischen Arbeit in Form von Kinder- und Jugendkonzerten. Chefdirigent ist seit 2017 Ivan Repušić, der sich nicht zuletzt auf dem Gebiet der italienischen Oper einen Namen gemacht hat.

Chor des Bayerischen Rundfunks

Howard Arman

 

WERKEINFÜHRUNG

Selige Zeiten
Von der Bühnenmusik zum Symphonischen Psalm – Arthur Honeggers Musik zu „König David“
Von Monika Lichtenfeld

Mézières, ein Bauerndorf im Hügelmassiv des Jorat, liegt zwölf Kilometer nördlich von Lausanne hoch über dem Genfer See. Hier gründete der waadtländische Dichter René Morax, angeregt durch Romain Rolland, 1908 das Théâtre du Jorat, eine Volksbühne, die Schauspiel und Musik nach antikem Vorbild zu verbinden suchte. In einer technisch vorzüglich adaptierten Holzscheune spielte man an Wochenenden im Sommer historische oder biblische Dramen mit regionalem Bezug, verfasst und produziert von René Morax gemeinsam mit seinem Bruder, dem Maler Jean Morax, und dem westschweizer Komponisten Gustave Doret. Publikumsinteresse und kritische Resonanz in der Öffentlichkeit wuchsen von Jahr zu Jahr, und bald gehörte es „sozusagen zur patriotischen Pflicht jedes Waadtländers, mindestens eine Vorstellung jedes neuen Dramas besucht zu haben“, wie der Schweizer Publizist Willy Tappolet berichtete.

Nach einer Zwangspause während des Ersten Weltkriegs und der frühen Nachkriegsjahre entschloss sich René Morax, die Arbeit unter neuen Vorzeichen, auf einer breiteren thematischen Basis und mit jüngeren Kräften, wieder aufzunehmen. Als Premierenstück für die Wiedereröffnung des Théâtre du Jorat im Sommer 1921 schrieb er das zweiaktige biblische Drama „Le roi David“. Für die Bühnenmusik war ursprünglich ein junger Genfer Komponist, Jean Dupérier, vorgesehen, der aber wegen der Kürze der Frist absagte. Man bat Strawinsky, der die Kriegsjahre in Clarens am Genfer See verbracht hatte, und den Dirigenten Ernest Ansermet um Rat, und beide empfahlen Arthur Honegger – damals 28-jährig, Mitglied der Pariser Groupe des Six, aber international noch kaum bekannt – als Komponisten. Die Zusammenarbeit von Morax und Honegger am Théâtre du Jorat, aus der neben „Le roi David“ noch drei weitere Dramen mit Musik – „Judith“ (1925), „La belle de Moudon“ (1931) und „Charles le téméraire“ (1944) – hervorgingen, hat die westschweizer Kunstszene nachhaltig inspiriert und gehört zu den interessantesten Kapiteln einer produktiven Künstlerfreundschaft im 20. Jahrhundert.

„Anfang 1921 erhielt ich“, so erzählt Honegger in seinem Erinnerungsbuch „Je suis compositeur“ („Ich bin Komponist“), „einen Brief von René Morax, der mit seinem Bruder Jean im Dorfe Mézières das Théâtre du Jorat gegründet hatte. Alle zwei Jahre gaben sie eine Reihe von Vorstellungen. Morax beauftragte mich mit der Komposition eines Roi David, den er im Mai desselben Jahres aufführen wollte. Ohne mir des Gewichts der mir anvertrauten Arbeit ganz bewusst zu sein, nahm ich mit Freuden an, umso mehr, als dieser Stoff mir als ,Bibelkenner‘ zusagte. Die Aufführungen dieses Werkes und zumal ihre Vorbereitung gehören zu meinen allerschönsten Erinnerungen. Selige Zeiten!“

Am 25. Februar 1921 begann Honegger mit der Komposition. Er arbeitete teils in Paris, teils in Zürich unter großem Zeitdruck Tag und Nacht und stellte die Partitur (insgesamt 27 Nummern, Aufführungsdauer etwa 75 Minuten) in kaum mehr als zwei Monaten bis zum 28. April fertig. Noch während der Niederschrift hatten die musikalischen Proben in der Schweiz begonnen. Anfang Juni kam Honegger selbst zur Einstudierung nach Mézières, und er dirigierte auch die Uraufführung des „Roi David“, zusammen mit dem Chorleiter Paul Boepple, zur Wiedereröffnung des Théâtre du Jorat am 11. Juni 1921. „Studenten, Bauern und Fachleute“, so berichtete der Komponist, „arbeiteten mit Begeisterung zusammen. Drei Maler, Jean Morax, Cingria und Hugonnet, malten die Kulissen und Kostüme. Es gab 27 Bilder, und es kamen Wagen auf die Bühne, die von lebendigen Pferden gezogen wurden. Der Erfolg krönte unsere Mühen.“ Der enthusiastisch aufgenommenen Premiere folgten bis zum 17. Juli elf weitere Vorstellungen. Honegger selbst indes sah im Erfolg seines ersten großformatigen Bühnenwerks nicht so sehr die künstlerische als vielmehr die soziale Leistung, wie er rückblickend in einem Gespräch mit Bernard Gavoty bekannte: „Ich wollte beide Teile des Publikums, die Sachverständigen und die Masse, packen. An gewissen Stellen schien es mir, ich hätte mein Ziel erreicht: zum Beispiel dann, wenn ich die Bauern des Jorat das Hallelujah im Roi David singen hörte.“

Um das Werk auch andernorts und unabhängig von den besonderen Bühnenbedingungen des Théâtre du Jorat zugänglich zu machen, entschlossen sich Dichter und Komponist 1923, den „Roi David“ für Konzertaufführungen umzuarbeiten. Dabei ging die dramatische Aktion in die Rolle eines Erzählers (Récitant) ein, der den Handlungsverlauf – teils in reinem Sprechtext, teils in melodramatischen Passagen – erläutert und derart die einzelnen musikalischen Nummern – Soli, Chöre und Instrumentalsätze – durch einen „roten Faden“ verbindet. Honegger war nun nicht mehr an das kleine Musikerensemble von Mézières (17 Instrumente: Bläser, ein Kontrabass, Schlag- und Tasteninstrumente) gebunden. Er schrieb die Partitur für großes Orchester mit Streichern, Harfe und verstärkter Bläsergruppe um. Trotz der vielfach geschmeidigeren Orchestrierung blieb das spezifische Instrumentalkolorit gewahrt – ein herber, kantiger, mitunter fast „barbarischer“ Klang, der Farbenpracht und Wildheit, Leuchtkraft und Nuancenreichtum in sich vereint.

Die Neufassung wurde entscheidend stimuliert durch den Mäzen Werner Reinhart und den Gemischten Chor Winterthur, die eine konzertante Darbietung in deutscher Sprache für Herbst 1923 planten. Hans Reinhart, ein Bruder Werner Reinharts, besorgte die Übersetzung des Dramas aus dem Französischen, und Honegger selbst kam nach Winterthur, um die Uraufführung der Oratorienfassung („Symphonischer Psalm“) am 2. Dezember 1923 unter der Leitung von Ernst Wolters mitzuerleben. Noch wichtiger für den internationalen „Durchbruch“ des „Roi David“ wurde jedoch die Pariser Erstaufführung im März 1924 in der Salle Gaveau unter Robert Siohan, die dem Komponisten einen triumphalen Erfolg und ausführliche, überwiegend enthusiastische Kritiken eintrug. „Ich werde nie vergessen“, notierte Arthur Hoérée in der „Comoedia“, „welche Begeisterung an diesem außerordentlichen Abend im überfüllten Saal herrschte, den das Publikum als Schauplatz eines bedeutenden Ereignisses empfand. Ich besuchte damals die Dirigentenklasse des Konservatoriums, und Honegger hatte mich gebeten, die Pauken zu übernehmen. Farbenglanz und unbezähmbare Energie dieses Werkes hatten uns alle, bis zum hintersten Chorsänger, gepackt.“ Figurierte der oratorische „König David“ auf dem Winterthurer Konzertprogramm noch, in Anlehnung an die Bühnenversion, als „Dramatischer Psalm“, so wählte Honegger für die definitive, 1924 publizierte Druckfassung den Titel „Symphonischer Psalm in drei Teilen nach dem Drama von René Morax“ – wohl auch, um den Vorrang der Musik gegenüber der Dichtung zu betonen.

Morax orientiert sich in seiner Dichtung eng an der alttestamentlichen Geschichte des Königs David, wie sie im 1. und 2. Buch Samuel und im 1. Buch der Könige dargestellt ist. Durch geringfügige Umstellung und Raffung von Episoden wird der Handlungsverlauf chronologisch übersichtlicher und zugleich spannungsreicher ausgeformt. Eingeschoben in die Erzählung des biblischen Geschehens durch den Sprecher erscheinen einerseits freie Psalmendichtungen (Nrn. 3, 6, 9, 11, 19–21, 24), andererseits liedhafte oder choralartige Lyrik, die inhaltlich wiederum eng auf den Bibelbericht (Nrn. 14, 22, 26–27) oder auf Psalmentexte (Nrn. 2, 15–18) Bezug nimmt. Aus dem kontrastreichen Gefüge von epischen, lyrischen und dramatisch bewegten Passagen erwächst eine facettenreiche Biographie der „historischen“ Figur und zudem ein außerordentlich lebendiges Portrait des Menschen David.

Das Libretto der Oratorienfassung gliedert sich in drei Teile, von denen der erste (David als Hirte, Hauptmann und Heerführer) besonders reich an Aktion und dramatischer Pointierung der Charaktere ist. Samuel, der Prophet Jehovas, begibt sich nach Bethlehem, um den Hirtenknaben David, den jüngsten Sohn Isais, zum König zu salben; er ist dazu auserwählt, den von Gottes Gnade verlassenen Saul als Herrscher Israels abzulösen. Davids erfolgreicher Kampf gegen Goliath, den Heerführer der Philister, und der Jubel des Volkes über seinen Sieg erwecken Sauls Misstrauen, seine Eifersucht, seinen wahnwitzigen Zorn. Vor Sauls Verfolgung flüchtet David in die Wüste, vertraut sich dem Schutz des Propheten an, bewaffnet seine Anhänger, paktiert mit dem Philisterkönig Moab. Der alternde, an seinem Glück verzweifelnde Saul sucht im Schatten der Nacht die Hexe von Endor auf; sie beschwört den Geist des toten Samuel herauf, der dem König den Tod prophezeit. Im entscheidenden Kampf Israels gegen die Philister auf dem Berg Gilboa fällt Sauls Sohn. Aus Schmerz über den Verlust wie über die Niederlage seines Volkes stürzt sich der König selbst ins Schwert. Mit dem Triumphmarsch der Philister und der Klage der Israeliten über ihren toten König klingt dieser erste Teil aus.

Der zweite Teil (Das Siegesfest) setzt einen vergleichsweise statischen Kontrapunkt gegen den dramatisch bewegten ersten, zumindest was den Fortgang der Handlung betrifft. Zwei großartig entfaltete und strukturell sehr vielgestaltige Szenen markieren den musikalischen Höhepunkt der gesamten Partitur. Israel feiert seinen neuen König David mit Dankopfer, Huldigungsprozession und Freudenfest, das im Tanz vor der Bundeslade orgiastisch kulminiert. Ein Engel verkündet dem König und seinem Volk den künftigen Tempelbau (durch Davids Nachfolger Salomon) und den ewigen Bestand des auserwählten Geschlechts.

Der dritte Teil des Oratoriums (David, der König und Prophet) verknüpft wiederum eine Fülle biblischer Handlungsstränge, die aber eher in fragmentarischen Episoden, in episch lockerer Reihung vorgestellt werden. Den Schwerpunkt des Geschehens, der alles Folgende motiviert, bildet zunächst Davids Schuldverstrickung durch den Ehebruch mit Urias Weib Bathseba und die Ermordung Urias, der den Zorn Jehovas erregt und das Königshaus in Trauer stürzt. Das gemeinsame Kind Davids und Bathsebas stirbt, und wiewohl der König sein Unrecht erkennt und Buße tut, wird er von Gottes Strafe weiter verfolgt. Davids Lieblingssohn Absalom erhebt sich gegen den Vater und fällt in der Entscheidungsschlacht im Walde von Ephraim. Der Triumph des siegreichen Heeres wird gedämpft durch die Trauer des Königs um seinen Sohn. Doch Davids Stolz ist ungebrochen und fordert erneut den Zorn Gottes heraus, der als Strafe den Todesengel der Pest nach Jerusalem schickt. Die Bitte um Erbarmen und Rettung und das Gelöbnis des Tempelbaus stimmen Jehova gnädig, so dass er die Plage von Israel nimmt. David fühlt sein Ende nahen und lässt seinen Sohn Salomon zum Nachfolger krönen. Der Dank des Sterbenden für ein reiches und erfülltes Leben verbindet sich im Finale mit der Engelsvision des kommenden Messias und dem Hallelujah-Jubel des Volkes.

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