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Catalani – La Wally (Oper konzertant)

Sonntag, 03.04.2022
München, Prinzregententheater, 19 Uhr

Aktuelle Hygieneregeln in den Konzerten

70 Jahre Münchner Rundfunkorchester

Jubiläumskonzert

4. Sonntagskonzert

des Münchner Rundfunkorchesters
Konzerteinführung um 18 Uhr

Alfredo Catalani
La Wally

Dramma lirico in vier Akten
Libretto von Luigi Illica nach dem Roman „Die Geier-Wally“ von Wilhelmine von Hillern
Konzertante Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln (Übertitel-Inspizienz: Urte Regler)

Pause nach dem II. Akt

Carmen Giannattasio Sopran
Mane Galoyan Sopran
Corinna Scheurle Mezzosopran
Carlo Ventre Tenor
Juan Jesús Rodríguez Bariton
Milan Siljanov Bassbariton
Ante Jerkunica Bass

Chor des Bayerischen Rundfunks

Stellario Fagone Einstudierung

Münchner Rundfunkorchester

Graeme Jenkins

Leitung

Ivan Repušić musste seine Mitwirkung aus gesundheitlichen Gründen leider absagen. Dankenswerterweise hat sich Graeme Jenkins kurzfristig bereit erklärt, die musikalische Leitung des Konzerts zu übernehmen.

INHALT La Wally

Im Ötztal in Tirol, um 1800.

I. Akt

Das Bergdorf Hochstoff, im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des Murzolls.

Der reiche Grundbesitzer Stromminger feiert seinen 70. Geburtstag mit Gesang, Tanz und einem Wettschießen. Es gewinnt Vincenzo Gellner.

Der Zitherspieler Walter singt ein Lied, das er zusammen mit Strommingers Tochter Wally verfasst hat, das Lied vom Edelweiß („Un dì, verso il Murzoll“). Es handelt von einem Mädchen, das in einer Lawine umkommt und in den Bergen als Edelweiß weiterlebt.

Aus dem Nachbarort Sölden kommt eine Gruppe von Jägern, unter ihnen Giuseppe Hagenbach, der stolz davon erzählt, wie er einen Bären getötet hat („Su per l’erto sentier“).

Stromminger macht sich über Hagenbach, dessen verstorbener Vater sein Todfeind war, lustig, und es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern. Hagenbach geht auf Stromminger los. Plötzlich tritt Wally auf und beendet den Streit.

Gellner, der in Wally verliebt ist, verrät Stromminger, dass diese heimlich Hagenbach liebt. Daraufhin bestimmt Stromminger, dass Wally Gellner heiraten soll. Wally weist Gellner jedoch ab und widersetzt sich auch ihrem Vater. Dieser verstößt daraufhin seine Tochter. Wally beschließt, begleitet von Walter in die Berge zu ziehen („Ebben? Ne andrò lontana“).

II. Akt

Dorfplatz von Sölden, ein Jahr später.

Auf dem Fronleichnamsfest trinkt und diskutiert der „Pedone di Schnals“, der Wanderer aus Schnals, mit den Dorfleuten. Sie machen sich über Wallys spröde und herrische Art lustig.

Nach dem Tod Strommingers ist Wally zur reichsten Frau der Gegend geworden. Sie hofft, Hagenbach auf dem Fest wiederzusehen. Auch Gellner und Walter sind zugegen.

Ein weiteres Mal weist Wally Gellner ab, der immer noch um sie wirbt. Sie behauptet stolz, dass sie noch niemals einen Mann geküsst habe, und wem es gelänge, ihr einen Kuss zu geben, den würde sie heiraten („Finor non m’han baciata“). Gekränkt macht Gellner Wally weis, dass Hagenbach die Söldener Wirtin Afra liebe und heiraten werde.

Die eifersüchtige Wally beleidigt Afra in aller Öffentlichkeit. Hagenbach sieht sich verpflichtet, dies im Namen der Söldener Bevölkerung zu rächen. Er wettet, dass er beim anschließenden Kusstanz, bei dem der Mann die zum Schein sich sträubende Frau bezwingen muss, Wally schließlich ihren ersten Kuss abgewinnen werde.

Beim Tanz gesteht Wally Hagenbach ihre Liebe und schenkt seinen zärtlichen Worten Glauben. Schließlich gibt sie ihm den Kuss. Damit hat er seine Wette gewonnen, Afra ist gerächt und Wally dem Gespött der Leute preisgegeben. Zutiefst verletzt willigt Wally ein, Gellner zu heiraten, jedoch unter der Bedingung, dass er Hagenbach umbringe.

III. Akt

Hochstoff, am selben Abend. Auf einer Seite das Innere von Wallys Haus, auf der anderen die offene Straße mit einem Fluss, weiter hinten eine Brücke über eine Schlucht.

Die Leute kehren vom Fest heim. Begleitet von Walter geht auch Wally nach Hause. Man hört den betrunkenen Wanderer aus Schnals. Er berichtet Gellner, dass Hagenbach nach Hochstoff zu Wally kommen werde. Wally bereut, dass sie Gellner zum Mord an Hagenbach angestiftet hat, kann den geliebten Mann aber nicht mehr warnen („Né mai dunque avrò pace?“).

Hagenbach hat sich beim Tanzen ernsthaft in Wally verliebt, will zu ihr gehen und um Verzeihung bitten. Gellner lauert ihm auf, stürzt ihn in die Schlucht und fordert von Wally, dass sie ihr Versprechen einlöse.

Hagenbach hat den Mordanschlag jedoch überlebt, und man hört seine Hilferufe aus der Schlucht. Wally rettet ihn in einer waghalsigen Aktion. Da sie noch immer glaubt, dass er Afra liebe, überlässt sie ihn ihr und vermacht Afra aus Sühne ihr gesamtes Vermögen.

Wally nimmt endgültig Abschied von der Welt und geht nun ganz alleine in die Berge, wo sie den Rest ihres Lebens in Einsamkeit verbringen will.

IV. Akt

Am Gipfel des Murzolls, im Winter.

Walter ist auf den Berg gestiegen und versucht Wally dazu zu bewegen, ins Tal zurückzukehren. Doch diese schickt ihn weg und will in Schnee und Eis auf den Tod warten („O neve, o figlia candida del cielo“). Von ferne hört man Hagenbach, der Wally schon lange gesucht hat. Er will sich bei ihr nicht nur für die Rettung bedanken, sondern ihr auch sagen, dass er sie liebe („Quando a Sölden provocatrice balda“).

Wally hingegen bekennt ihm, dass sie es war, die den Mordanschlag veranlasst hatte. Hagenbach vergibt ihr und beide versichern sich leidenschaftlich ihrer Liebe. Wally und Hagenbach schmieden Pläne für ein neues Leben und eine gemeinsame Zukunft. Sie beginnen den Abstieg, während sich ein Unwetter zusammenbraut.

Hagenbach wird von einer Lawine mitgerissen und kommt darin um. Wally stürzt sich ihm hinterher und stirbt in den weißen Schneemassen.

WERKEINFÜHRUNG

Psychogramm der Einsamkeit
Alfredo Catalanis „La Wally“ zwischen Realismus und Mythos. von Florian Heurich

Entstehung des Werks: Frühjahr 1889 – Frühjahr 1891. Uraufführung: Januar 1892 am Teatro alla Scala in Mailand. Lebensdaten des Komponisten: *19. Juni 1854 in Lucca (Toskana); † 7. August 1893 in Mailand

Es war Alfredo Catalanis Pech, dass er genau zu einer Zeit des Übergangs lebte und wirkte. Eine alte Komponistengeneration mit Giuseppe Verdi an der Spitze beherrschte nach wie vor die italienische Opernlandschaft, und die jungen Neuerer, allen voran Giacomo Puccini, erarbeiteten sich langsam ihren Platz. Verdi hatte das italienische Melodramma des 19. Jahrhunderts auf einen Höhepunkt geführt und damit neue Türen aufgestoßen, Puccini brachte schließlich den um 1900 aufgekommenen Verismo in veredelter Form auf die Bühne und wurde zur zentralen Figur des frühen 20. Jahrhunderts. Catalani stand dabei exakt in der Mitte. Thematisch griff er in Opern wie Dejanice (1883), Edmea (1886) oder Loreley (1890) vor allem historische oder romantisch-fantastische Stoffe auf, während er sich musikalisch doch sehr modern und bisweilen sogar relativ wenig italienisch zeigte. Verdi soll La Wally sogar einmal „eine deutsche Oper ohne Herz und Inspiration“ genannt haben.

Dass sich Catalani nie richtig neben seinen Zeitgenossen behaupten konnte, lag sicher auch daran, dass sein Verleger Giulio Ricordi vor allem auf Puccini setzte und diesen förderte, Catalani hingegen eher vernachlässigte. „Ich verheimliche nicht, dass mir die Galle aufsteigt, wenn ich sehe, was gerade passiert, und mich erschreckt die Vorstellung, wie meine Zukunft aussehen könnte, jetzt, wo es nur einen einzigen Verleger gibt und dieser Verleger möchte, dass man von niemand anderem als Puccini spricht. Puccini muss der Nachfolger von Verdi werden“, so Catalani.

La Wally entstand zwischen 1889 und 1891 und damit relativ zeitgleich mit Mascagnis Cavalleria rusticana, dem Prototyp der veristischen Oper. Dies mag dazu geführt haben, dass La Wally auch oft mit dem Verismo in Verbindung gebracht wurde. Wegen des Schauplatzes im ländlichen Milieu, der überbordenden Leidenschaften und wegen eines gewissen musikalischen Lokalkolorits zur Charakterisierung des Lebens in den Tiroler Bergen. Vielmehr erscheint La Wally jedoch mit ihrer überhöhten und in ihrer heroischen Größe fast mythisch wirkenden Titelfigur als eine Legende aus einer unbestimmten, archaischen Vergangenheit, ähnlich wie zuvor schon Loreley. Dabei sind die Schauplätze – sowohl die „zivilisierten“ in der Dorfgemeinschaft als auch die „unzivilisierten“ in Schnee und Eis des Hochgebirges – nicht realistische Milieu- oder Naturschilderungen, sondern vor allem ein Spiegel von Wallys innerer Einsamkeit: unter Menschen, wo sie als Außenseiterin gilt, genauso wie in der entlegenen Wildnis. Sogar die berühmteste Arie der Oper („Ebben? Ne andrò lontana“), mit der sie ihren Abschied von der menschlichen Welt besiegelt, ist nicht eigens für La Wally komponiert, sondern Catalani verwendete hier die Melodie eines Klavierliedes aus dem Jahr 1878 wieder, der Chanson groënlandaise auf einen Text von Jules Verne. Und ebenso wenig, wie diese Melodie Grönland charakterisiert, so wenig beschreibt sie die Tiroler Bergwelt. Sie bringt vielmehr einen Seelenzustand zum Ausdruck.

Catalani wurde wie Puccini in Lucca geboren, rund vier Jahre vor diesem am Juni 1854. In der Jugend gab es einige Berührungspunkte: Catalani studierte zunächst am Musikinstitut seiner Heimatstadt, an dem auch Puccini seine erste Ausbildung erhielt; sein Lehrer war Fortunato Magi, ein Onkel Puccinis, der auch seinem Neffen Unterricht gab. Verständlich also, dass Catalani später Puccini immer in gewisser Weise als Rivalen empfand, der die größere Karriere machte. Aber auch Puccini erkannte seinen Landsmann aus Lucca als ebenbürtigen Konkurrenten an und nannte ihn nach dessen Tod einen „großartigen, aber glücklosen Künstler, […] eine bleibende Erinnerung, die sich in die Seele eines jeden Italieners einbrennt, der alles Zarte und Poetische zu schätzen und zu lieben weiß“.

Später ging Catalani für ein Jahr nach Paris, und der Einfluss der französischen Musik hinterließ auch Spuren in seinem Kompositionsstil. Schließlich beendete er seine Studien in Mailand, wo er sich der Scapigliatura anschloss, einer freigeistigen und unangepassten Künstlergruppe rund um den Literaten und Komponisten Arrigo Boito, die eine kulturelle Reform propagierte. Boito war auch der Librettist von Catalanis erster Oper La falce (1875), dies sollte jedoch das einzige gemeinsame Bühnenwerk bleiben. Seinen größten Erfolg erzielte Catalani 1890 mit Loreley, einer Umarbeitung seiner 1880 uraufgeführten Oper Elda, in der er die Loreley-Legende noch vom Rhein an die Ostsee verlegt hatte.

Nachdem Catalani auf Empfehlung Boitos auf den Roman Die Geier-Wally von Wilhelmine von Hillern aus dem Jahr 1873 gestoßen war, konnte er Luigi Illica gewinnen, um daraus ein Libretto zu machen. Diesen musste er jedoch aus eigener Tasche bezahlen, da es keinen konkreten Kompositionsauftrag für die neue Oper gab. Nur eineinhalb Jahre nach der Uraufführung an der Mailänder Scala starb Catalani mit 39 Jahren an Tuberkulose, an der er schon längere Zeit litt. Bereits in früheren Jahren war er mehrfach zur Erholung in die Schweizer Berge gereist. Das Ambiente der Alpen, in dem La Wally spielt, war ihm also bestens vertraut, und selbst wenn er in seiner Oper musikalisches Lokalkolorit nur sehr dezent und gezielt aufblitzen lässt, so war er doch darauf bedacht, dass auf der Bühne eine möglichst realistische Szenerie entworfen wurde. Er fuhr mit dem Bühnen- und Kostümbildner der Uraufführung sogar nach Tirol, um sich inspirieren zu lassen.

Das Sujet passte bestens zur Ästhetik und zu den Themen, die den Mitgliedern der Scapigliatura gemeinsam waren: unmögliche Liebe, ein Hang zur Selbstzerstörung, ein mythisch verklärtes Zentral- oder Nordeuropa und Letzteres auch auf musikalischer Seite durch eine Hinwendung zur deutschen Musiktradition, insbesondere zu Wagner. So finden sich in La Wally mit Ausnahme von Orchestervorspielen oder Bühnenliedern, wie etwa dem vom Zitherspieler Walter gesungenen Lied vom Edelweiß im I. Akt, kaum mehr geschlossene Formen. In der Musik wechseln sich rezitativische und ariose Passagen ab, wobei Gesangsstimme und Orchester gleichberechtigte Partner sind. Das Lied vom Edelweiß ist auch einer der wenigen Momente, in denen Catalani die Atmosphäre Tirols heraufbeschwört. Pizzicati der Streicher imitieren die Zither, und Walters Gesang erinnert an einen Jodler, wenn auch in höchst stilisierter Form. Wenig später wird das Herannahen der Jäger musikalisch illustriert, danach präsentiert sich Hagenbach mit seiner Erzählung, wie er einen Bären geschossen hat. Es ist keine Auftrittsarie im herkömmlichen Sinn, sondern ein eher rezitativisches Arioso. Der weitaus spektakulärere Auftritt gehört der Titelfigur. Das Orchester kündigt das Erscheinen Wallys mit einem Allegro vivo aus schnellen absteigenden Skalen an; fast wie eine Naturgewalt betritt sie die Szene und bringt mit ihren strengen und aufgebrachten ersten Worten den vorangegangenen Streit zwischen Hagenbach und ihrem Vater Stromminger zum Erliegen. Wally hat damit einen ähnlich effektvollen Auftritt, wie ihn später Minnie in Puccinis La fanciulla del West haben wird.

Gerade im I. Akt zeigt sich Catalani besonders modern in seiner Klangsprache und im musikdramatischen Aufbau. Nachdem Schauplatz, Gesellschaft und die Protagonisten vorgestellt worden sind, leitet ein kurzes Orchesterzwischenspiel in den Teil des Aktes über, in dem es um die zwischenmenschlichen Konflikte geht: Wallys Liebe zu Hagenbach, die Eifersucht Gellners, die väterliche Autorität Strommingers und schließlich Wallys Einsamkeit und innere Stärke, die in ihrer Arie „Ebben? Ne andrò lontana“ zum Ausdruck kommen.

Im II. Akt steuert alles auf den finalen „Kusstanz“ zu. Catalani war eigens dafür ins Ötztal gereist, um die dortigen Traditionen und lokalen Tänze zu studieren. Aber auch dieser Tanz im Stil eines Ländlers ist ein Beispiel dafür, wie Catalani sich zwar von der Realität inspirieren ließ, diese aber überhöht und zu einer Kunstwelt macht, zumal der Brauch, beim Tanzen der sich sträubenden Partnerin einen Kuss abzugewinnen, eine Erfindung des Librettisten Illica ist. Im Ötztal gibt es einen solchen Brauch nämlich nicht. Kurz zuvor hat Wally in einem emphatischen Arioso eingestanden, dass sie noch niemals geküsst wurde („Finor non m’han baciata“), und am Ende des Aktes wird sie genau durch ihren ersten Kuss zum Gespött der anderen. Damit sind ihre Rachegelüste geweckt und die Katastrophe ist besiegelt.

Der III. Akt beginnt mit einem Orchestervorspiel, das den Titel A sera (Am Abend) trägt und schildert, wie die Leute vom Fest heimkehren und auch Wally zusammen mit Walter aufgewühlt in ihr Haus zurückkommt. Dieses Stück hatte Catalani zuvor für Klavier und in einer Bearbeitung für Streichquartett komponiert und dann in seine Oper übernommen. Der ferne Gesang des „Pedone di Schnals“, des Wanderers aus Schnals, der bereits im II. Akt als eine Art mythisch warnende Figur aufgetreten ist, bildet hier den Kontrast zu Wallys Seelenzustand. Dieser kommt ein weiteres Mal in ihrer Arie „Né mai dunque avrò pace?“ („Ach, nimmer findet Frieden meine Seele“) zum Ausdruck. Überhaupt stehen in diesem Akt auf raffinierte Art und Weise das Innere von Wallys Haus und das Äußere der Straße mit Brücke und Bach, wo sich der Mordanschlag auf Hagenbach abspielt, gegenüber. Schließlich symbolisiert die Melodie von „Ebben? Ne andrò lontana“ Wallys endgültigen Abschied von der Welt.

Eine Atmosphäre der absoluten Trostlosigkeit und Einsamkeit beherrscht den IV. Akt. Wally, die schon immer eine nach Freiheit strebende Außenseiterin war, hat die Zivilisation verlassen, und in Schnee und Eis ist nun selbst die Natur tot. „Die Szene, die sie umgab, glich in dem traurigen und bleichen Dezember einem Friedhof, mit Schneehügeln bedeckt, mit Laub, das bizarr aus Eis zu Kreuzen geformt worden war“, so beschreibt Wilhelmine von Hillern diese Szenerie in der Geier-Wally. Im finalen Duett mit Hagenbach blitzen kurze, utopische Hoffnungsschimmer in die feindliche Natur, und nachdem diese den Geliebten dahingerafft hat, bäumt sich Wally ein letztes Mal auf und folgt ihm in den Tod. Gleichzeitig wird sie, die selbst mehr archaische Naturgewalt als reale Frau ist, eins mit der Natur. „Aprimi le tue braccia“ („Breite deine Arme für mich aus“) sind ihre finalen Worte, und es ist nicht ganz klar, ob sie damit den Geliebten oder doch den Schnee meint, in den sie sich stürzt und den sie ihr „candido destino“, ihr „weißgewandetes Schicksal“ nennt.

Trotz der realistischen Schauplätze und Situationen, die bisweilen sogar durch Anklänge an die Tiroler Volksmusik illustriert werden, bleibt La Wally bis zum Schluss eine Oper, in der der Realismus mythisch überhöht wird. Ein Bindeglied zwischen dem Melodramma des 19. Jahrhunderts und der italienischen Moderne.

INTERPRETEN

Der englische Dirigent Graeme Jenkins verfügt über eine immense Erfahrung im Bereich der Oper, leitete er doch über 110 Werke verschiedenster Stilrichtungen. Er war Music Director der Dallas Opera (1994–2013) und betreute dabei auch deren Umzug in das von Norman Foster entworfene neue Gebäude. Neben Wagners Ring präsentierte er in Dallas die ganze Palette des Musiktheaters, darunter Händels Ariodante sowie Die Zauberflöte, Lucia di Lammermoor, Boris Godunow, Jenůfa und Wozzeck. Graeme Jenkins fungierte als Musikalischer Leiter der Glyndebourne Touring Opera und Erster Gastdirigent der Oper Köln. An der Wiener Staatsoper errang er nach Brittens Billy Budd viele weitere Erfolge, zuletzt mit Otello, Madama Butterfly und Janáčeks Katja Kabanova. Auch an zahlreichen anderen wichtigen Häusern trat er auf – von Paris und London (Covent Garden) bis nach Australien und Kanada. In Lissabon stand er als gern gesehener Gast jüngst mit Tschaikowskys Iolanta am Pult.

Carmen Giannattasio Wally
Nach der Ausbildung am Konservatorium ihrer Geburtsstadt Avellino nahe Neapel war die Sopranistin Carmen Giannattasio Mitglied im Opernstudio der Mailänder Scala. Zu ihren frühen Erfolgen zählen der Gewinn des Operalia-Wettbewerbs 2002 in Paris und das Engagement als Desdemona (Otello) in Los Angeles. Seither folgten Auftritte am Royal Opera House Covent Garden in London und an der New Yorker „Met“ sowie u. a. in Berlin, München, Paris, Mailand, Madrid, Moskau und San Francisco. 2021 war Carmen Giannattasio in Palermo per Stream in der szenisch-musikalischen Collage Traumdämmerung zu erleben. Auftritte als Tosca in Sydney und an der Wiener Staatsoper sowie als Alice Ford (Falstaff) in Aix-en-Provence und Lyon schlossen sich an. Zu ihrem Repertoire gehören z. B. auch die Rollen Donna Elvira (Don Giovanni), Mimì (La bohème), Aida und Norma. Carmen Giannattasio trägt den Titel Cavaliere dell’ordine della stella des italienischen Staates.

Mané Galoyan Walter
Als Ensemblemitglied an der Deutschen Oper Berlin ist Mané Galoyan in dieser Saison mit Rollen wie Pamina (Die Zauberflöte), Violetta (La traviata), Corinna (Rossini, Il viaggio a Reims) und Blumenmädchen (Parsifal) betraut. Aus Armenien stammend und am Konservatorium in Jerewan ausgebildet, erhielt die Sopranistin zahlreiche Auszeichnungen. So gewann sie 2021 beim Operalia-Wettbewerb in Moskau den Zweiten Preis, einen Sonderpreis für spanische Zarzuela und einen Publikumspreis. Direkt danach wurde sie in Amsterdam als Violetta gefeiert, und für diese Partie hat sie auch schon eine Einladung der Seattle Opera. Großen Eindruck machte Mané Galoyan im vergangenen Sommer beim Glyndebourne Festival als Luisa Miller in Verdis gleichnamigem Werk. Hervorgehoben sei überdies ihre Interpretation der Adina in Donizettis L’elisir d’amore in Houston (USA), wo sie dem Opernstudio angehörte, sowie an der Opéra national in Paris und am Opernhaus Zürich.

Corinna Scheurle Afra
Seit Beginn dieser Saison ist Corinna Scheurle, Mezzosopranistin mit deutsch-ungarischen Wurzeln, Ensemblemitglied am Staatstheater Nürnberg. Dort stand sie bereits als Mercédès sowie mit der Titelpartie in Carmen auf der Bühne und wird sich demnächst als Octavian (Der Rosenkavalier) präsentieren. Ausgebildet an der Universität der Künste in Berlin und an der Theaterakademie August Everding in München, perfektionierte Corinna Scheurle ihr Können am Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und wechselte dann für zwei Spielzeiten an die Bayerische Staatsoper. Gastspiele führten sie z. B. als Marcellina (Le nozze di Figaro) zu den Bregenzer Festspielen und als Zweite Dame (Die Zauberflöte) nach Baden-Baden; außerdem sang sie in Berlin den Cherubino in Le nozze di Figaro unter Daniel Barenboim und die Dryade in Ariadne auf Naxos. Liederabende gab die Künstlerin z. B. im Vorarlberg Museum in Bregenz oder im Mendelssohn-Haus Leipzig.

Carlo Ventre Hagenbach
Sein Talent bewies Carlo Ventre, der in Montevideo (Uruguay) geboren und dort an der Escuela nacional de arte lírico ausgebildet wurde, schon beim Francisco-Viñas-Wettbewerb in Barcelona und bei der Pavarotti Voice Competition in Philadelphia. Unter der Leitung von Riccardo Muti debütierte er als Herzog (Rigoletto) an der Mailänder Scala. Schnell startete dann seine internationale Karriere, die ihn an die renommiertesten Stätten führte – von der Wiener Staatsoper über Covent Garden in London bis zum Teatro Colón in Buenos Aires oder der Dallas Opera. So interpretierte der Tenor Radamès (Aida) u. a. in Berlin und San Francisco, Cavaradossi (Tosca) in Hamburg, Paris und der Arena di Verona sowie die Titelpartie aus Otello in Frankfurt und Tokio. In jüngerer Zeit gab Carlo Ventre z. B. in Palermo Manrico (Il trovatore), Des Grieux (Manon Lescaut), Canio (Pagliacci) und Calaf (Turandot). Diesen Sommer übernimmt er in Budapest wieder die Titelrolle aus Andrea Chénier.

Juan Jesús Rodríguez Gellner
Von seiner Heimat Andalusien über das Studium in Madrid führte der Weg für Juan Jesús Rodríguez an die Bühnen der Welt, darunter die New Yorker „Met“ oder die Häuser in Hamburg, Barcelona, Neapel, Tel Aviv, Los Angeles und Peking. Dabei übernimmt der Bariton z. B. die Titelpartien in Simone Boccanegra, Macbeth und Nabucco oder auch die Partien Enrico (Lucia di Lammermoor), Graf Luna (Il trovatore), Germont (La traviata), Iago (Otello), Marcello (La bohème) und Tonio (Pagliacci). Zuletzt begeisterte er u. a. mit Un ballo in maschera in Oviedo, als Rigoletto in Luxemburg, Bregenz und Málaga sowie als Rodrigo (Don Carlo) in Madrid. Aktuelle Engagements erwarten ihn für Verdis Alzira in Bilbao und Giordanos Andrea Chénier an der Deutschen Oper Berlin. Neben den klassischen Opernwerken beherrscht Juan Jesús Rodríguez auch das Genre der spanischen Zarzuela. Er arbeitete mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Marco Armiliato und Jesús López Cobos zusammen.

Milan Siljanov Wanderer aus Schnals
Der Schweizer Bassbariton Milan Siljanov errang Preise z. B. beim Internationalen Gesangswettbewerb in s’-Hertogenbosch und beim ARD-Musikwettbewerb. Nach dem Studium in Zürich und an der Guildhall School of Music and Drama in London wurde er ins Opernstudio und 2018 ins Ensemble der Bayerischen Staatsoper aufgenommen. Hier verkörperte er Figuren wie Leporello (Don Giovanni), Kilian (Der Freischütz), Dulcamara (L’elisir d’amore), Schaunard (La bohème), Nachtwächter (Die Meistersinger von Nürnberg), Donner (Das Rheingold) und Besenbinder (Hänsel und Gretel). Des Weiteren sang Milan Siljanov etwa in Haydns Nelsonmesse mit der Staatskapelle Dresden, in Puccinis Messa di gloria mit dem MDR-Sinfonieorchester und in Beethovens „Neunter“ mit dem Symphonieorchester von Bilbao. Liederabende gab Milan Siljanov u. a. bei der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart, beim Oxford Lieder Festival und in der Londoner Wigmore Hall.

Ante Jerkunica Stromminger
Der gebürtige Kroate Ante Jerkunica war bis 2018 Ensemblemitglied an der Deutschen Oper Berlin, der er auch weiterhin verbunden bleibt. So konnte der Bassist dort u. a. als Sarastro (Die Zauberflöte), Sparafucile (Rigoletto), Gremin (Evgenij Onegin) und Marcel (Les huguenots) sowie mit den Wagner-Partien Fafner, Daland, Landgraf und König Marke faszinieren. Überdies gastierte Ante Jerkunica z. B. an den Staatsopern in Hamburg, Berlin und München, bei den Salzburger Festspielen, in Amsterdam, Paris und Madrid sowie am Teatro Colón in Buenos Aires. Eine enger Bezug ergab sich zur Vlaamse Opera und zum Théâtre de la Monnaie in Brüssel. 2017 war der Sänger mit Verdis Luisa Miller beim Münchner Rundfunkorchester zu erleben und gab sein US-Debüt als Sarastro in Seattle. 2020 verkörperte Ante Jerkunica in Straßburg erstmals den Gurnemanz (Parsifal). Seine Pläne umfassen nicht zuletzt Auftritte am Opernhaus Zürich und an der New Yorker „Met“.

Münchner Rundfunkorchester

 

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