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Arvo Pärt – Miserere

Zum 85. Geburtstag von Arvo Pärt im September 2020 und zum 75-jährigen Bestehen des BR-Chores im Mai 2021 erscheint eine CD mit Chor- und Instrumentalwerken des estnischen Komponisten. Mit dem BR-Chor, dem Münchner Rundfunkorchester und dem oenm unter der Leitung von Howard Arman. Zentrales Werk der Einspielung ist Pärts selten zu hörendes Miserere von 1989.

Ausgezeichnet als "excepcional" beim spanischen Magazin Scherzo, 4/2021

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Arvo Pärt – Miserere

01 Which Was the Son of … für Chor a cappella
02 Festina lente für Streichorchester und Harfe
03 Tribute to Caesar für Chor a cappella
04 Sequentia für Violine, Schlagwerk und Streichorchester
05 The Deer’s Cry für Chor a cappella
06–26 Miserere für Soli, gemischten Chor, Ensemble und Orgel
27 Ja ma kuulsin hääle … (And I Heard a Voice …) für Chor a cappella

Uta Jungwirth | Harfe
Stanko Madić | Violine
Alexander Fickel | Percussion
Anna-Maria Palii | Sopran
Benno Schachtner | Altus
Andrew Lepri Meyer | Tenor
Moon Yung Oh | Tenor
Thomas Hamberger | Bass

Chor des Bayerischen Rundfunks
Münchner Rundfunkorchester
oenm . oesterreichisches ensemble fuer neue musik

Howard Arman Leitung

CD, BR-KLASSIK 900527 (Dauer: 71:38)

Werk-Einführungen
Which Was the Son of …

für Chor a cappella

Entstehung: im Jahr 2000 vollendet als Auftragskomposition für Reykjavík, Europäische Kulturhauptstadt 2000.

Text: Passage aus dem Lukas-Evangelium, in dem die Abkunft Jesus’ von Adam und Gott in einer langen Folge von Namen geschildert wird. Eine Parallele dazu besteht in der isländischen Tradition der Namensgebung, bei denen der Vorname des Vaters in den Nachnamen des Sohnes bzw. der Tochter einfließt: Thoergerdur Ingólfsdóttir bedeutet Thoergerdur, die Tochter von Ingólf.

Widmung: Thoergerdur Ingólfsdóttir

Uraufführung: am 26. August 2000 in der Hallgrímskirkja in Reykjavík (Island) beim Festival Voices of Europe durch den Youth Choir Raddir Evrópu (Voices of Europe) unter der Leitung der Widmungsträgerin.


Festina lente

Für Streichorchester und Harfe

Entstehung: 1986. Der lateinische Titel bedeutet „Eile langsam“ und ist dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben. Er verweist auch auf den Aufbau des Stücks in der Art eines Proportionskanons: Die Melodie ist in den drei Instrumentengruppen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten gleichzeitig zu vernehmen. Der Musikologe Leopold Brauneis bemerkte dazu, dass „die schnellste Stimme immer zur selben Zeit wie ihre eigene, ausgedehnte, Vergangenheit“ erklinge.

Widmung: Manfred Eicher, Gründer und Leiter des Plattenlabels ECM

Uraufführung: am 17. November 1986 in Paris vom Music Projects London Orchestra unter der Leitung von Richard Bernas.


Tribute to Caesar

für Chor a cappella

Entstehung: 1997 komponiert zum 350-jährigen Bestehen des evangelisch-lutherischen Bistums Karlstad (Schweden). Pärt hat die Szene mit Jesus und den Pharisäern, die über das Zahlen von Abgaben an weltliche Herrscher diskutieren, im Tintinnabuli-Stil als vierstimmigen A-cappella-Satz gestaltet.

Text: Matthäus-Evangelium in englischer Sprache. Wie in der kirchlichen Tradition der Evangelien- und Passionsrezitation werden die Jesus-Worte von einer tiefen Stimme vorgetragen.

Uraufführung: am 18. Oktober 1997 im Dom zu Karlstad mit dem Vokalensemble Erik Westberg.


Sequentia

für Violine, Schlagwerk und Streichorchester

Entstehung: Sequentia beruht auf musikalischem Material aus der Orchesterkomposition La Sindone von 2006, das Pärt 2014 zum eigenständigen Werk für Schlagzeug und Streichorchester als Teil des Theaterprojekts Adam’s Passion von Robert Wilson umgearbeitet hat. Dem Projekt gehört neben Sequentia auch Miserere, Adam’s Lament und Tabula rasa an. Die Idee zur Zusammenarbeit entstand, nachdem sich Pärt und Wilson 2009 anlässlich einer Papst-Audienz kennengelernt hatten. „Robert Wilson hat ein absolutes Wunder vollbracht“, äußerte Pärt über Adam’s Passion, während sich Wilson bei Pärts Musik vor allem vom „Raum ungeheurer Freiheit“ begeistert zeigt. 2019 wurde Sequentia von Pärt erneut umgearbeitet und um eine Solovioline erweitert.

Widmung: Robert Wilson, Vadim Repin und Andres Mustonen

Uraufführung: im Rahmen von Adam’s Passion am 12. Mai 2015 in der Gießerei-Halle des Noblessner-Quartiers in Tallinn mit dem Tallinn Chamber Orchestra unter der Leitung von Tõnu Kaljuste. Die Uraufführung der Fassung mit Solovioline war für März 2020 mit dem Geiger Vadim Repin (Dirigent: Andres Mustonen) geplant und musste coronabedingt verschoben werden.


The Deer’s Cry

für Chor a cappella

Entstehung: 2007 im Auftrag der in Irland ansässigen Louth Contemporary Music Society.

Text: Die Lorica ist ein Segens- oder Schutzgebet aus vorchristlicher Tradition. Der Begriff (lat. Panzer, Brustpanzer) verweist darauf, dass das Gebet wie ein Panzer vor Unheil schützen soll. Die bekannteste Lorica stammt vom hl. Patrick, dem Schutzpatron der Iren. Pärt hat die für irische Segenssprüche typischen Christus-Beschwörungen der Lorica ins Zentrum seiner Komposition gerückt.

Uraufführung: am 13. Februar 2008 in der St. Peter’s Church in Louth (Irland) mit dem Lettischen Staatschor unter der Leitung von Fergus Sheil.


Miserere

für Soli, gemischten Chor, Ensemble und Orgel

Instrumentalbesetzung: Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Fagott, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Orgel, E-Gitarre, E-Bass

Entstehung: 1989 als Auftragswerk des Festival d’été de Seine-Maritime, Rouen.

Text: Vierter Bußpsalm (Psalm 51 „Sei mir gnädig, Herr …“) kombiniert mit der „Dies-irae“-Sequenz aus der Totenmesse. Pärt äußerte über das Miserere, es sei „so gebaut, dass es für jedes Wort einen einzelnen Atemzug benötigt, als ob man nach dem Aussprechen des Wortes Kraft sammeln müsste, um das nächste hervorzubringen“. Dabei stellte er sich „einen Übeltäter vor, der vor Gericht steht, auf das Urteil wartet und eine letzte Möglichkeit hat, sich zu verteidigen. Es ist nicht viel Zeit für sein letztes Plädoyer, und er muss seine Worte mit größtem Bedacht wählen, weil sein Schicksal von ihnen abhängt. Jedes Wort ist wie ein kleines Gewicht, mit dem er die Balance der Waagschalen wiederherstellen möchte.“

Widmung: Paul Hillier und dem Hilliard Ensemble

Uraufführung: am 17. Juni 1989 in Saint-Georges de Boscherville bei Rouen mit dem Hilliard Ensemble, dem Western Wind Choir und einem Instrumentalensemble unter der Leitung von Paul Hillier.


Ja ma kuulsin hääle … (And I Heard a Voice …)

für Chor a cappella

Entstehung: 2017 als Auftragswerk des Centro Nacional de Difusión Musical in Madrid anlässlich des 800-jährigen Gründungsjubiläums der Universität Salamanca im Jahr 2018.

Widmung: dem Andenken an Erzbischof Konrad Reinhold Veem.

Text: Veems Witwe teilte in einem Brief an Pärt den Tod des Freundes mit und fügte dem Schreiben Verse aus der Johannes-Offenbarung in einer estnischen Übersetzung bei, die Pärt diesem kurzen Vokalsatz zugrunde legte.

Uraufführung: am 18. Februar 2018 in der Capilla del Colegio Fonseca, Salamanca (Spanien) durch Ars Nova Copenhagen unter der Leitung von Paul Hillier. Deutsche Erstaufführung durch den Chor des Bayerischen Rundfunks am 2. März 2019 im Münchner Prinzregententheater unter der Leitung von Howard Arman.

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