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Vineta – versunkene Stadt

Ein multimediales Musikfilm-Projekt verbindet Chorgesang mit außergewöhnlichen Bilderwelten und geht neue Wege der Visualisierungen

Idee, Details und technische Hintergründe der Filmproduktion mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks

Ausgangspunkt war ein Konzert am 3. Oktober 2009 im Münchner Prinzregententheater. Damals holte der Chor des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Peter Dijkstra die Ostsee nach München. Mit Werken von Brahms, Schnittke, Martin, Esenvalds und Mäntyjärvi besang der Chor die düsteren Seiten des Meeres.

Das Konzertprogramm, das im Kern um Vineta kreiste, jene sagenumwobene, versunkene Stadt an der Ostsee, inspirierte Jürgen Seeger (damaliger Leiter der Redaktion Musik und Theater) und Susanne Vongries (Managerin des Chores) zu einem gemeinsamen Experiment.

Zusammen mit dem Musikdesigner und Filmautor Clemens Prokop fanden sie eine neue Form, klassische und zeitgenössische Musik im Fernsehen zu präsentieren.

 

Bei der Aufzeichnung von „Vineta – versunkene Stadt“ im Fernsehstudio in Unterföhring sang der Chor zum ersten Mal in seiner Geschichte Play-back – selbstverständlich zu den eigenen Aufnahmen. Sie entstanden im Sommer 2011 im Herkulessaal. Nicht nur das Bewegen der Lippen zu der Musik vom Band war neu für die 40 Sängerinnen und Sänger, sondern auch die weißen Kostüme, die die Fantasie beflügelten.

„Die Kombination von unserer Musik mit den Bildern finde ich wirklich fantastisch, weil sie eine neue Tiefe in die Stücke bringt und eine neue Schicht hinzufügt. Und die Bilder, die man sieht, die sind wirklich sehr ergreifend.“ (Peter Dijkstra)

Die Projektionen, eingerichtet von Lichtdesigner Karl-Heinz Pauli, integrieren den weiß gekleideten Chor in die Bildwelten von Clemens Prokop, der mit seiner Kamera um die Welt reiste, um Bilder von Untergang, Naturkatastrophen und menschlichen Tragödien einzufangen. Fündig wurde er in Pompeji, in Angkor Wat, im japanischen Sendai, auf der japanischen Geisterinsel Hashima und in der verlassenen Diamentengräberstadt Kolmanskop in Namibia, die langsam im Wüstensand verschwindet.

„Uns war wichtig, einen ästhetischen Rahmen zu finden, der der Musik angemessen ist. Wir wollten keine Nachrichtenwelt liefern, sondern an einer neuen Welt arbeiten.“ (Clemens Prokop)

Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte von Vineta durch den Musikfilm. Erzählt wird sie von Schauspieler Udo Wachtveitl. Der Sage nach lebten die Bürger der durch Handel reich gewordenen Stadt in Saus und Braus. Sämtliche Warnungen schlugen sie in den Wind und mussten ihr Treiben am Ende mit dem Leben bezahlen als eine Sturmflut Vineta verschluckte.

 

Vineta_Bayerisches Fernsehen_BRchor (c) Fleckenstein

Sind Katastrophen, ausgelöst durch Erdbeben, Tsunamis oder andere Naturgewalten, Warnungen an die Menschen? Der Film kann auf diese Frage keine Antwort geben. Dennoch ist er eine 45-minütige musikalische Meditation über das Leben, die Bedrohung und Endlichkeit des Lebens und die Verantwortung, die wir für das Leben haben. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf ging Clemens Prokop auf Reisen. Die Bilder, die er mitbrachte, bilden zusammen mit der Musik ein Gesamtkunstwerk, eine Art filmisches Requiem.

Auch technisch geht der BR mit „Vineta“ neue Wege. Die Musik wurde in Surround-Sound 5.1. aufgenommen, gedreht wurde mit zwei digitalen Kameras der Münchner Firma Arri. Die „Alexa“, so heißt das Modell, tritt in der Filmwelt ihren Siegeszug an und ist längst in Hollywood angekommen: Vier Filme, die 2012 für den Oscar nominiert waren, wurden mit dieser Kamera gedreht.

 

 

Produktionsdaten:

Drehzeit: 21. bis  23. Oktober 2011
Drehort: BR-Studio 3, Unterföhring
Darsteller: Chor des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Peter Dijkstra
Sprecher: Udo Wachtveitl
Idee und Buch: Jürgen Seeger, Clemens Prokop
Musikalisches Konzept: Peter Dijkstra, Susanne Vongries
Visualisierung: Nick und Clemens Prokop
Regie: Elisabeth Malzer
Kamera: Dieter Nothhaft, Moritz Kipphardt
Ton: Bernhard Albrecht, Peter Urban
Lichtdesign: Karl-Heinz Pauli
Schnitt: Inge Copp
Redaktion: Jürgen Seeger, Laszlo Molnar

2011_Vineta_BFS_BRchor (c) Klaus Fleckenstein