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Requiem für Mozart | KONZERTVIDEO

Samstag, 17.01.2015
München, Herkulessaal der Residenz

Mozarts Requiem gilt als berühmtester Torso der Musikgeschichte. Zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen führte der BR-Chor das Werk auf, und zwar unvollendet – so wie Mozart es hinterlassen hat. Außerdem auf dem Programm: Werke von Purcell bis Ligeti. Es dirigierte Peter Dijkstra.

Konzertmitschnitt | 17. Januar 2015 | 01:32:51

 

Henry Purcell: „Funeral Music of Queen Mary“
Erster Satz aus der Trauermusik, L 860. Marsch

Wolfgang Amadeus Mozart

Requiem für Soli, Chor, Orchester und Orgel d-Moll, KV 626

Introitus: Requiem aeternam
Kyrie eleison
Sequenz: Dies irae

Joseph Haydn: „Il terremoto“, Schlusssatz aus: »Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze«, Hob. XX/1:A. Presto e con tutta la forza

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Sequenz: Tuba mirum
Sequenz: Rex tremendae

Jean-Féry Rebel: Le cahos, erster Satz aus: „Les élémens. Symphonie nouvelle“. Très lent

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Sequenz: Recordare
Sequenz: Confutatis

Johann Sebastian Bach: „Ich habe genug“, Aria (Nr. 1) aus der gleichnamigen Kantate für Bass, Orchester und Basso continuo, BWV 82

Johannes Brahms: „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?“, erster Satz aus der gleichnamigen Motette für Chor a cappella, op. 74 Nr. 1. Langsam und ausdrucksvoll

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Sequenz: Lacrimosa (Fragment)

Giovanni Battista Pergolesi: „Stabat mater“, Erster Satz aus der gleichnamigen Sequenz-Vertonung für Soli, Streicher und Basso continuo. Duetto. Grave

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Offertorium: Domine Jesu
Offertorium: Hostias

Henry Purcell, „When I Am Laid in Earth“, Lamento der Dido aus „Dido and Aeneas“ für Chor, Streicher und Basso continuo, Z 626. Larghetto

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Amen (Fragment)

Henry Purcell, „Funeral Music of Queen Mary“, Ausschnitte aus der Trauermusik, Z 860. Nr. 4: „In the Midst of Life“, Nr. 1: Marsch

György Ligeti, „Lux aeterna“ für 16-stimmigen gemischten Chor a cappella. Sostenuto, molto calmo, „wie aus der Ferne“

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Sequenz: Lacrimosa (vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr)


Christina Landshamer | Sopran
Anke Vondung | Mezzosopran
Julian Prégardien | Tenor
Konstantin Wolff | Bassbariton
Markus Fein | Konzertdramaturgie

Chor des Bayerischen Rundfunks
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Peter Dijkstra


 

Requiem für Mozart

Wolfgang Amadés unvollendetes Meisterwerk in neuem Licht. Von Markus Fein

Mozarts mythenumwobenes Requiem ist wohl der berühmteste Torso der Musikgeschichte. Mozart starb – wie hinlänglich bekannt – während der Komposition. Wie ist mit dieser Entstehungsgeschichte umzugehen? Wer heute einer Aufführung von Mozarts Requiem beiwohnt, der hört meist das von Mozarts Schülern ergänzte und vervollständigte Werk; ganze Sätze stammen nicht von Mozart, sondern von Franz Xaver Süßmayr (1766–1803). Vieles spricht für diese Lösung, denn Mozarts Schülern, allen voran Süßmayr, gelang eine überzeugende Instrumentierung und eine einfühlsame Ergänzung. Requiem für Mozart schlägt gleichwohl einen anderen Weg ein. Es will sich nicht den Spekulationen anschließen, wie das Requiem wohl als Ganzes geklungen haben mag, wenn Mozart genügend Lebenszeit zur Vollendung gehabt hätte. Anders als in den bisherigen Aufführungen, wird hier nicht versucht, die fehlenden Noten zu ergänzen – weder mit den historischen „Vertuschungsversuchen“ der Schüler Mozarts noch mit jüngeren Rekonstruktionen von Musikwissenschaftlern. Im Requiem für Mozart erklingt das Mozart’sche Requiem in der unvollständigen Urfassung, genau in der Gestalt, wie er es komponiert und hinterlassen hat. Damit rückt der Fragmentcharakter des Requiems in den Vordergrund: Neben den beiden vollständigen Eröffnungssätzen hört man die eher kammermusikalische Faktur der nicht fertig instrumentierten Sätze Mozarts, ferner das achttaktige Lacrimosa, schließlich die lediglich skizzierte Amen-Fuge.

Beim Requiem für Mozart habe ich der Urfassung des Requiems Werke von Purcell, Haydn, Rebel, Bach, Brahms, Pergolesi und Ligeti in einem rund 75-minütigen Programm gegenübergestellt und auf diese Weise beziehungsreiche Dialoge eröffnet. Ähnlich wie in der modernen Archäologie werden dabei Nahtstellen und Ergänzungen bewusst kenntlich gemacht. Trotz der stilistischen Brüche, die klar gesetzt sind, ergeben sich fließende Übergänge und Dialog-Situationen: Auf Mozarts originale Requiem-Sätze antworten beziehungsreich die Bach-Arie Ich habe genug und Ligetis Lux aeterna. Von Mozarts Darstellung des Jüngsten Gerichts im Dies irae führt eine musikalische Brücke zu Haydns apokalyptischer Schilderung des Erdbebens aus den Sieben letzten Worten unserer Erlösers am Kreuze. Der im Lacrimosa begonnene Trauerkondukt setzt sich in Pergolesis Eröffnungssatz aus dem Stabat mater fort. Eine dramaturgische Klammer bilden Sätze aus Henry Purcells Funeral Music of Queen Mary. Diese musikalischen „Antworten“ verlängern, kommentieren oder deuten Mozarts Ideen aus und fügen die Teile zu einem neuen Korpus zusammen.

Requiem für Mozart legt mit solchen Werkkonstellationen und einer behutsamen Licht- und Bewegungsregie Spuren für eine neue Lesart und lässt sich vom Konzertbesucher auch als Trauermusik auf den Tod Mozarts verstehen – immer aber will sich das Vorhaben selbst bescheiden und hinter dem Meisterwerk zurücktreten. Es verbeugt sich vor der großen Kunst Mozarts und verspricht, einen alten Bekannten mit neuen Ohren und geschärften Sinnen zu erleben.